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Pressemitteilung

| 18.10.2011

Wurminfektionen beeinträchtigen Schutzimpfungen

Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Breloer haben im Mausmodell nachgewiesen, dass eine Wurminfektion die Wirkung von Schutzimpfungen gegen andere Krankheitserreger beeinträchtigt. Zudem wurde die Schlüsselstelle in der Immunantwort identifiziert, die von den Würmern gestört wird, um das Abwehrsystem ihres Wirtes zu dämpfen.1 „Mit der Veröffentlichung unserer Daten möchten wir darauf aufmerksam machen, dass für Bevölkerungen mit starkem Wurmbefall möglicherweise besondere Impfstrategien entwickelt werden müssen “, sagt Privatdozentin Dr. Minka Breloer, Arbeitsgruppenleiterin im BNI.

Rund eine Milliarde Menschen weltweit sind mit Würmern infiziert. „Wenn wir genauer verstehen, wie eine Wurminfektion den Erfolg von Schutzimpfungen beeinflusst, können wir beispielsweise solche Impfungen entwickeln, die auch bei bestehenden Wurminfektionen gut funktionieren“, erklärt Breloer und nennt nur eine der Möglichkeiten, um Impfstrategien besser an den Patienten anzupassen.

Zu einem genaueren Verständnis der molekularen Vorgänge während einer Wurminfektion tragen nun die aktuellen Forschungsergebnisse bei: Die Gruppe um Breloer verglich die Immunantwort auf Schutzimpfungen in gesunden und wurminfizierten Mäusen. „Infizierte Mäuse produzierten wesentlich weniger Antikörper gegen eine Substanz, die als Modell für typische Schutzimpfung dient“, so die Gruppenleiterin.
Molekularbiologische Untersuchungen führten dann zu der Erkenntnis, dass nicht die Antikörperproduzenten (B-Zellen) selbst in ihrer Arbeit gestört würden, sondern eine Gruppe von Abwehrzellen (T-Zellen), die für die Produktion guter Antikörper unverzichtbar sind.

Die Forschungsergebnisse bestätigen die Hypothese, die Fachkreise schon seit längerem diskutieren: Infektiöse Würmer würden das Immunsystem ihres Wirts modulieren, um selbst den Abwehrmechanismen zu entkommen.2 Der verhältnismäßig große Krankheitserreger könne dann idealerweise über Jahrzehnte in seinem Wirt überleben. Dabei dämpften die Würmer auch die Immunantwort auf Infektionserreger oder abgeschwächte Krankheitserreger in Impfstoffen.

Zukünftig wird die Arbeitsgruppe in ihrem nun etablierten experimentellen Modell untersuchen, wie lange das Immunsystem nach einer überstandenen Wurminfektion benötigt, um sich zu erholen und wieder normal auf Impfungen zu reagieren. Alternativ werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Verstärkern für Schutzimpfungen suchen, die eine erfolgreiche Impfung auch bei einer vorliegenden Wurminfektion erlaubten.

 

Originalpublikationen:

1 Hartmann W, Haben I, Fleischer B, Breloer M: Pathogenic Nematodes Suppress Humoral Responses to Third-Party Antigens In Vivo by IL-10-Mediated Interference with Th Cell Function. J Immunol. 2011 Oct 15;187(8):4088-99.

2 Maizels RM, Balic A, Gomez-Escobar N, Nair M, Taylor MD, Allen JE: Helminth parasites--masters of regulation. Immunol Rev. 2004 Oct;201:89-116.


Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Tuberkulose und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNI umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.