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| 25.04.2014

Häufung von Bilharziose-Erkrankungsfällen bei Südkorsika-Reisenden

Schistosoma Haematobium
Schistosoma Haematobium

In den letzten Monaten sind mehrere Fälle von Harnwegs-Bilharziose (Schistosomiasis durch den Pärchenegel Schistosoma haematobium) bei Personen diagnostiziert worden, die in den Jahren 2011 - 2013 Süßwasser-Kontakt am Unterlauf des Flusses Cavu/Cavo nahe der Stadt Porto Veccio im Süden der Insel Korsika hatten.

Nach Auskunft französischer Gesundheitsbehörden sind in Frankreich und Deutschland in den letzten Monaten 11 Fälle von Harnwegs-Bilharziose bei Personen diagnostiziert worden, die in den Sommermonaten in dem oben genannten Fluss gebadet haben. Die Ansteckung erfolgt durch kleine, mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Larvenstadien des Parasiten, den sog. Gabelschwanzlarven (Zerkarien). Sie dringen durch die intakte Haut ein und besiedeln Blutgefäße des Urogenital-Traktes, wo sie sich zu geschlechtsreifen, Eier-produzierenden Würmern entwickeln. Gabelschwanzlarven können sich nur in solchen Gewässern entwickeln, in denen bestimmte Süßwasserschnecken (Bulinus-Arten) vorkommen.

Unter den bekannt gewordenen Fällen waren sowohl Personen mit entsprechenden Beschwerden (blutig verfärbter Urin und Veränderung der Blasenwand; Symptome, die erst nach mehreren Monaten auftreten), als auch Personen ohne Beschwerden. Der Unterlauf des Flusses Cavu/Cavo nahe der Stadt Porto Veccio im Süden der Insel ist ein bei deutschen Korsika-Urlaubern beliebtes Reiseziel. Daher ist davon auszugehen, dass es über die schon bekannten Fälle hinaus vermutlich weitere Personen gibt, die ähnlich exponiert waren und ggf. eine unentdeckte Bilharziose erworben haben. Die Infektion ist medikamentös leicht zu behandeln. Ohne Therapie kann eine Infektion allerdings über viele Jahre hinweg bestehen und in Einzelfällen mit z.T. schwerwiegenden Komplikationen assoziiert sein (z.B. Nierenveränderungen, Kinderlosigkeit, Blasenkrebs).

Dementsprechend sollten alle Personen, die in den letzten 3 Jahren eine Reise nach Südkorsika durchgeführt haben und in den Sommermonaten (Juni - September) im Fluss Cavu/Cavo gebadet haben auf Bilharziose untersucht werden:

  • Personen mit entsprechender Symptomatik (Probleme beim Wasserlassen, blutiger Urin, Veränderungen der ableitenden Harnwege; bei Frauen zusätzlich Polypen-artige  Veränderungen des äußeren und inneren Genitale). Diese Personen sollten sich einem Antikörper-Bluttest (Serologie) auf Bilharziose unterziehen und den Urin auf Schistosomen-Eier untersuchen lassen (24 Stunden-Sammelurin).

  • Personen ohne Symptomatik aber entsprechender Exposition sollten sich einem Antikörper-Bluttest (Serologie) auf Bilharziose unterziehen. 

Serologische Screening-Untersuchungen sollten in dafür ausgewiesenen Laboratorien durchgeführt werden. Es sollten mindestens zwei unabhängige Testsysteme verwendet werden. Eine Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Schistosomiasis (Bilharziose) der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG), ist online verfügbar:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/042-005l_S1_Diagnostik_Therapie_Schistosomiasis_2013-07.pdf

Weitere Informationen können über das NRZ für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut eingeholt werden. Ansprechpartner: D. Tappe, E. Tannich, B. Fleischer.