Mitteilung

Fachinformation

| 19.04.2007

Informationen zur Tollwut und Tollwut-Diagnostik

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Tollwutfall am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sind im Folgenden einige Hintergrundinformationen zur Tollwut und zur Tollwut-Diagnostik zusammengestellt.

Das Tropeninstitut in Hamburg erhielt am Mittwoch Material des Patienten zur Untersuchung und konnte Mittwochnacht den klinischen Tollwutverdacht durch eine Labordiagnose bestätigen. Weitere Untersuchungen erfolgen in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt (HU).

Bei dem Patienten konnte das Team um Dr. Christian Drosten die Erbsubstanz des Tollwutvirus in Tränenflüssigkeit und Speichel nachweisen.
Eine Auswertung der Sequenzinformationen des gefundenen Tollwutvirus ergab, dass es sich um einen marokkanischen Virusstamm handelt. Der Befund bestätigt die Annahme, dass sich der Patient auf einer Reise vor ca. sechs Wochen infizierte. Somit steht fest, dass es sich um einen importierten Fall handelt.

Hintergrund: Tollwut
Tollwut wird durch ein Virus verursacht, dass sich im zentralen Nervensystem vermehrt. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3-8 Wochen. In einigen Fällen sind jedoch Inkubationszeiten von mehreren Monaten beschrieben. Nicht jeder Biss durch ein erkranktes Tier führt auch zur Infektion des Menschen. Der Ausbruch der Krankheit kann durch eine postexpositionelle passive und aktive Impfung verhindert werden. Bei der passiven Impfung werden schützende Immunglobuline verabreicht, bei der aktiven Impfung abgetötete Viren. Kommt die Krankheit jedoch zum Ausbruch, endet sie normalerweise tödlich. Die aktive Tollwut-Impfung hat eine Langzeitwirkung und wird auch als vorbeugende Schutzimpfung eingesetzt (Impfprophylaxe).

Die Zahl der registrierten Tollwutfälle hat sich in Deutschland seit 1990 drastisch reduziert (von 5.572 im Jahr 1990 auf 43 im Jahr 2002, davon die meisten bei Fuchs, Hund und Katze. Quelle: RKI). Tollwuterkrankungen beim Menschen wurden 1996, 2004 und 2005 registriert. Der letzte importierte Fall war besonders tragisch, da die Infektion nicht erkannt und Organe der Patientin transplantiert wurden. Drei der sechs Organempfänger verstarben.

Als Gesundheitsproblem ist die Tollwut beispielsweise in Indien und anderen tropischen Ländern relevant, wo es immer wieder zur Übertragung des Tollwutvirus von Tieren auf den Menschen kommt. Auch Marokko ist seit geraumer Zeit als Region mit hoher Prävalenz der Tollwut vor allem bei Hunden bekannt. Von dort nach Europa importierte Fälle bei Mensch und Tier sind in der Vergangenheit mehrfach beschrieben worden. Reisende sollten sich über das Tollwutrisiko in ihrem Zielland informieren und sich ggf. rechtzeitig impfen lassen. Ist es im Reiseland zu einer Tierverletzung gekommen, ist eine nachträgliche Tollwutimpfung ratsam.

In Europa wird in den letzten Jahren auch der Fledermaustollwut große Aufmerksamkeit gewidmet. Sie wurde jedoch nur selten nachgewiesen. Beide Tollwut-Erreger sind Lyssaviren aus der Familie der Rhabdoviren.

 

Fachliche Ansprechpartner:

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
- Nationales Referenzzentrum für Tropische Infektionserreger -
Fachlicher Ansprechpartner zum Thema Tollwut:
Dr. Christian Drosten, Leiter Arbeitsgruppe Klinische Virologie,
Tel. 040/4 28 18-490, E-mail: drosten@bni-hamburg.de

Institut für Hygiene und Umwelt Fachliche Ansprechpartnerin zum Thema Tollwut: Dr. Sigrid Baumgarte, Abteilung Mikrobiologischer Verbraucherschutz, Tel. 0 40/4 28 45-7485, E-mail: sigrid.baumgarte@hu.hamburg.de