Forschung

Zahlreiche untypische Proteine auf der Oberfläche von Amöben

Moleküle, die an der Oberfläche von Infektionserregern liegen, sind von besonderem Interesse für den Infektionsprozess, bei Amöben (Entamoeba histolytica) für die Einwanderung aus dem Darminhalt ins Gewebe und die Entwicklung von Darmgeschwüren und Organabszessen.

Immunfluoreszenz-Mikroskopie zum Nachweis zahlreicher einzelner Proteine auf der Oberfläche von Amöben
Immunfluoreszenz-Mikroskopie zum Nachweis zahlreicher einzelner Proteine auf der Oberfläche von Amöben. Der Zellkern der Amöben erscheint blau, das betreffende Protein grün. Im Zentrum eine Amöbe, bei der alle Oberflächenproteine markiert sind.

Daher haben wir das „Oberflächen-Proteom“ von Amöben untersucht, d.h. die Gesamtheit aller Proteine, die Amöben auf ihrer Oberfläche tragen. Dazu haben wir lebende Amöben mit einer Substanz markiert, die sich spontan an alle Proteine anlagert, die so markierten Proteine isoliert und durch Massenspektrometrie analysiert. Die bioinformatische Auswertung der identifizierten Proteinfragmente zeigte, dass sich bei etwa der Hälfte der fast 700 Proteine gar keine Hinweise auf die charakteristischen Strukturen fanden, mit denen Proteine normalerweise auf einer Zelloberfläche verankert werden. Wir wählten 23 von ihnen zufällig aus, markierten sie mit einer fluoreszierenden Substanz und fanden, dass 20 von ihnen wirklich auf der Zelloberfläche leuchteten. Offenbar werden durch den bekannt raschen Umsatz der Zellmembran von Amöben zahlreiche Proteine vorübergehend auf die Oberfläche gespült.

 


Biller L et al. Mol Cell Prot., 2014, 13, 132-44.

Laura Biller, Jenny Matthiesen, Vera Kühne, Hannelore Lotter, Ghassan Handal, Egbert Tannich, Iris Bruchhaus und externe Kooperationspartner (s. Publikation)