Mitteilung

Pressemitteilung

| 22.06.2004

Millionenförderung für Genomforschung am Hamburger Tropeninstitut

Welche Gene schützen vor Malaria und Tuberkulose?

Eine der weltweit größten Patientenstudien über die komplexen genetischen Zusammenhänge, die den Verlauf von Malaria und Tuberkulose beeinflussen, ist für weitere drei Jahre gesichert: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat für das Projekt in der zweiten Phase des Nationalen Genomforschungsnetzes 1,8 Mio. EUR bewilligt. Koordinator der Studie ist Professor Rolf Horstmann, Leiter der tropenmedizinischen Grundlagenforschung am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

"Die natürliche Empfänglichkeit und Resistenz gegenüber Infektionen ist in erstaunlich hohem Maße durch die individuelle genetische Ausstattung bedingt, insgesamt bei Infektionen stärker als z.B. bei Tumorerkrankungen", erläutert Horstmann die Projekte. "Insbesondere Malaria hat aufgrund ihrer hohen Kindersterblichkeit die Selektion zahlreicher genetischer Anlagen des Menschen bewirkt". Bekanntes Beispiel ist die Erbkrankheit Sichelzellanämie, die nur in Malariagebieten vorkommt.

Um das inzwischen entschlüsselte menschliche Genom systematisch nach Gen-Varianten durchzumustern, die vor Parasitenbefall und klinischer Erkrankung an Malaria schützen, ist allerdings die Untersuchung von Hunderten bzw. Tausenden von Personen erforderlich. In der ersten Projektphase 2001-2004 wurden 450 Geschwisterkinder aus 120 Familien über 8 Monate wöchentlich auf Malariaparasiten und klinische Zeichen einer Malaria untersucht. In einem zweiten Projekt wurden weitere 2000 Patienten mit schweren Malariakomplikationen untersucht und mit exponierten, aber nicht erkrankten Probanden verglichen. Erhebung und Auswertung der genetischen Daten erfolgen nun in der zweiten Projektphase 2004-2006 in Hamburg.

Ähnlich groß angelegt ist Studie zur Tuberkulose, die das Bernhard-Nocht-Institut gemeinsam mit dem Forschungszentrum Borstel durchführt, einem weiteren norddeutschen Leibniz-Institut. In den ghanaischen Grossstädten Kumasi und Accra wurden über 2000 Patienten mit offener Tuberkulose sowie exponierte, aber gesunde Vergleichspersonen untersucht. In der zweiten Projektphase 2004-2006 wird schrittweise und systematisch nach Unterschieden im Erbgut der erkrankten und nichterkrankten Personen gesucht. Außerdem wird in der Studie bestimmt, welche Medikamentenresistenz die Tuberkulose-Bakterien entwickelt haben. Die Ergebnisse sind Grundlage für die Therapieempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nach der ersten Projektphase steht fest, dass 30 % der in Ghana festgestellten Erreger gegen eines oder mehrere der Antibiotika resistent sind und die Therapieempfehlungen der WHO für die Region neu formuliert werden müssen.


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