Mitteilung

Pressemitteilung

| 04.12.2003

Virologen des Tropeninstituts erhalten Preis der Werner Otto Stiftung

Identifizierung des SARS-Coronavirus gewürdigt

Dr. Christian Drosten (31) und Dr. Stephan Günther (40) von Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin wurden am gestrigen Mittwoch mit dem Preis der Werner Otto Stiftung ausgezeichnet. Die Stiftung würdigte damit die " Identifizierung des SARS-Coronavirus und Etablierung eines schnellen diagnostischen Testsystems". Das zunächst unbekannte Virus hatte im Frühjahr 2003 vor allem in Asien und Kanada mehrere Epidemien einer atypischen Lungenentzündung ausgelöst. Einzelne Erkrankungsfälle waren aus mehr als 30 Ländern gemeldet worden.

Bemerkenswert an der Leistung der beiden Preisträger ist zunächst die Eleganz des verwendeten Verfahrens. Während andere Labors - wie die der US-amerikanischen Zentren für Seuchekontrolle (CDC) - nach Sequenzen aller bekannten Virusfamilien suchten, ließen Drosten und Günther sich von der Hypothese leiten, dass bestimmte Strukturen des Virus konserviert sein müssen, um ihre Funktion ausüben zu können. Daher sollten z.B. die Polymerase-Gene verschiedener Viren Gemeinsamkeiten in ihrer Sequenz aufweisen, die es erlauben sollten, unter geeigneten Bedingungen auch das Polymerase-Gen eines unbekannten Virus zu finden. Genau dies gelang im Falle des SARS-Coronavirus.

Bemerkenswert ist zum zweiten die Geschwindigkeit, mit der es ihnen gelang, im Wettstreit mit dem mächtigen CDC gleichzeitig das neue Virus zu identifizieren und schneller als das CDC einen diagnostischen Test für SARS zu etablieren. Diesen Test stellten sie sofort der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung, so daß nur zwei Tage nach der Identifizierung des Virus weltweit der Test zur Verfügung stand. Das Testverfahren wurde von der Hamburger Biotechnologie-Firma Artus auf den Markt gebracht und wird mittlerweile von Institutionen in 35 Ländern eingesetzt.
Die Arbeiten des Hamburger Teams wurden ermöglicht durch eine Kooperation mit den Virologen der Universität Frankfurt, denen es gelungen war, den Erreger aus einer Patientenprobe in Zellkultur anzuzüchten. Die Suche nach dem unbekannten Erreger von SARS und die Etablierung des spezifischen molekularen Testverfahrens wurde unter Federführung der beiden Hamburger Wissenschaftler von einer Autorengemeinschaft aus fünf europäischen Forschungsinstituten am 11.April im renommierten "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Der mit 8.000 EUR dotierte "Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung" wird alle zwei Jahre an in Hamburg tätige Ärzte und Wissenschaftler verliehen für hervorragende wissenschaftliche Leistungen.


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