Mitteilung

Pressemitteilung

| 15.10.2002

Hamburger Tropenmediziner erhält Hauptpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie

Antibiotika-Therapie für die Flussblindheit erneut gewürdigt

Privatdozent Dr. med. Achim Hörauf (40) wurde am vergangenen Donnerstag in Heidelberg mit dem Hauptpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) ausge-zeichnet. Der Preis wird von der Stiftung der DGHM für "hervorragende und in der Regel langjährige Forschungstätigkeit auf einem aktuellen und zukunftsträchtigen Gebiet von Hygiene und Mikrobiologie" vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Dr. Hörauf ist der dritte Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI), der diese Auszeichnung erhält.

Der Preisträger und seine Mitarbeiter haben eine neue Therapie gegen die Flussblindheit entwickelt, eine tropische Wurmerkrankung, mit der viele Millionen Menschen in Afrika und Südamerika infiziert sind und die - durch Einwanderung von Würmern in die Augen - zur Erblindung führen kann. Höraufs Gruppe hat gezeigt, dass in den Würmern eine bestimmte Bakterienart vorkommt und mit ihnen in einer Lebensgemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen lebt. Diese Bakterien sind auch an Entzündungsreaktionen beteiligt, die u.a. zu der gefürchteten Augenschädigung führen. Tötet man die Bakterien ab, etwa durch das Antibiotikum Doxyzyklin, so nimmt auch der Wurm Schaden: Er wird unfruchtbar und kann dauerhaft keine Nachkommen mehr produzieren (Hintergrundinformation).

Die Wirksamkeit dieser Methode wurde inzwischen am Menschen überprüft. Tatsächlich sind die Antibiotika in der Lage, die Entstehung der Wurm-Nachkommen für mindestens 18 Monate zu unterbinden. "Dies bedeutet neue Hoffnung für Millionen von Erkrankten und viele Tausende von Sehgefährdeten, und dies würde zugleich auch neue Ansätze bieten, um die Übertragung der Krankheit zu unterbrechen", so der Präsident der DGHM-Stiftung, Prof. Wolfgang Bredt (Universität Freiburg) in seiner Laudatio auf der 54. Jahrestagung der Gesellschaft in Heidelberg.

Das Antibiotikum Doxyzyklin ist eines der 325 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) benannten "unentbehrlichen Arzneimittel" zur sicheren und wirksamen Behandlung von übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten. Vor 25 Jahren, am 21.10.1977, veröffentlichte die WHO erstmalig eine Auswahl jener Medikamente, die auf dem Markt verfügbar sind und die für die medizinische Grundversorgung als notwendig erachtet werden - insbesondere in den Entwicklungsländern. Der Zugang zu medizinischer Betreuung ist eines des Grundrechte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 formuliert sind.

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Hintergrundinformationen "25 Jahre Unentbehrliche Arzneimittel"