Mitteilung

Pressemitteilung

| 16.10.2007

Wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin wird Stiftung

Hamburger Senat verabschiedet Gesetzesentwurf zur rechtlichen Verselbstständigung des BNI

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) soll zum 01. Januar 2008 in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt werden. Mit dieser Rechtsformänderung findet die umfassende Umstrukturierung des BNI ihren Abschluss: Nach der Sanierung der klinischen Abteilung durch die Übertragung der Trägerschaft auf das UKE und durch Investitionen von über 20 Mio. Euro in einen Erweiterungsbau für die Forschungsabteilung am Standort Bernhard-Nocht-Straße erhält das BNI zukünftig mehr Eigenständigkeit.

Entsprechend der 1996 vom Wissenschaftsrat formulierten Forderung nach einer rechtlichen Verselbstständigung wird das BNI aus der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz ausgegliedert und als rechtlich selbstständige Stiftung fortgeführt. Dazu sind jetzt die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen worden. Die Stiftung wird weiter den bekannten Namen "Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin" führen. Als Trägerin der Stiftung wird die Freie und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Gemeinschaftsfinanzierung das Institut künftig nur über die Mittelzuwendung und das Kuratorium steuern. Das BNI bleibt Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und passt sich mit der rechtlichen Selbstständigkeit der großen Mehrzahl der Leibniz-Institute an.

"In den vergangenen vier Jahren haben wir durch die Sanierung der Klinik und durch den Ausbau der Forschungsgebäude die Voraussetzungen für diesen wichtigen dritten Schritt geschaffen. Die Stadt Hamburg stärkt die Eigenständigkeit und die Verantwortung des Instituts, damit das BNI und der Standort Hamburg die Spitzenadresse für Tropenmedizin in Deutschland bleiben“, betonte Gesundheitsstaatsrat Dietrich Wersich, Vorsitzender des Kuratoriums des BNI aus Anlass des Verselbstständigungsbeschlusses. „Die Verselbstständigung sichert dem Institut seine wissenschaftliche Unabhängigkeit, die Umsetzung wichtiger Planungs- und Steuerungsinstrumente und eine eigenständige wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Gleichzeitig eröffnet sie dem BNI die im nationalen und internationalen wissenschaftlichen Wettbewerb erforderlichen wissenschaftlichen und betrieblichen Entfaltungsmöglichkeiten“, so Wersich weiter.

Der Direktor des BNI, Prof. Dr. Bernhard Fleischer, ergänzt: "Die Stiftungsgründung bildet zusammen mit dem Erweiterungsbau die Basis, damit das BNI im wissenschaftlichen Wett-bewerb weiterhin durch exzellente Leistungen bestehen kann. Um weiterhin Forschung auf einem international anerkannten Niveau leisten zu können, braucht das Institut eine Ausstat-tung und Organisation, die es für hervorragende Wissenschaftler attraktiv macht. Ich danke allen, die mit ihrem Einsatz den Schritt in die Selbstständigkeit ermöglicht haben."
Mit Inkrafttreten des Errichtungsgesetzes gehen Vermögen und Personal der bisherigen Dienststelle auf die Stiftung über. Die Immobilie Bernhard-Nocht-Straße 74 wird der Stiftung auf Dauer unentgeltlich zur Nutzung überlassen. Der diesbezügliche Gesetzentwurf liegt jetzt der Bürgerschaft vor.

Die klinische Tropenmedizin des BNI - die Bernhard-Nocht-Klinik und die Bernhard-Nocht-Ambulanz - befindet sich seit Ende 2005 in der Trägerschaft des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), wobei die Ambulanz ihren Standort St. Pauli beibehielt. In der tropenmedizinischen Patientenversorgung sowie in der Aus- und Weiterbildung besteht eine enge Kooperation zwischen dem BNI und dem UKE. Der Kernbetrieb Forschung des BNI war von dem Trägerwechsel nicht betroffen.

Hintergrund
Seit seiner Gründung am 01.10.1900 als Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten ist das BNI Deutschlands größtes Institut für Forschung, Lehre und Versorgung auf dem Gebiet der Tropenmedizin. Der Betriebshaushalt des Jahres 2007 hat ein Volumen von rund 11 Mio. Euro. Etwa 10 Mio. Euro davon werden dem BNI durch die institutionelle Förderung von Bund und Ländern bereitgestellt, eine Mio. Euro erwirt-schaftet das BNI selbst durch Leistungen in der tropenmedizinischen Spezialdiagnostik und der Fortbildung. Das BNI ist Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der WHO im Bereich der Virologie. Zusätzlich werden am BNI Drittmittelprojekte in einem Umfang von rund drei Mio. Euro durchgeführt. In der Forschung kooperiert das BNI in nationalen und internationalen Verbünden. Zahlreiche Forschungsprojekte werden in den Tropen durchgeführt - so unterhält das BNI seit zehn Jahren eine kooperative For-schungsstation in Ghana. Die bereits von Bernhard Nocht formulierte Aufgabenstellung "Forschen - Heilen - Lehren" wird im BNI von insgesamt 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfolgt (inkl. assoziierte Wissenschaftler, Stipendiaten, Praktikanten, Diplomanden). Die Schwerpunkte der Forschung des BNI liegen aktuell auf den Gebieten Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Gewebewürmer, Amöben und Leishmanien. In der klinischen Tropenmedizin kooperiert das Institut mit der Bernhard-Nocht-Klinik, die 2006 vom UKE übernommen wurde, sowie mit Partnerinstitutionen in tropischen Endemiegebieten.

 

Kontakt:
Hartmut Stienen
Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz,
Pressesprecher Gesundheit und Verbraucherschutz
Tel: (040) 4 28 63 - 34 78
Fax: (040) 4 28 63 - 38 49
E-Mail: pressestelle(at)bsg.hamburg.de

Eleonora Schönherr
Pressereferentin
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Tel. (040) 4 28 18 - 264
Fax (040) 4 28 18 - 265
Email: presse(at)bnitm.de