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| 22.11.2018

Leishmaniose-Epidemie in Nordsyrien mit effektivem Kontrollprogramm eingedämmt

Hilfe zur Selbsthilfe im Bürgerkrieg

Die Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten hervorgerufen und von Sandmücken übertragen wird. Neben unterschiedlichen klinischen Symptomen, verursachen die Erreger vor allem langwierige Hautgeschwüre. Die Erkrankung, die schon seit dem Altertum als „Aleppo Beule“ bekannt ist, findet sich vermehrt im Nahen Osten und insbesondere in Syrien (Aleppo ist die zweitgrößte Stadt in Syrien). Bedingt durch unzureichende medizinische Versorgung haben die Hautleishmaniosefälle während des Bürgerkriegs in Syrien stark zugenommen. Mehrere zehntausend Menschen leiden unter der Infektion.

Die international bekannte non-profit Organisation “MENTOR Initiative” hat in den nordsyrischen Provinzen unter schwierigen Bedingungen eine medizinische Versorgung aufgebaut, die von der Abteilung “Klinische Forschung” des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) wissenschaftlich begleitet wird (Leitung Prof. Michael Ramharter). Diese Kooperation ermöglichte erstmalig, zuverlässige Zahlen über die Verbreitung der Hautleishmaniose in Nordsyrien zu erheben.

Bereits im Jahr 2013 reiste Dr. Khalid Rehmann aus der Gruppe um Ramharter erstmals an die türkisch-syrische Grenze, um, mit Hilfe von MENTOR Initiative das Ausmaß der Leishmaniose-Infektionen in Nordsyrien zu erfassen und die steigende Zahl von Infektionen einzudämmen. „Durch den Bürgerkrieg griffen die medizinische Versorgungs-, Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen gegen Leishmaniose in der Region nicht mehr”, erklärt Dr. Johannes Mischlinger, Arzt und Kollege von Rehmann. Ein  Schwerpunkt der MENTOR Initiative liegt in der Bekämpfung von Vektor-übertragenen Infektionen in komplexen Notsituationen. Daher erhielt die Organisation finanzielle Unterstützung, um in Syrien gegen die Leishmaniose aktiv zu werden.

Rehmann koordiniert mit MENTOR Initiative von der türkisch-syrischen Grenzregion aus ein Kontrollprogramm für Nordsyrien. Es umfasst sowohl direkte medizinische Intervention durch adäquate Diagnostik und Ausgabe von Medikamenten, als auch präventive Maßnahmen wie Verteilung von Netzen zum Schutz vor Sandmücken, Insektizid-Kampagnen, Schulungen der Bevölkerung und eine Verbesserung des Abfallsystems. Letzteres ist für die Bekämpfung von Sandmücken besonders wichtig.

“Innerhalb von nur vier Monaten konnte die Zahl der Leishmaniose-Fälle in Nordsyrien bereits halbiert werden”, blickt Ramharter zurück. „Die ergriffenen Maßnahmen stehen jetzt allen Menschen zur Verfügung, die in Nordsyrien an Leishmaniose erkrankt sind”, erklärt Rehmann.

“Ein sehr erfolgreiches MENTOR-Projekt, mit dem wir hoffentlich das Leid der syrischen Bevölkerung nachhaltig etwas lindern konnten”, fasst Ramharter zusammen. Die detaillierten Ergebnisse und Methoden hat seine Gruppe jetzt im November in der Fachzeitschrift Emerging Infectious Diseases (doi.org/10.3201/eid2411.172146) veröffentlicht.