Forschung

Malariamücke in Deutschland vom Aussterben bedroht

Erst 1953 wurde Deutschland von der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell als malariafrei erklärt. In den Jahrzehnten zuvor war im Wesentlichen die Mücke Anopheles atroparvus für die Übertragung der Malaria verantwortlich gewesen. Da sie salzhaltige Brutgewässer bevorzugt, war sie vor allem in Norddeutschland weit verbreitet und machte dort einen wesentlichen Teil des Mückenbestands aus.

Weibliches Exemplar des Malariaüberträgers Anopheles atroparvus bei der Nahrungsaufnahme.
Weibliches Exemplar des Malariaüberträgers Anopheles atroparvus bei der Nahrungsaufnahme.

Bei unserer letzten Erhebung 2011-2013 haben wir An. atroparvus deutlich seltener gefunden, sowohl was die Verbreitung, als auch ihre Zahl betrifft. Nur in Gegenden nahe der Küsten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins wurde sie noch angetroffen.

Eine ähnliche Entwicklung wurde in den Niederlanden beobachtet. Über die Ursachen für das Verschwinden dieser wichtigen europäischen Malariamücke kann man nur spekulieren. Einerseits könnte die moderne geschlossene Bauweise ihr die Rückzugsorte für die Überwinterung verbaut haben. Von den Niederländern wurde zudem gemutmaßt, dass An. atroparvus besonders empfindlich auf eine zunehmende Verschmutzung stehender Gewässer reagieren könnte, die ihre Brutplätze schädigt und so ihre Vermehrung beeinträchtigt.

 


Lühken R. et al., Med Vet Entomol 2015 (im Druck)

Renke Lühken, Hanna Jöst, Jonas Schmidt-Chanasit, Egbert Tannich und externe Kooperationspartner