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| 02.03.2018

Nigeria erlebt seinen größten Lassa Fieber Ausbruch in der Geschichte

Hintergrund und Fallzahlen zum Lassa-Virus-Ausbruch in Nigeria, Afrika, in 2018
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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Lassaviren

Das Lassa-Fieber ist in den südlichen Regionen Westafrikas weit verbreitet und sorgt während der Trockenzeiten immer wieder für Ausbrüche. In diesem Jahr ist die saisonal bedingte Häufung der Fälle jedoch besonders groß. Allein in den letzten acht Wochen wurden mehr Fälle registriert als im gesamten Jahr 2017. Das Nigeria Centre for Disease Control (NCDC) listete bis Ende Februar 317 laborbestätigte Fälle und 72 Todesfälle. Mitarbeiter des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) sind seit Beginn des aktuellen Ausbruchs vor Ort. Als Mitglied der "Schnell einsetzbaren Expertengruppe bei Gesundheitsgefährdungen (SEEG)" des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des "Global Health Protection Programme" des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) führt das BNITM zusammen mit lokalen Organisationen und Partnern insbesondere Lassa-Fieber Diagnostik durch. Die Diagnostik ist für die Kontrolle der Epidemie von großer Bedeutung.

MINion liefert Ergebnisse zu Ursprung des Lassaausbruchs

Schnelle Virus-Sequenzierung vor Ort hilft bei Aufklärungs des Aufbruchs

Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes des Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH), Edo State, Public Health England (PHE) und der KU Leuten wurden die ersten Genomsequenzen von Lassa-Viren von sieben laborbestätigten Patienten aus den am heftigsten betroffenen Regionen Edo, Ondo und Ebonyi analysiert. Vorläufige Ergebnisse erbrachten keine Hinweise auf das Auftreten neuer Lassa-Virus Stämme im derzeitigen Ausbruch.

Was ist das Lassafieber? Wer forscht an Lassaviren?

Lassa-Fieber – virales hämorrhagisches Fieber

Das Lassa-Virus wurde erstmals im Jahr 1969 isoliert und nach seinem Entdeckungsort, der Stadt Lassa, im Nordosten Nigerias, benannt. Es gehört zur Gruppe der Arenaviren und wird zu den hämorrhagischen Fieberviren gezählt. Infektionen mit dem Lassa-Virus erzeugen starke grippeähnliche Symptome mit Fieber, Durchfall und Erbrechen. In schweren Fällen kann die Infektion zur Blutungsneigung und zum Tod führen. Das Lassa-Virus wird von Vielzitzenmäusen (Mastomys natalensis) über Ausscheidungsprodukte wie Urin auf den Menschen übertragen (Zoonose). Als Schmierinfektion über kontaminierte Nahrung oder über Virus-haltige Staubpartikel kann der Erreger auf den Menschen und anschließend von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Langjährige Forschung des BNITM zu Lassa-Fieber in Nigeria

Das BNITM arbeitet schon seit vielen Jahren mit Partnern in Nigeria zusammen, um die klinischen Verläufe und die Übertragung des Lassa-Virus besser zu verstehen und langfristig zu verhindern. Bereits im Januar 2007 wurde mit Unterstützung des BNITM am Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH) in Edo State, mitten in der Lassa-Fieber-Endemiezone Nigerias, das „Institute of Lassa Fever Research and Control (ILFRC)“ eröffnet und war damit die erste Institution dieser Art in Nigeria. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BNITM arbeiten im Bereich „Public Health“ am Aufbau von Kapazitäten für eine schnelle und verlässliche Diagnostik und führen eine Reihe von Forschungsprojekten durch.

Breites Spektrum an Forschungsprojekten

Die Forschungsthemen des BNITM zum Lassa-Virus reichen von Studien zu den Reservoirtieren Mastomys natalensis über Analysen der Übertragungswege bis hin zur Immunantwort im Menschen.

Projekte zur Ökologie des Reservoirtieres in Nigeria, Guinea und Sierra-Leone beschäftigen sich mit der Frage, ob eine Verringerung der Bestände von Mastomys natalensis auch zu einer Reduktion von Lassa-Fieber-Erkrankungen führt und ob es Möglichkeiten gibt, die Errgerlast im Reservoirtier zu senken. Studien zur Immunologie sollen klären, warum einzelne Menschen ganz unterschiedlich auf das Lassa-Virus reagieren. Es wird erwartet, dass diese Erkenntnisse wichtige Informationen liefern für die Impfstoffentwicklung sowie die Behandlung von Akutpatienten. Darüber hinaus werden strukturbiologische Untersuchungen an Lassa-Viren durchgeführt, um neue Ansatzpunkte für die Entwicklung von Therapeutika zu identifizieren.

Gruppenfoto mit Mitarbeitern von ISTH und BNITM vor dem ISTH in Nigeria, Afrika
Lassa-Diagnostik-Team von BNITM und ISTH (Irrua Specialist Teaching Hospital) in Nigeria
Wer ist SEEG? Was ist das Global Health Protection Programme - GHPP?

SEEG
Als Schlussfolgerung aus der Ebola-Krise in Westafrika hat das Bundesentwicklungsministerium gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium die "Schnell einsetzbare Expertengruppe Gesundheit (SEEG)" ins Leben gerufen, die jetzt auch in Nigeria im Einsatz ist. Die SEEG hilft Partnerländern bei der Vorbereitung und Reaktion auf Ausbrüche von Infektionskrankheiten. Auf Anforderung betroffener Länder stellt die SEEG kurzfristig Teams aus einschlägigen Expertinnen und Experten aus Medizin und Forschung zusammen, die vor Ort die lokalen Behörden beraten. Die SEEG unterstützt beispielsweise bei der Diagnostik von Krankheiten, berät zu geeigneten Behandlungsmethoden und Möglichkeiten, Kranke zu isolieren und Gesunde vor einer Infektion zu schützen. Die "Schnell einsetzbare Expertengruppe Gesundheit" ist eine Kooperation des Robert-Koch-Instituts (RKI), des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

GHPP
Die Expertengruppe wird personell unterstützt durch das "Programm für globalen Gesundheitsschutz" (Global Health Protection Programme - GHPP) des Bundesgesundheitsministeriums, das bereits seit 2016 in Nigeria beim Aufbau von Laborkapazitäten hilft. Das GHPP hilft seinen Partnerländern – überwiegend in Afrika – bei der Epidemieprävention, beispielsweise mit dem Aufbau von Laborkapazitäten und Seuchenwarnsystemen. Das Programm wird neben RKI und BNITM vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durchgeführt.