FAQ zum Usutu-Virus

Tot aufgefundene Amsel © Dr. Stefan Bosch

Stand: 07. September 2017

Hier finden Sie Hintergründe zum Amselsterben in Deutschland und Informationen zur Einsendung toter Vögel.

1. Was ist das Usutu-Virus?

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Usutu-Viren in einer Zellkultur © BNITM

Das Usutu-Virus (USUV) aus der Familie der Flaviviren wird von Stechmücken (u. a. Gemeine Hausmücke, Culex pipiens) zwischen Vögeln übertragen, die als Hauptwirt fungieren. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika und vermutlich haben Zugvögel das Virus vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt. Spätestens seit Mitte der neunziger Jahre sorgt das Virus für kleinere, wiederkehrende Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen.

2. Wo kommt das Usutu-Virus vor und wie ist die aktuelle Lage?

Nach dem ersten Nachweis des durch Stechmücken übertragenen Usutu-Virus in Deutschland im Jahr 2010 kam es in den Jahren 2011/2012 zu einem großräumigen Ausbruch des Virus, der ein Massensterben von Amseln in Südwestdeutschland verursachte. In den darauffolgenden Jahren zirkulierte das Virus weiterhin in der Region, ein auffälliges Amselsterben wurde jedoch erst wieder im Jahr 2016 beobachtet. Dieser Ausbruch war mit einer deutlichen Arealausbreitung Richtung West- und Ostdeutschland verbunden, wobei parallel auch eine starke Viruszirkulation in Belgien und den Niederlanden beobachtet wurde.

Die Region im Dreiländereck (D, BE, NL) scheint auch dieses Jahr eine starke Aktivität des Usutu-Virus aufzuweisen, was sich in den entsprechenden NABU-Meldungen und Vogel-Einsendungen widerspiegelt. Die entscheidenden Faktoren für die erneute Zirkulation des Usutu-Virus im Jahr 2017 mit einer weiteren Ausbreitung nach Norden liegen wahrscheinlich in einer Kombination von hohen Niederschlägen und Temperaturen, die sowohl die Stechmückenzahlen als auch die Virusvermehrung günstig beeinflussen.

3. Besteht eine Gefahr für den Menschen oder andere Tiere?

Die Übertragung von Usutu-Viren auf den Menschen erfolgt eher zufällig (ebenfalls über Stechmücken) und kann zum Usutu-Fieber führen. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge; in seltenen Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen.

Seit einigen Jahren werden Blutproben teilweise routinemäßig neben anderen Infektionserregern auch auf Usutu-Viren untersucht. Dabei wurde bisher zwei Infektionen entdeckt, die bei den betroffenen Personen jedoch keine Erkrankungen auslösten. Da die Personen keine Reisen unternommen hatten, musste sie sich in Deutschland angesteckt haben. Eine Infektion mit dem Usutu-Virus scheint also in Deutschland möglich, ist aber noch kein Grund zu Sorge und wird von Blutspendezentren gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen weiter beobachtet.

Auch wenn dazu bisher kaum belastbare Daten vorliegen, können sich auch andere Säugetiere (z.B. Pferde oder Fledermäuse) mit dem Usutu-Virus infizieren. Deren Krankheitsverlauf und Symptome sind jedoch noch unbekannt.

4. Wie gehe ich mit toten Vögeln um?

Idealerweise schicken Sie die Vögel in einer stabilen ausgepolsterten Verpackung, die mit einem Tiefkühlakku versehen ist, und geben Absender, Fundort (mit PLZ) und Funddatum an. © Dr. Stefan Bosch

Besonders wichtig ist der virologische Nachweis von Usutu-Viren in tot aufgefundenen Amseln und andern Vögeln. Diese Untersuchungen nehmen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM), das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems (FLI) sowie Veterinär-Untersuchungsämter vor. BNITM und FLI sammeln bundesweit alle Untersuchungsergebnisse und werten sie aus.

Bitte unterstützen Sie die wissenschaftlichen Untersuchungen durch das Einsenden toter Vögel. Die Vögel sollten baldmöglichst eingesammelt und frischtot eingeschickt werden. Bitte beachten Sie dazu folgende Punkte:

  • Obwohl nach aktuellem Wissenstand keine Infektionsgefahr von den Vögeln ausgeht, werden zum Hantieren mit toten Vögeln das Verwenden von Handschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte sowie eine anschließende Händereinigung empfohlen.
  • Tote Vögel sollten direkt an das BNITM in Hamburg geschickt werden. 
  • Sorgen Sie bitte für einen zügigen Versand und eine sichere Verpackung! Idealerweise sollten die Vögel mit einem Tiefkühlakku versehen oder alternativ gefrorenem Wasser in Plastikflaschen, gut gepolstert und wasserdicht verpackt versendet werden. In den Sommermonaten ist eine Isolation mit Styropor sinnvoll.
  • Es empfiehlt sich besonders vor Wochenenden die Einsendung mit dem BNITM oder den Untersuchungsämtern vorab telefonisch abzustimmen.
  • Ist ein sofortiger Versand nicht möglich, müssen die Vögel bis zum Versand gut verpackt tiefgefroren aufbewahrt werden.
  • Einsender sollten auf der Verpackung den Schriftzug „Freigestellte veterinärmedizinische Probe“ anbringen.
  • Fügen Sie Ihrer Sendung genaue Informationen zum Absender sowie zu Fundort (mit PLZ) und Funddatum bei.
  • Leider können keine Versand- und andere Unkosten erstattet werden. Wie zahlreiche Mitmenschen unterstützen Sie mit ihrer Zuarbeit jedoch die Erforschung des Usutu-Viren-Ausbruches tatkräftig!
  • Die Untersuchung der eingesandten Vögel wird vom BNITM kostenlos vorgenommen, und selbstverständlich erhält jeder Einsender vom BNITM eine Rückmeldung über das Resultat der virologischen Untersuchung.

Weiterhin besteht die Möglichkeit tote Vögel zunächst dem NABU online zu melden und ggf. ein Foto beizufügen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf den Seiten des NABU:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/usutu-melden.html

 

 

Kontakt

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit

Dr. Renke Lühken

Arbovirologie

Tel.: +49 40 42818-862 (Herr Lühken)

Tel.: +49 40 42818-0 (24/7 Telefonzentrale)

E-Mail:
luehken@bnitm.de