Mitteilung

Pressemitteilung

| 19.11.2001

Film und Wissenschaft - "Keine Gene für die Seele"

2. Veranstaltung der Hamburger Filmtage

Film und Wissenschaft im Cinemaxx - letzte Veranstaltung am 02.12.

Hamburg, 20. November 2001. Am vergangenen Sonntag diskutierten Zuschauer und Wissenschaftler im Cinemaxx "Fiktion und Wirklichkeit" der Möglichkeiten genetischer Manipulation. Das Fazit: Es gehört mehr zum menschlichen Leben als die richtige genetische Ausstattung oder die Gesundheit - Dinge wie Inspiration, Ideenreichtum, Engagement und Wille zeichnen einen Menschen aus. Es gibt keine Gene für die menschliche Seele!

GATTACA - der zweite Film der Hamburger Filmtage führte die Zuschauer in eine futuristische Welt, in der nur die genetische Ausstattung eines Menschen über seine gesellschaftliche Stellung und beruflichen Erfolg entscheidet. Das "Gotteskind" Vincent - gezeugt aus Liebe - und sein aus dem Genkatalog ausgesuchter Bruder Anton treten diesen Wettkampf an. In der anschließenden, von Bernd Seguin (NDR Hamburg Welle 90,3) moderierten Diskussion kam schnell die Frage auf: Kann man einen Menschen tatsächlich auf dem Reißbrett entwerfen? "Trotz aller Fortschritte in der Gentechnologie und der Entschlüsselung des menschlichen Genoms steht die aktive Konstruktion eines Menschen mit definierten Eigenschaften auch langfristig nicht im Raum" stellt Professor Rolf Horstmann vom Bernhard-Nocht-Institut klar. Die Ankündigungen einiger Wissenschaftler, nun Menschen klonieren zu wollen, wurde von den anwesenden Experten verurteilt. "Wir bezeichnen diese Leute nicht als Kollegen," so Horstmann. Die Stammzellforscher seien vor allem daran interessiert, ob und wie sich aus einer Zelle Lebergewebe oder ein ganzes Organ entwickeln könne.

Festgestellt wurde, dass man mit den derzeitigen Technologienbereits erkennen kann, ob ein Mensch die Anlage für ein erbliches Leiden in sich trägt. Die damit einhergehende Befürchtung, dass solche Daten unbefugten Personen oder Institutionen zugänglich gemacht werden und der Unterteilung der Gesellschaft in genetische Klassen Tür und Tor öffnen, wurden auch in dieser Diskussion laut. "Methoden wie die Pränataldiagnostik oder die in Deutschland nicht erlaubte Präimplantationsdiagnostik (PID) werden vor allem von Eltern mit betroffenen Kindern bei einer erneuten Schwangerschaft in Anspruch genommen. Bei einer Familie mit einem hohen Wiederholungsrisiko beispielsweise für die Erbkrankheit Mukoviszidose würde nach einer genetischen Beratung auch nur die entsprechende Erbanlage untersucht und keinesfalls ein genetisches Profil erstellt", antwortete Professor Andreas Gal vom Humangenetischen Institut des UKE auf eine entsprechende Frage. Er findet auch, dass die Gene für Weissagungen über die Zukunft eines Kindes ungeeignet sind: "In der Geschichte von Gattaca kann sich Vincent ja mit Willenskraft über seine "in-valide" genetische Ausstattung hinweg setzen".

"Kann man Wissenschaftlern trauen?" Der Sorge, dass hinter den verschlossenen Türen der Laboratorien heimlich mit menschlichem Leben experimentiert werde, könne man nur mit mehr Offenheit entgegentreten, so Professor Klaus Harbers, Molekularbiologe am Heinrich-Pette-Institut. "Wir brauchen mehr "Übersetzer", die den Menschen erklären, was dort geforscht wird, damit sie sich selbst ein Urteil darüber bilden können. Wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen die Akzeptanz der Bevölkerung."


Wer die ersten beiden Filme versäumt hat, kann noch bei der letzten Sonntagsmatinée dabei sein (Cinemaxx Dammtor, Hamburg):

Sonntag, 02. Dezember 2001, 13 Uhr: Outbreak - Lautlose Killer
Experten: Prof. Herbert Schmitz (Bernhard-Nocht-Institut), Prof. Dr. Stefan Ehlers (Forschungszentrum Borstel), Dr. Sebastian Wirtz (Zentrale Feuerwehr Hamburg)
Moderation: Marion Förster, NDR Hamburg Welle 90,3
Dustin Hoffmann spielt die Hauptrolle im Kampf gegen eine Ebola-ähnliche Epidemie in einer amerikanischen Kleinstadt. Im Licht der jüngsten Ereignisse hat der Film eine dramatische Aktualität bekommen. Angesichts der Parallelen zu Bedrohungen durch Milzbrand, BSE oder Maul- und Klauenseuche ist eine lebhafte Diskussion zu erwarten.


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