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| 05.06.2020

Neuer Therapieansatz gegen häufige Reise-Hautkrankheit Leishmaniose

Moleküle aus dem Labor

Eine Forschungsgruppe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat neue Moleküle identifiziert, um die Behandlung der kutanen Leishmaniose, einer der häufigsten Reise-Dermatosen, zu verbessern. Die Gruppe um Prof. Hannelore Lotter stellt in der Fachzeitschrift Antimicrobial Agents and Chemotherapy eine Gruppe von Wirkstoffen vor, die das Immunsystem aktiv gegen die entsprechenden Erreger stimuliert (Fehling et al., 2020).

Die kutane Leishmaniose, auch „Aleppobeule“ genannt, ist ein häufiges unerwünschtes Urlaubssouvenir: Die Parasitenerkrankung ist in vielen tropischen Regionen, vor allem in Nordafrika und im Mittelmeerraum verbreitet und wird durch einzellige Parasiten der Gattung Leishmania hervorgerufen. Leishmanien werden durch Sandmücken entweder von Tieren auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch übertragen. Durch Klimawandel, Tourismus und Migration breitet sie sich die Infektion zunehmend auch in gemäßigten Zonen Europas aus. Jährlich treten weltweit ungefähr eine Million neuer Fälle auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Leishmaniose zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten.

Durch Verbesserung der Immunantwort Parasiten bekämpfen

Es gibt bereits verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Sie haben allerdings eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen. Außerdem sind die Parasiten inzwischen gegen viele Medikamente resistent. „Daher sind dringend neue Medikamente erforderlich“, sagt Prof. Lotter. Leishmanien vermehren sich in bestimmten Immunzellen und werden häufig vom Immunsystem nicht ausreichend erkannt. Sie hemmen also die Immunantwort und werden nur schlecht oder verlangsamt eliminiert. Die Arbeitsgruppe um Prof. Lotter hat nun synthetische Immunmodulatoren identifiziert, die das Immunsystem gezielt aktivieren, so dass es intrazelluläre Leishmanien besser abtöten kann. Die neuen Moleküle wurden an Mäusen getestet, die mit Leishmanien infiziert waren. Die Wirkstoffe mussten den Mäusen nicht injiziert werden, sondern wurden einfach auf die betroffenen Hautstellen der Tiere aufgetragen.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu Kontrolltieren, die keinen Wirkstoff erhielten (Placebo-Gruppe), zeigten die Mäuse, die mit den neuen Immunmodulatoren behandelt wurden, eine schnellere Reduktion der Parasitenlast und eine deutlich verkürzte Heilungsdauer. Gleichzeitig konnte in weiteren Experimenten gezeigt werden, dass die neuen synthetischen Moleküle keine toxischen Wirkungen auf Zellen des Menschen aufweisen. „Die neuen synthetischen immunstimulatorischen Moleküle bieten vielversprechende neue Möglichkeiten zur Behandlung der Leishmaniose. Sie könnten allein oder in Kombination mit bereits vorhandenen Antibiotika die Therapie der Leishmaniose verbessern“, so Arbeitsgruppenleiterin Lotter.

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Veröffentlichung
Helena Fehling, Siew Ling Choy, Frederic Ting, Dirk Landschulze, Hannah Bernin, Sarah Corinna Lender, Melina Mühlenpfordt, Eugenia Bifeld, Julia Eick, Claudia Marggraff, Nadine Kottmayr, Marie Groneberg, Stefan Hoenow, Julie Sellau, Joachim Clos, Chris Meier, and Hannelore Lotter. Anti-leishmanial effects of synthetic EhPIb analogs derived from the Entamoeba histolytica lipopeptidephosphoglycan. Antimicrobial Agents and Chemotherapy.


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