Forschung

RNA-Interferenz

DNA bildet üblicherweise eine sehr robuste Struktur von zwei komplementären Einzelsträngen – die bekannte Doppelhelix - und eignet sich so vorzüglich zur sicheren Lagerung und originalgetreuen Verdopplung der Erbinformation. Die chemisch nahe verwandte RNA kommt dagegen meist als labiler Einzelstrang vor, kann aber in lebenden Zellen vielfältige Funktionen übernehmen. 

Einzelsträngige RNA dient zahlreichen Viren allerdings auch als Erbsubstanz. Solche RNA-Viren vermehren sich in infizierten Zellen, indem sie ihre RNA immer wieder verdoppeln. Dabei bilden sie vorübergehend RNA-Doppelstränge, die von spezialisierten Proteinen der betroffenen Zellen in kurze RNA-Moleküle zerschnitten und dann zerstört werden können – insbesondere Pflanzen und Insekten nutzen diese Gelegenheit, Viren zu vernichten.

In der Forschung macht man sich das zunutze. Man kann die Funktion eines einzelsträngigen RNA-Moleküls testen, indem man untersucht, was passiert, wenn man es zerstört. Dazu synthetisiert man ein aus der Ziel-RNA ausgesuchtes Stück kurzer doppelsträngiger RNA (siRNA), schleust sie in die Zelle ein und liefert so auch die betreffende einzelsträngige Ziel-RNA den zerstörenden Proteinen der Zelle aus.