Mitteilung

Pressemitteilung

| 31.10.2003

Stärkung des Schwerpunktes Malaria

Zwei neue Arbeitsgruppen eingerichtet

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) hat im Institutsprogramm Malaria substanzielle Verstärkung erhalten.

Eine Emmy-Noether-Gruppe unter Dr. Tim-Wolf Gilberger (34) wird in den kommenden zwei Jahren den zielgerichteten Proteintransport zu besonderen Organellen des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum erforschen. Die Organellen, Mikronemen genannt, sind für die Malariainfektion bedeutsam, weil sich der Parasit mit Hilfe von Mikronemenproteinen an die zu infizierende Wirtszelle anheftet. Ihre genaue Funktion als Verbindungsglied zwischen Parasit und Wirt soll ebenfalls erforscht werden.

Zwei neue Arbeitsgruppen eingerichtet

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) hat im Institutsprogramm Malaria substanzielle Verstärkung erhalten.

Eine Emmy-Noether-Gruppe unter Dr. Tim-Wolf Gilberger (34) wird in den kommenden zwei Jahren den zielgerichteten Proteintransport zu besonderen Organellen des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum erforschen. Die Organellen, Mikronemen genannt, sind für die Malariainfektion bedeutsam, weil sich der Parasit mit Hilfe von Mikronemenproteinen an die zu infizierende Wirtszelle anheftet. Ihre genaue Funktion als Verbindungsglied zwischen Parasit und Wirt soll ebenfalls erforscht werden.

Dr. Gilberger promovierte 1999 am BNI in der Abteilung für Biochemische Parasitologie bei Prof. Dr. Rolf D. Walter. Er studierte in Hamburg Biologie und beschäftigte sich bereits in seiner Diplomarbeit mit dem Stoffwechsel des Malaria-Erregers.

Aus seiner Dissertation über zwei Schlüsselenzyme im Redox-System von Plasmodium falciparum gingen insgesamt sieben Veröffentlichungen in bekannten biochemischen Fachzeitschriften hervor. Aufgrund seiner exzellenten Promotionsleistung wurde Herr Gilberger im Jahre 2000 mit dem Gerhard-Piekarski-Preis der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie ausgezeichnet. Im Jahr 2001 erhielt er außerdem den Doktorandenpreis der "Vereinigung der Freunde des Tropeninstituts Hamburg e.V." Die außergewöhnlichen Leistungen beeindruckten auch das Auswahlkomitee der Deutschen Forschungsgemeinschaft: Sie gewährte Herrn Dr. Gilberger das renommierte Emmy-Noether-Stipendium. Dies ermöglichte zunächst einen zweijährigen Forschungsaufenthalt am Walter and Eliza Hall Institute in Melbourne, Australien und nun die Gründung einer selbständigen Nachwuchsgruppe am BNI.

Die Forschergruppe um Frau Dr. Mo Klinkert (51) befasst sich mit grundlegenden Arbeiten über variable Oberflächenproteine (Antigene) von Plasmodium falciparum, die sich auf der Oberfläche infizierter roter Blutkörperchen (Erythrocyten) befinden. Die Antigene werden von einer polymorphen Familie von über 50 Genen codiert und sind hochvariabel. Interessant sind die Oberflächenantigene wegen ihrer sehr gegensätzliche Eigenschaften: Zum einen ermöglichen sie dem Parasiten, aus dem Inneren der Zelle heraus mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Mit Hilfe der Antigene heftet sich der infizierte Erythrozyt an den Wänden der Blutgefäße an, wird so dem Blutstrom entzogen und entgeht so den Eliminationsmechanismen der Milz. Der Parasit kann sich ungestört vermehren. Dieser "Sequestration" genannte Vorgang ist vermutlich ursächlich für einen schweren Malariaverlauf. Zum Anderen sind Plasmodium-infizierte Erythrozyten durch die Oberflächenantigene für das Immunsystem erkennbar, es kann spezifische Antikörper gegen diese Proteine bilden. Hat ein Mensch auf dem Weg zum Erwachsenwerden ausreichend viele Malariainfektionen überstanden, kann er mit Hilfe dieser Antikörper die Parasiten kontrollieren (klinische Immunität).

Diese beiden gegensätzlichen Eigenschaften der Oberflächenantigene sind Gegenstand der Forschungsarbeiten: Zunächst ist angestrebt, den Mechanismus der Anheftung an die Gefäßwand auf molekularer Ebene aufzuklären. Längerfristig sollen daraus Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welche Strukturen trotz hoher Variabilität eine schützende Immunantwort beim Menschen hervorrufen können. In zwei EU-geförderten Projekten werden dazu Kinder und schwangere Frauen untersucht, zwei von Malaria stark gefährdete Gruppen, die keine klinische Immunität besitzen.

Malaria bei schwangeren Frauen ist ein bisher wenig beachtetes, aber wichtiges Forschungsgebiet, denn durch die Schwangerschaft geht die in der Kondheit erworbene Immunität verloren. Wenn werdende Mütter an Malaria erkranken, sind Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Anämie oder Tod der Mutter häufige Folgen.

Vor ihrem Wechsel zum BNI war Frau Dr. Klinkert fünf Jahre Arbeitsgruppenleiterin am Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen. Von 1991-1998 forschte sie am Institut für Zellbiologie des italienischen Consiglio Nazionale delle Ricerche in Rom über Bilharziose.



Kontakt:
Dr. Eleonora Schönherr
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
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