Forschung

Veränderungen der Mücken-Populationen in Hamburg

An über einhundert Stellen haben wir zwei Jahre lang im Großraum Hamburg über zehntausend Mücken gefangen und Mückenlarven gesammelt. Anopheles algeriensis, der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt, war nach einem halben Jahrhundert erstmals wieder in Norddeutschland aufgetaucht.

Prof. Rolf Garms und Prof. Egbert Tannich bei der Mückensammlung in einem Hamburger Biotop.
Prof. Rolf Garms und Prof. Egbert Tannich bei der Mückensammlung in einem Hamburger Biotop.

Ebenso mediterranen Ursprings ist Culex modestus, der erstmals in Hamburg nachgewiesen wurde und noch nie so weit nördlich gefunden worden war. Seine Ausbreitung ist möglicherweise eine Folge des Klimawandels. Cx. modestus ist in Europa einer der wichtigsten Überträger des West-Nil-Virus, das sich – aus Afrika kommend – 2000-2003 rasant über ganz Nordamerika ausgebreitet hat. Er brütet bevorzugt in mineralhaltigen Feuchtgebieten wie der Marsch. Umso interessanter ist das Verschwinden von Anopheles atroparvus, der ähnliche Brutplätze bevorzugt und vor dem Krieg bei uns der wichtigste Überträger der Malaria war (s. Malariamücke in Deutschland vom Aussterben bedroht). Zwei weitere erstmals gefundene Mücken brüten bevorzugt in Überschwemmungsgebieten. Auch die wichtigste „Überschwemmungsmücke“ (Aedes vexans) wurde deutlich häufiger als vor 1970 nachgewiesen, vermutlich Folge der systematischen Anlage von Überschwemmungsgebieten in Hamburg. Beruhigend war, dass auch bei gezieltem Suchen im Hafen und am Flughafen Fuhlsbüttel keine asiatischen Tigermücken oder asiatischen Buschmücken gefunden wurden, die gefürchtete Viren wie das Dengue- bzw. West-Nil-Virus übertragen.

 


Krüger A. et al. Parasitol Res 2014, 113:2907-14

Andreas Krüger*, Jessica Börstler, Marlis Badusche, Renke Lühken, Rolf Garms, Egbert Tannich und
externe Kooperationspartner
*) Fachbereich Tropenmedizin der Bundeswehr, im Hause