Mitteilung

Pressemitteilung

| 17.07.2000

Hohe Auszeichnung für Dr. Klara Tenner-Racz und Prof. Dr. Paul Racz

Senatorin Karin Roth überreicht Medaille für Kunst und Wissenschaft

Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Verdienste sind Dr. Klara Tenner-Racz und Professor Dr. Paul Racz vom Hamburger Senat mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer Feierstunde überreicht Senatorin Karin Roth heute dem seit 1973 am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin tätigen Ehepaar die Medaille.

Die beiden Wissenschaftler, deren gemeinsamer Lebenslauf begann, als sie sich 1958 an der Universität Budapest kennenlernten, sind 1963 von Ungarn in die Bundesrepublik emigriert. Über Bonn und Kiel kamen sie 1973 nach Hamburg an das Bernhard-Nocht-Institut.

Hier haben sie insbesondere in der AIDS-Forschung bedeutende Ergebnisse erzielt, die wichtige Konsequenzen für die Diagnostik und die Therapie der HIV-Infektion des Menschen haben. Schon in den 80er Jahren konnten sie nachweisen, dass die lymphatischen Organe, besonders die Keimzentren, ein wichtiges Reservoir der Virusvermehrung darstellen. Hier können CD4+ T-Zellen kontinuierlich infiziert werden, so dass HIV auch während der Latenzzeit nachweisbar ist. Diese Ergebnisse würdigte die Zeitschrift Science im Juni 1998 in einem Editorial als Pionierarbeit, welche die Grundlage für weitere Forschungen bereitete. Ihre Untersuchungen haben nicht nur zum Verständnis der Entstehungsgeschichte der Krankheit beigetragen, sondern auch gezeigt, dass die Analyse des Blutes alleine nur eine unvollständige Information für das Geschehen, welches im Körper der infizierten Person abläuft, vermittelt. Mit dieser Virusvermehrung und -persistenz im lymphatischen Gewebe sind auch die Veränderungen der Organe zu erklären. Anhand dieser Veränderungen hat das Ehepaar Racz die verschiedenen Phasen der HIV-Infektion klassifiziert. Diese Klassifikation wird auch jetzt von mehreren AIDS-Forschungsgruppen vollendet und gewinnt eine besondere Bedeutung seit Einführung der Mehrfach-Kombinationstherapie in der HIV-Infektion.
In den jüngsten Arbeiten beschäftigt sich das Ehepaar mit der Frage nach dem Einfluss der antiretroviralen Therapie auf die Viruslast im lymphatischen Gewebe und auf die Immunarchitektur der Lymphknoten. Unter Verwendung von modernsten molekularpathologischen Methoden konnte das Ehepaar zusammen mit ihren Kooperationspartnern zeigen, dass die Viruslast im Gewebe erstaunlich herabgesetzt wird. Diese Erkenntnis ist künftig entscheidend für die Dauer der Therapieverfahren.
Ihre Kenntnisse und Erfahrungen geben die beiden kontinuierlich und mit sehr hohem Engagement an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiter, sie betreuen unter anderem ständig Doktoranden während der Erstellung ihrer Doktorarbeiten. Sie verstehen es, die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch ihre persönliche Anleitung außerordentlich zu motivieren.
Senatorin Karin Roth würdigt in ihrer Rede das Lebenswerk des Ehepaares und dankt ihnen für ihre außerordentlichen wissenschaftlichen Verdienste. Die Feierstunde findet statt am 17. Juli 2000 um 16.00 Uhr im Hörsaal des Berhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Bernhard-Nocht-Straße 74.

Rede von Senatorin Karin Roth


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