Mitteilung

Pressemitteilung

| 11.10.2001

Informationen zum Thema Milzbrand

Vorbemerkung der Behörde für Inneres, Freie und Hansestadt Hamburg

Die Wahrscheinlichkeit, dass kriminelle Gruppen versuchen, ihre Ziele durch den Einsatz von biologischen Stoffen durchzusetzen, wird als gering eingeschätzt.

Bei allen Angriffen dieser Art fehlt zumindest der "Sensationseffekt", weil Krankheiten erst mit einer Verzögerung von Tagen ausbrechen und möglicherweise nicht in dem geplanten Gebiet. Der Erreger könnte in Bereiche verschleppt werden, die die Täter nicht treffen wollten. Des weiteren spricht gegen diese Art des Terrorismus, dass die Folgen für die betroffenen Gebiete zwar katastrophal, aber nicht annähend so medienwirksam wären, wie die Anschläge auf die symbolträchtigen Gebäude in New York und Washington.

Darüber hinaus ist es technisch nicht einfach, die Keime in genügend großer Zahl herzustellen und in der Luft zu verteilen. Um ein Verbleiben der Erreger in der Lunge und damit eine Ansteckung zu erreichen, müssten die Partikel eine Größe von 0,5 bis 5 Mikrometer aufweisen. Sind die Partikel kleiner, werden sie wieder ausgeatmet; sind sie größer, werden sie in Mund, Nase und Rachenraum zurückgehalten.

Bei der Verbreitung über die Luft, dem wirksamsten Weg für die Verbreitung von Krankheiten, müssen bestimmte Klimabedingungen (Temperatur, Windgeschwindigkeit, Niederschlag) eingehalten werden, weil sonst die Agenzien ihre Wirksamkeit verlieren. Die in Hamburg herrschenden Klimabedingungen gelten hier im allgemeinen nicht als optimal für einen derartigen Angriff.


M I L Z B R A N D
Milzbrand wird durch ein Bakterium verursacht und ist eigentlich eine Erkrankung pflanzenfressender Tiere und kann zu Seuchen z.B. bei Schafen und Kühen führen. Das Bakterium kommt in der Natur vor. Jedoch tritt die Krankheit bei Menschen und fleischfressenden Tiere nur sehr selten auf, da sie nicht der natürliche Wirt des Bakteriums sind. Die letzten natürlichen Fälle von Milzbrandinfektionen beim Menschen wurden in der Bundesrepublik in den 1960er Jahren bekannt.
Man unterscheidet drei Formen des Milzbrandes:

- Hautmilzbrand entsteht, wenn der Erreger direkt in die Haut eindringt. An der Eintrittsstelle entsteht eine rasch fortschreitende Entzündung in Form einer Papel mit Rötung und Schwellung des umliegenden Gewebes. Innerhalb von 2-6 Tagen entwickelt sich ein meist nicht schmerzendes Geschwür, das mit einem charakteristischen schwarzen Schorf bedeckt ist (das Milzbrandkarbunkel). Durch freigesetzte Bakteriengiftstoffe können Komplikationen ausgelöst werden. Hautmilzbrand kann durch Antibiotika gut behandelt und geheilt werden.

- Lungenmilzbrand entsteht, wenn der Erreger eingeatmet wird. Es kommt zu einer Atemwegsinfektion, die schnell fortschreitet und sich innerhalb weniger Tage zu schwersten Atembeschwerden mit hohem Fieber entwickelt. Eine antibiotische Behandlung ist im Prinzip möglich. Wegen des raschen Fortschreitens der Infektion ist der Behandlungserfolg aber nicht gewiss. Die Krankheit ist als lebensgefährlich einzustufen.

- Darmmilzbrand gibt es in sehr seltenen Fällen, wenn rohe Lebensmittel durch den Milzbrand-Erreger verseucht sind. Auch diese Form des Milzbrandes verläuft sehr rasch und ist sehr ernst. Symptome sind zunächst starke Bauchschmerzen blutige Durchfälle und Bauchfellentzündung. Der Behandlungserfolg ist ähnlich einzustufen wie beim Lungenmilzbrand.

Übertragungswege
Das Bakterium bildet Dauerformen, sog. Sporen, die sehr widerstandsfähig sind und viele Jahre überleben können. Bakterien und Sporen können auf dreierlei Weise in den menschlichen Körper gelangen:
- Bei der Handhabung von Organen, Häuten und Fellen infizierter Tiere entstehen kleine Verletzungen, über die das Bakterium eindringt (-> Hautmilzbrand)
- Die Luft ist mit Dauerformen (Sporen) verseucht, die eingeatmet werden
(->Lungenmilzbrand)
- Fleisch oder Innereien erkrankter Tiere werden roh oder ungenügend gekocht verzehrt verzehrt (-> Darmmilzbrand).

Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet in der Regel nicht statt.

Milzbrand als Biowaffe
In den verbreitetsten Szenarien terroristischer Anschläge wird der Milzbrand-Erreger über die Luft verbreitet, d.h. Sporen des Bakteriums werden in irgendeiner Art ausgebracht und von den Opfern eingeatmet. In diesem Fall würden sich bei den Betroffenen in einem Zeitraum von wenigen Stunden bis mehreren Tagen die Symptome des Lungenmilzbrands entwickeln. Das gehäufte Auftreten solcher Symptome bei mehreren Personen zur gleichen Zeit würde zur schnellen Identifikation der Erkrankung führen. Die Betroffenen würden isoliert und behandelt. Da die Krankheit in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist eine flächendeckende Ausbreitung der Seuche nicht zu befürchten.
Bei der Handhabung von Briefen oder Zeitungen, die mit Milzbrand-Erregern verseucht sind, könnten von einer Person aufgewirbelte Sporen eingeatmet werden oder über kleine Verletzungen in der Haut bzw. Hand-Mund-Kontakt in den Körper gelangen. Eine weiträumige Verseuchung ist unwahrscheinlich.

Wie kann man sich vor Milzbrand schützen?
Solange kein Fall von Milzbrand identifiziert ist, sind Schutzmaßnahmen nicht sinnvoll.
Milzbrand-Erreger reagieren empfindlich auf Antibiotika, die zur Behandlung und u.U. auch zur vorbeugenden Behandlung von Kontaktpersonen eingesetzt werden. Ein Impfstoff wurde früher entwickelt und in sehr begrenztem Umfang eingesetzt (Impfung von Tierbeständen und Risikogruppen, wie z.B. Veterinäre). Eine kommerzielle Impfstoffproduktion findet derzeit nicht statt. Impfstoff ist gegenwärtig weder über inländische noch ausländische Bezugsquellen verfügbar.
Das Einatmen des Erregers kann durch das Tragen einer einfachen OP-Maske verhindert werden. Diese zu tragen ist jedoch nur sinnvoll, wenn ein direkter Kontakt mit dem Erreger wahrscheinlich ist.

Empfehlung zum Umgang mit verdächtigen Briefsendungen oder Päckchen

Weiterführende Links zu Milzbrand