Mitteilung

Pressemitteilung

| 06.12.2001

Film und Wissenschaft - "Virus vs. Homo sapiens"

Abschlussveranstaltung der Hamburger Filmtage

Hamburg, 6. Dezember 2001. Eindringlicher Aufruf zum Schutz vor Infektionskrankheiten ".. sehen Sie regelmäßig in Ihren Impfpass und lassen Sie sich reisemedizinisch beraten." So die Experten, die mit den Zuschauern in der letzten Veranstaltung der Hamburger Filmtage zum Thema "Seuchen" diskutierten.

Outbreak - lautlose Killer: 2 Stunden Spannung und ein eindrucksvolles Beispiel für fiktive und reale Maßnahmen beim Ausbruch von Infektionskrankheiten mit Seuchenpotential. "Vielen Seuchen können wir mit einfachen hygienischen und mikrobiologischen Maßnahmen wirkungsvoll bekämpfen. Darum haben wir seit Jahrzehnten in Deutschland keine Ruhr- oder Cholerafälle zu verzeichnen" so Professor Stefan Ehlers, Mediziner am Forschungszentrum Borstel und Experte für Tuberkulose. Ein völlig anderes Szenario gilt für hämorrhagische Fiebererkrankungen, hervorgerufen durch die Infektion mit den hoch ansteckenden Lassa- oder Ebola-Viren. Dazu Professor Herbert Schmitz, Experte für Viruserkrankungen am Bernhard-Nocht-Institut: "Ebola- und Lassa-Infektionen treten in Deutschland bisher nur als Mitbringsel nach Afrikareisen auf." Die Verbreitung von Lassa- und Ebola-Infektionen kann bei schneller und sachgemäßer Isolierung der Infizierten verhindert werden. "Die Feuerwehr hat zusätzlich auch die Aufgaben eines Rettungsdienstes zu erfüllen und ist für beide Funktionen ausgebildet. Wesentlich ist, potentiell Infizierte bei den ersten unspezifischen Symptomen, die häufig einer Grippe gleichen, nach ihrem letzten Aufenthaltsort zu befragen" so Dr. Sebastian Wirtz, Ärztlicher Leiter der Feuerwehr Hamburg.

"Ich sehe in diesen Fällen keine akute Bedrohung der deutschen Bevölkerung," ergänzt Professor Schmitz. "Vielmehr ist in der letzten Zeit meine Befürchtung gewachsen, dass kriminelle Elemente krankheitserregende Viren oder Bakterien für ihre Zwecke missbrauchen könnten."
Großes Kopfzerbrechen bereitet den Experten auch die Tatsache, dass bereits tot geglaubte Seuchen ein dramatisches come-back erfahren, trotz der hohen Ansteckungsgefahr in der Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen werden. Weltweit werden jährlich 10 Millionen Neuerkrankungen an Tuberkulose verzeichnet, davon enden drei Millionen tödlich. Als besonders gefährlich werden jene Tuberkuloseerreger eingestuft, die Resistenzen gegen ein oder mehrere Antibiotika entwickelt haben. "Hier sind wir manchmal am Ende der Therapiemöglichkeiten angekommen und können diesen Patienten kaum noch helfen" sagt Professor Ehlers. Die Ursache liege vor allem in der falschen Anwendung der Antibiotika. "Um diese Entwicklung zu stoppen, helfen wir jetzt vor Ort in jenen Ländern, in denen die resistenten Erreger besonders drastisch zunehmen, beim Aufbau von Diagnostiklabors und Therapiezentren." Natürlich müssten auch neue Therapien entwickelt werden, aber das wird 8-10 Jahre in Anspruch nehmen.
Abschlussfrage von Moderatorin Marion Förster (NDR 90,3): Welche Themen liegen den Experten zukünftig besonders am Herzen? "Ausbildung und Wissen in der täglichen Arbeit ständig verbessern", antwortet Wirtz. "Auch scheinbar exotische Disziplinen langfristig fördern....", so Ehlers, "...und neue Erreger im Auge behalten" ergänzt Schmitz.


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