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Vernachlässigte Tropenkrankheiten

| 08.08.2016

Sichelzellkrankheit in Hamburg

Eine Mitarbeiterin des Programms verteilt Aufklärungsbroschüren im Gottesdienst einer afrikanischen Gemeinde in Hamburg
Eine Mitarbeiterin des Programms verteilt Aufklärungsbroschüren im Gottesdienst einer afrikanischen Gemeinde in Hamburg

Deshalb werden in vielen Ländern der Welt mit Migranten aus Malariagebieten wie Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien – nicht aber Deutschland – Neugeborene in Früherkennungsprogrammen routinemäßig auf diese Erkrankung untersucht. Die Neugeborenen können dann frühzeitig durch Antibiotika und Impfungen geschützt werden, so dass sie heute in diesen Ländern alle das Erwachsenenalter erreichen. Zusammen mit Kolleginnen aus dem Universitätsklinikum Eppendorf haben wir gefunden, dass in Hamburg 1 von 2400 Kindern mit einer Sichelzellerkrankung geboren wird und damit häufiger als mit anderen angeborenen Krankheiten, die im deutschen Früherkennungsprogramm erfasst werden. Betroffen sind vor allem Kinder aus der größten ghanaischen Gemeinschaft Deutschlands, die etwa 20.000 Mitglieder umfasst. Zusammen mit dem „Interkulturellen Migranten-Integrations-Center“ informieren wir die ghanaische Bevölkerung in Hamburg über Vererbung und Folgen der Sichelzellerkrankung, um möglichst viele Träger der Erbanlage zu erfassen. Erste Ergebnisse zeigen, dass in Hamburg jedes 5. Mitglied mit afrikanischer Herkunft eine Sichelzell-Anlage trägt. Wenn beide Eltern die Anlage tragen, wird statistisch eines von vier Kindern mit der Sichelzellkrankheit geboren. Die Studie wird von der Vereinigung der Freunde des Tropeninstituts e.V. unterstützt.

 


Grosse et al., Pediatr Blood Cancer. 2015 Aug 14. doi: 10.1002/pbc.25706

Christian Timmann, Christa Ehmen, Birgit Muntau, Bernd Noack und externe Kooperationspartner