Mitteilung

Pressemitteilung

| 16.09.2009

Neuer Ansatz zum Schutz vor Malaria in Afrika: Deutsche Wissenschaftler zeigen, dass eine einfache Behandlung viele Kinder in Afrika vor der tödlichen Malaria bewahren kann.

Malaria zählt zu den häufigsten und bedrohlichsten Krankheiten des Menschen: alle 20 Sekunden stirbt ein kleines Kind an der Infektion. Nun haben Studien aus mehreren afrikanischen Ländern gezeigt, dass sich mit einer sehr einfachen Behandlung etwa ein Drittel der Malariaattacken bei Kleinkindern reduzieren lässt. Die Studien zu der so genannten ‚intermittierenden Malariabehandlung’ werden jetzt in der neuesten Ausgabe von The Lancet analysiert. Neben weiteren europäischen Forschungseinrichtungen waren das Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) und die Tropeninstitute in Tübingen und Berlin maßgeblich an den Studien beteiligt.

Bei der ‚intermittierenden Malariabehandlung’ wird den Kindern das in Afrika weit verbreitete Medikament Sulfadoxin-Pyrimethamin zu den Routineimpfungen verabreicht. „Das ist ein großer Erfolg angesichts der ständigen Infektionen, unter denen die afrikanische Bevölkerung leidet“, sagt der Leiter der ghanaischen Studie, Infektionsepidemio- loge Prof. Jürgen May vom BNI. „Wenn sich die Zahl auf die verhinderten Todesfälle übertragen ließe, könnten Hunderttausende Kinder gerettet werden.“ Weitere Vorteile sind: das verabreichte Medikament ist preiswert, für mehrere Wochen wirksam und muss nur einmal gegeben werden. Einziger Wermutstropfen: die lange Wirksamkeit könnte die Entwicklung von Medikamentenresistenzen begünstigen und der getesteten Substanz wurden früher Nebenwirkungen zugeschrieben, die jedoch in den Studien nur sehr selten auftraten. Nach Ansicht der Wissenschaftler übersteigt der Nutzen die Risiken durch potentielle Nebenwirkungen deutlich, „aber die Behandlungsmethode muss weiter verbessert werden“, so May. Die Weltgesundheitsorganisation hat jetzt eine Empfehlung für die Methode in Afrika ausgesprochen.

Die mit deutscher Beteiligung durchgeführten Studien wurden zum großen Teil vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. In weiteren Studien soll nun untersucht werden, welche Kinder am meisten von der Behandlung profitieren können und wie man den Schutz noch verbessern kann.

 

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Als nationales Kompetenzzentrum dient das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) der Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten.

Gegenstand der Forschung sind Klinik, Epidemiologie und Krankheitsbekämpfung sowie die Biologie der Krankheitserreger, ihrer Reservoirtiere und Überträger. Den aktuellen Schwerpunkt bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Erregern wie Lassa- und Ebola- Viren verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4).

In Zusammenarbeit mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt das BNI seit über 10 Jahren ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum in Ghana, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht. Als herausragende wissenschaftliche Leistungen des BNI in jüngster Vergangenheit gelten die Identifizierung des SARS-Coronavirus und die Entdeckung eines bisher unbekannten Entwicklungsstadiums der Malaria-Erreger im Menschen.

Versorgungsleistungen des BNI umfassen die spezielle Labordiagnostik tropentypischer und anderer seltener Erkrankungen, eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sowie Beratung für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit, die wesentlich zur gesamtstaatlichen Bedeutung des Instituts beitragen. Das BNI dient dabei als nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation für hämorrhagische Fieberviren.

Als Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) wird das BNI als Forschungsinstitut mit überregionaler Bedeutung gemeinsam durch den Bund, die Freie und Hansestadt Hamburg und die übrigen Bundesländer finanziert.