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| 30.08.2019

Mobile Labore für Ostafrika - „Training of Trainers“ geht in die zweite Runde

Im Mai 2019 fand das erste Folgetraining der EAC für die mobilen Labore in Arusha/Tansania statt. ©BNITM

Zukünftige Epidemien besser zu kontrollieren, ist das Ziel des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderten Regionalen Netzwerkes der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), welches sich unter anderem mit dem Aufbau von neun mobilen Laboreinheiten in Ostafrika befasst. Nicht zuletzt die Ebola-Epidemie in Westafrika hat gezeigt, dass eine schnelle und sichere Diagnostik essentiell ist, wenn übertragbare Erkrankungen drohen sich zu Epidemien zu entwickeln. "Derzeit kann die Bestätigung eines Verdachtsfalles in abgelegenen Gebieten bis zu drei Wochen in Anspruch nehmen. Der Zweck des regionalen Netzwerkes mobiler Laboreinheiten ist es, diesen Zeitraum deutlich zu verkürzen, um Epidemien im Falle eines Ausbruchs rechtzeitig einzudämmen.“ erläutern Dr. Florian Gehre und Dr. Muna Affara, Projektkoordinatoren des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) an der EAC, die momentane Situation.

Ausbildung nationaler Fachleute nach dem „Training of Trainers“-Konzept 

Die ostafrikanischen Partnerländer Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Uganda sollen Epidemien zukünftig aus eigener Kraft kontrollieren. Das BNITM, mit seiner langjährigen Erfahrung im Einsatz mobiler Labore, unterstützt zu diesem Zweck die Ausbildung nationaler Fachleute. Regelmäßige Trainings und Weiterbildungen vermitteln neben dem allgemeinen Laborbetrieb und aktuellen diagnostischen Verfahren insbesondere Kenntnisse zum Infektionsschutz. Darüber hinaus unterstützt das BNITM die EAC bei der Koordination des Gesamtvorhabens und der Durchführung notwendiger Qualitätssicherungsmaßnahmen. Das erste mehrwöchige Training fand im Oktober 2018 am BNITM in Hamburg statt. Je zwei Experten aus den sechs Partnerländern absolvierten den Kurs, um im Anschluss Laborpersonal aus ihren Heimatländern in ihren eigenen mobilen Laboren auszubilden. 

Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo erforderte gesonderte Maßnahmen

Als im Frühjahr 2019 die Zahl von Verdachtsfällen der grassierenden Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo drastisch anstieg, reagierte die EAC schnell und organisierte auf dem Gelände der EAC in Arusha, Tansania, eine Ebola-spezifische Weiterbildung mit den zwölf Absolventen. Ziel war es die umliegenden Nachbarstaaten optimal auf mögliche Fälle des Ebola-Fiebers vorzubereiten. „Die Bedingungen in der ersten Trainingswoche waren fast wie im Feld, da das von der EAC für das Training zur Verfügung gestellte Gebäude zunächst außer Strom kaum sonstige Infrastrukturen bot.“ beschreibt Projektkoordinator Dr. Florian Gehre die Situation vor Ort. In den darauf folgenden zwei Wochen schulten die Absolventen unter der Anleitung von Experten des BNITM weiteres Fachpersonal aus ihren Heimatländern. Neben dem richtigen Umgang mit Blutproben von Verdachtsfällen sowie der Anwendung neuester Techniken der molekularen Diagnostik, lag der Fokus auf der Arbeit in der sogenannten „Glovebox“ (Handschuhbox), in der das sichere Öffnen hochinfektiöser Blutproben möglich ist und potentielle Erreger inaktiviert werden.

Die Arbeit in der Glovebox erfordert höchste Konzentration und darf nur unter Aufsicht einer Begleitperson erfolgen. ©BNITM
Probenannahme: Zum Schutz vor Infektionen werden die Patientenproben in einer Bleichelösung geöffnet. ©BNITM

 

In einem Simulationstraining konnte das Erlernte angewendet werden

In einem von der EAC und der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) organisiertem Simulationstraining, in dem zwei mobile EAC-Labore in die Grenzregion zwischen Kenia und Tansania entsandt wurden, sollten die Stärken und Schwächen der aktuellen Pandemievorsorge aufgezeigt werden. Im ausgearbeiteten Trainingsszenario bricht eine genetisch veränderte Variante des Rift-Valley-Fiebervirus aus, welches sich rasch verbreitet und im Verdacht steht, sich anders als das Rift-Valley-Fiebervirus, von Mensch zu Mensch zu übertragen. Diese alarmierenden Bedingungen erforderten ein schnelles und adäquates Einschreiten des teilnehmenden Gesundheitspersonals. Mit der zur Verfügung stehenden Ausrüstung und übereinstimmend mit den Pandemievorsorgeplänen der Region sollte auf den Ausbruch reagiert werden - wobei die vom BNITM ausgebildeten Laborexperten mit den mobilen EAC Laboren einen wichtigen Beitrag leisteten, zur Eindämmung dieses hypothetischen Ausbruchs.

Regierungsvertreter und Partner besuchten das Simulationstraining
Das Equipment für die mobilen Labore kommt in bruchsicheren Boxen ©BNITM

Im August lief eine weitere dreiwöchige Qualifizierungsmaßnahme, an deren Ende die Arbeit der neu ausgebildeten Laborexperten im Umgang mit den verschiedenen Aspekten einer mobilen Laboreinheit von Fachleuten der Abteilung Virologie des BNITM beurteilt wird. Nach positiver Beurteilung stehen diese Absolventen dann nicht nur als eigenständige Trainer für medizinisches Fachpersonal in Ihren Heimatländern zur Verfügung, sondern sind dann auch wichtiger Teil einer regionalen Eingreiftruppe zur Bekämpfung zukünftiger Ausbrüche unter Einsatz  mobiler Labore.