Mitteilung

Pressemitteilung

| 05.11.2001

Film und Wissenschaft - "AIDS ist out?"

Auftakt der Hamburger Filmtage

Auftakt: Film und Wissenschaft im Cinemaxx - weitere Filme am 18.11. & 02.12.

Bedenkliches Fazit der ersten Veranstaltung der Hamburger Filmtage zum Thema AIDS am gestrigen Sonntagnachmittag: Aids ist längst nicht unter Kontrolle, das Thema findet jedoch beim Einzelnen nur noch wenig Aufmerksamkeit.

Im CINEMAXX am Dammtor konnten interessierte Laien und Fachleute zunächst ganz entspannt mit dem Film "Mississippi - Fluss der Hoffnung" in die Geschichte des kleinen HIV-infizierten Dexter eintauchen. Die von Catarina Felixmüller (NDR Hamburg Welle) moderierte anschließende Diskussion zwischen geladenen Experten und Publikum schlug dann schnell den Bogen zwischen Fiktion, wissenschaftlicher Realität und der Bedeutung von AIDS für die Gesellschaft. "Wir haben in den letzten 20 Jahren eine enorme Menge an Wissen über HIV angesammelt", so Dr. Ulrich Schubert vom Heinrich-Pette-Institut. Trotzdem sei man weit davon entfernt, die AIDS-Erkrankung vollständig zu verstehen. "Das Virus verursacht selbst keine Symptome sondern zerstört Teile des körpereigenen Abwehrsystems. Daher muss man versuchen, das überaus komplexe Immunsystem besser zu begreifen" erklärt Prof. Paul Racz, Pathologe am Bernhard-Nocht-Institut.

Einhellig wurde betont, dass AIDS nicht nur in Afrika und Asien, sondern auch teilweise auch in westlichen Ländern eine Krankheit der Armut sei. Die Therapiekosten von jährlich bis zu 3000 Dollar seien für viele Menschen in den USA nicht aufzubringen, da ein entsprechendes Krankenversicherungssystem fehle, erläuterte Dr. Ulrich Schubert. In den Ländern der dritten Welt wird es in den nächsten Jahre durch das Sterben ganzer Bevölkerungsgruppen zu katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Zuständen kommen. Nicht nur die Infektion durch sexuelle Kontakte ist dort ein Problem, sondern auch die durch Blutkonserven: "In einigen afrikanischen Ländern sind nicht genug HIV-negative Spender zu finden" sagt Dr. Klara Tenner-Racz vom Bernhard-Nocht-Institut. "Wenn Sie diesen Infektionsweg verhindern wollen, müssten Sie dort die Transfusionen abschaffen und das geht nicht."

In Deutschland und anderen industrialisierten Ländern sei die Lebenserwartung der HIV-Patienten durch die verbesserten Therapiemöglichkeiten inzwischen deutlich gestiegen, so Dr. Jens Jarke von der Hamburger AIDS- Beratungsstelle. Entwarnung ist jedoch nicht angesagt: "Es gibt unerfreuliche Nebenwirkungen, die zum Teil sogar einen Therapieabbruch erfordern." Obwohl im Blut der therapierten AIDS-Patienten zum Teil kein Virus mehr nachweisbar ist, kommt es dann zum Rückfall. "Das Virus versteckt sich in anderen Teilen des Körpers, z.B. den Lymphknoten" erklärte Prof. Paul Racz. Daher kann die Therapie bisher nicht heilen, nur lindern.

Könnte ein Impfstoff Abhilfe schaffen? Dr. Ulrich Schubert: "Es gibt vielversprechende Versuche mit DNS-Impfstoffen, aber da das HI-Virus sehr variabel ist und immer wieder neue Stämme entstehen, gibt es bisher keinen Impfstoff, der gegen alle HIV-Varianten schützt." Ein guter Impfstoff müsse außerdem dafür sorgen, dass das Virus noch während des Eindringens in den Körper gestoppt werde. "Wenn das Virus in die Körperzellen gelangt, wo es sich tarnen kann, wird auch der Geimpfte krank."

Angesichts der weltweit mindestens 40 Millionen HIV-Infizierten formulierte NDR-Moderatorin Catharina Felixmüller stellvertretend für alle Teilnehmer das Fazit, dass die AIDS Problematik trotz aktueller Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten dürfe.

Wer den ersten Film versäumt hat, kann noch bei den folgenden Sonntagsmatinées (alle Cinemaxx Dammtor, Hamburg) dabei sein:

Sonntag, 18. November 2001, 13 Uhr:
Gattaca
Experten: Prof. Rolf Horstmann (Bernhard-Nocht-Institut), Prof. Klaus Harbers (Heinrich-Pette-Institut), Prof. Andreas Gal (Universitätsklinikum Eppendorf)
Moderation: Bernd Seguin, NDR Hamburg Welle 90,3
Im Mittelpunkt der Diskussion steht der "Designer-Mensch" und die Möglichkeiten, mit Hilfe der Gentechnologie in das menschlichen Leben einzugreifen. Sicherlich ein heißes Thema angesichts der im Dezember erwarteten Grundsatzentscheidung zur Forschung an embryonalen Stammzellen.

Sonntag, 02. Dezember 2001, 13 Uhr:
Outbreak - Lautlose Killer
Experten: Prof. Herbert Schmitz (Bernhard-Nocht-Institut), Prof. Dr. Stefan Ehlers (Forschungszentrum Borstel), Dr. Sebastian Wirtz (Zentrale Feuerwehr Hamburg)
Moderation: Marion Förster, NDR Hamburg Welle 90,3
Dustin Hoffmann spielt die Hauptrolle im Kampf gegen eine Ebola-ähnliche Epidemie in einer amerikanischen Kleinstadt. Im Licht der jüngsten Ereignisse hat der Film eine dramatische Aktualität bekommen. Angesichts der Parallelen zu Bedrohungen durch Milzbrand, BSE oder Maul- und Klauenseuche ist eine lebhafte Diskussion zu erwarten.


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