FAQ zum Usutu-Virus

Tot aufgefundene Amsel © Dr. Stefan Bosch

Stand: 10. September 2018

Hier finden Sie eine aktuelle Pressemitteilung und Hintergründe zum Amselsterben in Deutschland sowie Informationen zur Einsendung toter Vögel.

Gemeinsame Pressemitteilung NABU Hamburg / BNITM
Usutu-Virus verursacht Amselsterben erstmals in Hamburg

1. Was ist das Usutu-Virus?

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Usutu-Viren in einer Zellkultur © BNITM

Das Usutu-Virus (USUV) aus der Familie der Flaviviren wird von Stechmücken (u. a. Gemeine Hausmücke, Culex pipiens) zwischen Vögeln übertragen, die als Hauptwirt fungieren. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika und vermutlich haben Zugvögel das Virus vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt. Spätestens seit Mitte der neunziger Jahre sorgt das Virus für kleinere, wiederkehrende Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen.

2. Wo kommt das Usutu-Virus vor und wie ist die aktuelle Lage?

Nach dem ersten Nachweis des durch Stechmücken übertragenen Usutu-Virus in Deutschland im Jahr 2010 kam es in den Jahren 2011/2012 zu einem großräumigen Ausbruch des Virus, welches ein Massensterben von Amseln in Südwestdeutschland verursachte. In den darauffolgenden Jahren zirkulierte das Virus weiterhin in der Region, ein auffälliges Amselsterben wurde jedoch erst wieder in den Jahren 2016/2017 beobachtet. Dieser Ausbruch war mit einer deutlichen Arealausbreitung Richtung Nordwest- und Ostdeutschland verbunden, wobei parallel auch eine starke Viruszirkulation in Belgien und den Niederlanden beobachtet wurde. 

Im Jahr 2018 wird wieder ein Massensterben festgestellt, was wahrscheinlich durch die lange anhaltenden hohen Temperaturen auch in Norddeutschland begünstigt wird. Bisher wurden rund 1000 Vögel an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin geschickt, von denen bisher 199 Vögel untersucht wurden. Für 43 (22%) der bereits untersuchten Vögel konnte das Usutu-Virus nachgewiesen werden. Das Virus zirkuliert dieses Jahr erstmals in den Bundesländern Bremen, Hamburg und Bayern. Die höchste Aktivität ist dieses Jahr in Hamburg zu beobachten.

Nach Bundesländern aufgeschlüsselt:

Baden-Württemberg    15
Bayern    19
Brandenburg    1
Bremen    8
Hamburg    52
Hessen    2
Niedersachsen    24
Nordrhein-Westfalen    27
Rheinland-Pfalz    5
Sachsen    2
Schleswig-Holstein    44

(Stand 10.09.2018)

3. Besteht eine Gefahr für den Menschen oder andere Tiere?

Die Übertragung von Usutu-Viren auf den Menschen erfolgt eher zufällig (ebenfalls über Stechmücken) und kann zum Usutu-Fieber führen. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge; in seltenen Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen.

Seit einigen Jahren werden Blutproben teilweise routinemäßig neben anderen Infektionserregern auch auf Usutu-Viren untersucht. Dabei wurden bisher zwei Infektionen entdeckt, die bei den betroffenen Personen jedoch keine Erkrankungen auslösten. Da die Personen keine Reisen unternommen hatten, mussten sie sich in Deutschland angesteckt haben. Eine Infektion mit dem Usutu-Virus scheint also in Deutschland möglich, ist aber noch kein Grund zu Sorge und wird von Blutspendezentren gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen weiter beobachtet.

Auch wenn dazu bisher kaum belastbare Daten vorliegen, können sich auch andere Säugetiere (z.B. Pferde oder Fledermäuse) mit dem Usutu-Virus infizieren. Deren Krankheitsverlauf und Symptome sind jedoch noch unbekannt.

4. Wie gehe ich mit toten Vögeln um?

Idealerweise schicken Sie die Vögel in einer stabilen ausgepolsterten Verpackung, die mit einem Tiefkühlakku versehen ist, und geben Absender, Fundort (mit PLZ) und Funddatum an. © Dr. Stefan Bosch

Besonders wichtig ist der virologische Nachweis von Usutu-Viren in tot aufgefundenen Amseln und andern Vögeln. Diese Untersuchungen nehmen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM), das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems (FLI) sowie Veterinär-Untersuchungsämter vor. BNITM und FLI sammeln bundesweit alle Untersuchungsergebnisse und werten sie aus.

Bitte unterstützen Sie die wissenschaftlichen Untersuchungen durch das Einsenden toter Vögel. Die Vögel sollten baldmöglichst eingesammelt und frischtot eingeschickt werden. Bitte beachten Sie dazu folgende Punkte:

  • Obwohl nach aktuellem Wissenstand keine Infektionsgefahr von den Vögeln ausgeht, werden zum Hantieren mit toten Vögeln das Verwenden von Handschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte sowie eine anschließende Händereinigung empfohlen.
  • Tote Vögel sollten direkt an das BNITM in Hamburg geschickt werden. 
  • Sorgen Sie bitte für einen zügigen Versand und eine sichere Verpackung! Idealerweise sollten die Vögel mit einem Tiefkühlakku versehen oder alternativ gefrorenem Wasser in Plastikflaschen, gut gepolstert und wasserdicht verpackt versendet werden. In den Sommermonaten ist eine Isolation mit Styropor sinnvoll.
  • Es empfiehlt sich besonders vor Wochenenden die Einsendung mit dem BNITM oder den Untersuchungsämtern vorab telefonisch abzustimmen.
  • Ist ein sofortiger Versand nicht möglich, müssen die Vögel bis zum Versand gut verpackt tiefgefroren aufbewahrt werden.
  • Einsender sollten auf der Verpackung den Schriftzug „Freigestellte veterinärmedizinische Probe“ anbringen.
  • Fügen Sie Ihrer Sendung genaue Informationen zum Absender sowie zu Fundort (mit PLZ) und Funddatum bei.
  • Leider können keine Versand- und andere Unkosten erstattet werden. Wie zahlreiche Mitmenschen unterstützen Sie mit ihrer Zuarbeit jedoch die Erforschung des Usutu-Viren-Ausbruches tatkräftig!
  • Die Untersuchung der eingesandten Vögel wird vom BNITM kostenlos vorgenommen, und selbstverständlich erhält jeder Einsender vom BNITM eine Rückmeldung über das Resultat der virologischen Untersuchung.

Weiterhin besteht die Möglichkeit tote Vögel zunächst dem NABU online zu melden und ggf. ein Foto beizufügen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf den Seiten des NABU:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/usutu-melden.html

 

 

Kontakt

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit

Dr. Renke Lühken

Arbovirologie

Tel.: +49 40 42818-862 (Herr Lühken)

Tel.: +49 40 42818-0 (24/7 Telefonzentrale)

E-Mail:
luehken@bnitm.de

Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg