Mitteilung

Pressemitteilung

| 26.11.2009

Leibniz-Nachwuchspreis an Angelika Sturm

Dr. Angelika Sturm aus der Malaria-Forschungsgruppe von PD Dr. Volker Heussler am Bernhard-Nocht-Institut wird für ihre Dissertation über ein bisher nicht bekanntes Stadium im Vermehrungszyklus des Malariaparasiten mit dem Nachwuchspreis der Leibniz-Gemeinschaft in der Kategorie Natur- und Technikwissenschaften ausgezeichnet. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird jährlich unter den bundesweit 86 Leibniz-Instituten für herausragende Doktorarbeiten ausgelobt.

In ihrer Doktorarbeit „Parasit-Wirtszell Interaktionen während der Malaria Leberphase“ beschreibt Angelika Sturm dieses von ihr erstmals identifizierte, völlig neue und bisher nicht bekannte Stadium im komplexen Vermehrungszyklus des Malariaparasiten.

Durch die Anopheles-Mücke übertragene Einzeller, so genannte Plasmodien, infizieren zunächst Leberzellen. In einer einzelnen Leberzelle können sich daraus innerhalb weniger Tage zehntausende Merozoiten entwickeln. Gelangen diese in die Blutbahn, infizieren sie rote Blutkörperchen und es kommt zum sogenannten erythrozytären Vermehrungszyklus, der für die schweren Krankheitsverläufe der Malaria verantwortlich ist. Während der erythrozytäre Vermehrungszyklus bereits gut erforscht werden konnte, war es bisher unklar, wie eine von tausenden Parasiten befallene Leberzelle vom Immunsystem nicht erkannt und entsprechend vernichtet werden kann. Unbekannt war auch, wie es den Parasiten von den Leberzellen aus gelingt, durch die Wände der Blutgefäße in die Blutbahn einzudringen.

Erstmals konnte Angelika Sturm diese Fragen beantworten: Die Parasiten täuschen das Immunsystem, indem sie die Signale der sterbenden Zelle abfangen und so die Erkennung und Eliminierung der Zelle durch die weißen Blutkörperchen verhindern. Gleichzeitig veranlassen sie die Leberzelle Membranausstülpungen, so genannte Merosomen, zu bilden, die bis in die Blutbahn hineinreichen: Wie in einem trojanischen Pferd passieren die Parasiten so die Wände der Blutgefäße. Dort werden sie anschließend abgeschnürt und in den Blutstrom freigesetzt, wo sie unmittelbar die roten Blutkörperchen infizieren. Dieser neu entdeckte Täuschungsmechanismus des Parasiten in der sterbenden Zelle und der Weg der Merozoiten in die Blutbahn bieten neue Ansatzpunkte zur Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen. Die Ergebnisse der Arbeit wurden in äußerst renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht, u.a. in Science.

Neben der inhaltlichen Erkenntnis besticht Angelika Sturms Doktorarbeit auch durch ihre wissenschaftliche Methode: Die oben genannten Vorgänge beobachtete sie in Mäusen, die mit gentechnisch veränderten, grün fluoreszierenden Parasiten infiziert waren. Der Einsatz der sogenannten Intravitalmikroskopie ermöglichte ihr zudem Beobachtungen im lebenden Organismus.

Angelika Sturm forscht jetzt nach ihrer erfolgreichen Promotion als Post- Doc am Institut für Mikrobiologie der Monash-Universität in Melbourne, Australien.

 

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Als nationales Kompetenzzentrum dient das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) der Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten.

Gegenstand der Forschung sind Klinik, Epidemiologie und Krankheitsbekämpfung sowie die Biologie der Krankheitserreger, ihrer Reservoirtiere und Überträger. Den aktuellen Schwerpunkt bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Erregern wie Lassa- und Ebola- Viren verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4).

In Zusammenarbeit mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt das BNI seit über 10 Jahren ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum in Ghana, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht. Als herausragende wissenschaftliche Leistungen des BNI in jüngster Vergangenheit gelten die Identifizierung des SARS-Coronavirus und die Entdeckung eines bisher unbekannten Entwicklungsstadiums der Malaria-Erreger im Menschen.

Versorgungsleistungen des BNI umfassen die spezielle Labordiagnostik tropentypischer und anderer seltener Erkrankungen, eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sowie Beratung für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit, die wesentlich zur gesamtstaatlichen Bedeutung des Instituts beitragen. Das BNI dient dabei als nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation für hämorrhagische Fieberviren.

Als Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) wird das BNI als Forschungsinstitut mit überregionaler Bedeutung gemeinsam durch den Bund, die Freie und Hansestadt Hamburg und die übrigen Bundesländer finanziert.