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| 24.06.2020

Afrikanischer Augenwurm verursacht erhebliche Beeinträchtigungen

Symptome der Loiasis nicht zu verharmlosen

Anders als bisher angenommen, ist die Loiasis keine harmlose tropische Erkrankung. Die Wurminfektion beeinträchtigt die Betroffenen stärker in ihrer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit als bislang angenommen. Das hat ein Team am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Zusammenarbeit mit dem Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) untersucht und die Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht.

Die Loiasis ist eine Wurmerkrankung, die ausschließlich in Zentral- und Teilen Westafrikas vorkommt. Sie wird durch blutsaugende Insekten der Gattung Chrysops übertragen. Die ausgewachsenen Würmer wandern unter der Haut und im Gewebe und können gelegentlich auch das Auge passieren. Sie produzieren mikroskopisch kleine sog. Mikrofilarien, die im Blut nachweisbar sind. Die Loiasis ruft nicht nur typische Beschwerden hervor wie Gewebeschwellungen (sogenannte Calabar-Schwellungen) und die namensgebenden Erscheinungen bei der Durchwanderung am Auge. Sie kann auch zu Spätfolgen führen, wie Schädigungen des zentralen Nervensystems sowie von Herz- und Nieren. Erstmals wurde 2016 in einer Studie eine erhöhte Sterblichkeit bei Loiasis-Patienten gezeigt. Zusätzlich sind allgemeine unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Gelenk- und Kopfschmerzen mit der Erkrankung assoziiert. Diese Symptome beeinträchtigen die Menschen in den betroffenen Gebieten erheblich.

Erstmals objektive Messung der Krankheitslast durchgeführt

Das genaue Ausmaß der Krankheitslast hat das Team der Klinischen Forschung um Prof. Michael Ramharter erstmals untersucht. Die Forschenden führten Studien in Gabun durch, eines der Länder, in dem die Wurmerkrankung gehäuft auftritt. Um die Beeinträchtigung der Menschen messen zu können, haben die Forschenden die sogenannten „DALYs“ (=disability adjusted life years) für Loiasis in einer Feldstudie erhoben. DALYs sind eine Einheit, die Wissenschaftler in der Gesundheitsforschung einsetzen. Sie erlaubt, Krankheitslasten unterschiedlicher Ursachen in einer Bevölkerung zu quantifizieren und zu vergleichen. Die DALYs werden unter anderem im Rahmen der „Global Burden of Disease Studien“ eingesetzt.

Bevölkerung ist erheblich belastet

Studienteam um Luzia Veletzky aus der Abteilung Klinische Forschung in Gabun, 2017. Foto: BNITM

Die Gruppe um Ramharter führte die Querschnittsstudie 2017 und 2018 durch, in Zusammenarbeit mit den gabuneschen Forschungsinstitutionen Centre de Recherches Médicales de Lambaréné und dem Centre de Recherches Médicales de la Ngounié. Dabei untersuchten sie die Auswirkungen der Loiasis auf die Bevölkerung und berechneten die entsprechenden DALYs. 1.232 Personen nahmen an den Befragungen und medizinischen Untersuchungen teil. Das Ergebnis: Loiasis ist signifikant mit einer Vielzahl von Symptomen assoziiert, unter anderem mit vorübergehenden schmerzhaften Ödemen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, aber auch mit Empfindungsstörungen und vorübergehenden Lähmungen an Armen und Beinen. 42 Prozent aller Teilnehmenden berichteten, mindestens einmal eine Wanderung des Wurmes durch das Auge bemerkt zu haben, bei 94 Prozent verbunden mit Schmerzen und bei 79 Prozent mit gleichzeitig auftretenden Sehstörungen.

Loiasis ist keine harmlose Infektion

Luzia Veletzky, Forscherin und Ärztin in der Abteilung Klinische Forschung des BNITM, hat die Studie koordiniert: „Die Symptome der Loiasis sind nicht zu verharmlosen. Sie schränken Betroffene stark in ihrer Lebensqualität und bei der Arbeit ein. Die Wurmerkrankung ist mit einer signifikanten Krankheitsbelastung verbunden, vergleichbar mit anderen vernachlässigten tropischen Parasitenkrankheiten wie der Schistosomiasis.“

Bislang hat die Weltgesundheitsorganisation Loiasis nicht als vernachlässigte Tropenkrankheit gelistet. Forschungsgelder für diese Erkrankung sind rar, dabei versteht man heute noch nicht einmal die genauen Krankheitsmechanismen der Infektion und wie es zu Organschäden kommt. Die Studie sei ein wichtiger Schritt, um die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung zu erhöhen und Interesse zu wecken für Forschung und Entwicklung besserer Therapiemöglichkeiten der Loiasis, so Veletzky.

Studienteam um Luzia Veletzky aus der Abteilung Klinische Forschung in Gabun, 2017. Foto: BNITM

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