Forschung

Bunthörnchen-Virus tötet drei Züchter

Es fing damit an, dass unsere Diagnostikabteilung keine Ursache für die tödliche Gehirnentzündung eines Mannes aus Sachsen-Anhalt fand. Nachforschungen ergaben, dass er ein Züchter von Bunthörnchen war und dass zwei Züchterkollegen ein Jahr bzw. anderthalb Jahre zuvor ebenfalls an einer unklaren Gehirnentzündung gestorben waren.

Bunthörnchen (Sciurus variegatoides atrirufus), Träger eines neuartigen Borna-Virus, das im Menschen tödliche Gehirnentzündungen verursachen kann (Fotografie: Hans Hillewaert / CC BY-SA 3.0).
Bunthörnchen (Sciurus variegatoides atrirufus), Träger eines neuartigen Borna-Virus, das im Menschen tödliche Gehirnentzündungen verursachen
kann (Fotografie: Hans Hillewaert / CC BY-SA 3.0).

Auch bei erneuter Untersuchung blieben alle Untersuchungen auf bekannte Krankheitserreger negativ, auch bei einem der Bunthörnchen. Schließlich sequenzierten Kollegen am Friedrich-Loeffler-Institut sämtliches genetisches Material aus dem Gehirn eines Bunthörnchens und wurden fündig: Neben Genen des Tieres fanden sich eindeutig Gene eines neuen Virus. Es handelte sich um ein Bornavirus, das sich deutlich von bekannten Bornaviren unterscheidet, die meist eine Gehirnentzündung bei Pferden hervorrufen. Tests, die daraufhin speziell konstruiert wurden, wiesen das neue Virus sowohl in Bunthörnchen als auch im Nervenwasser und Gehirngewebe der verstorbenen Züchter nach, nicht aber in Vergleichsproben. Auf die Züchter wurde das Virus vermutlich durch Bisse oder Kratzer der Bunthörnchen übertragen.

 


Hoffmann B. et al. N Engl J Med 2015; 373:154-62

Dennis Tappe, Daniel Cadar, Jonas Schmidt-Chanasit und externe Kooperationspartner (s. Publikation)