Mitteilung

Pressemitteilung

| 19.10.2001

Verdacht auf tropische Viruserkrankung bestätigt sich nicht

Japanische Ärztin gesund

Der Verdacht auf eine tropische Viruserkrankung, mit dem eine japanische Ärztin in der vergangenen Nacht in die klinische Abteilung des Bernhard-Nocht-Instituts aufgenommen wurde, hat sich nach molekularbiologischen und serologischen Untersuchungen nicht bestätigt.

Die Ärztin ist in Sierra-Leone für eine Hilfsorganisation tätig und war bereits vor zwei Wochen erkrankt. Die Symptome ließen auf eine Lassavirus-Infektion schließen, so dass bereits vor Ort mit dem Medikament Ribavirin gegen Lassafieber behandelt wurde. Da die nötigen Tests in Sier-ra Leone nicht durchführbar sind, wurde das Bernhard-Nocht-Institut am Dienstag um Aufnahme der Patientin gebeten. Der weltweit agierende Rettungsdienst "International SOS" organisierte umgehend einen Ambulanzflug, mit dem die Patientin gegen 2 Uhr früh am Freitag morgen nach Hamburg kam. Die Patientin ist in gutem Zustand und zur Zeit fieberfrei.

Die Blutproben wurden sofort auf tropische Fieberviren untersucht. Mit molekularbiologischen Methoden konnten bereits gegen 7 Uhr am Freitag morgen die wichtigsten tropischen Viruserkrankungen wie Lassafieber, Ebola- und Marburgkrankheit u.ä. ausgeschlossen werden. Die Quarantäne wurde daraufhin aufgehoben.

Routinemäßig waren für den Transport die üblichen Infektionsschutzmaßnahmen getroffen worden. Der Transport der Patientin in die Klinische Abteilung ist reibungslos verlaufen und wurde in ständigem Kontakt mit einem Expertenstab der betroffenen Behörden organisiert, dem u.a. die Gesundheitsbehörde und die Feuerwehr Hamburg angehören.

Das Bernhard-Nocht-Institut (BNI) - auch bekannt als Hamburger Tropeninstitut - ist ein international anerkanntes Kompetenzzentrum für importierte Viruskrankheiten. In einem Labor der höchsten biologischen Sicherheitsstufe können hochinfektiöse tropische Viren direkt angezüchtet werden. Jährlich erhält die Virologie über 5000 Einsendungen aus ganz Europa. Die ständige Rufbereitschaft der Mitarbeiter gewährleistet, dass bei Verdacht auf hämorrhagisches Fieber innerhalb weniger Stunden eine Diagnose gestellt werden kann. In der Klinik stehen für den Fall einer gefährlichen und hochansteckenden Virusinfektion geschultes Personal und Isolierbettsysteme bereit. Das BNI erhält mehrmals im Jahr Anfragen zur Aufnahme von erkrankten Rückkehrern aus den Tropen.

Das BNI gehört mit 77 anderen außeruniversitäten Forschungseinrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz an.

INFO: LASSA-FIEBER
Lassa-Fieber ist eine Viruserkrankung und in ländlichen Gebieten West-Afrikas sehr verbreitet. Die Übertragung erfolgt unter mangelnden hygienischen Bedingungen durch Kot oder Urin infizierter Ratten sowie durch engen Kontakt mit Erkrankten bzw. über deren Ausscheidungen oder deren Blut. Die Krankheit beginnt beim Menschen meist mit Grippe-ähnlichen Symptomen, also Halsschmerzen, Lungenentzündung und hohem Fieber. Bei schweren Fällen wird auch eine Hepatitits mit erhöhten Aminotransferasen beobachtet. Im Verlauf der Krankheit kann sich eine lebensbedrohliche Blutungsneigung entwickeln (Hämorrhagie). Akute Lassavirus-Infektionen können nur durch spezielle Blutuntersuchungen diagnostiziert werden. Hierbei wird die Erbsubstanz RNS des Virus über Genamplifikation (RT-PCR) nachgewiesen. Diese zuverlässigen und hochempfindliche Tests sind in der Virologie des BNI für viele hämorrhagische Fieber wie z.B. Lassa-, Ebola- und Marburgfieber entwickelt worden.

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