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| 23.12.2020

Kindgerechte Malariamedikamente sind wirksam und besser verträglich

Artemisinin-basierte Kombinationstherapie

Sind kindgerechte, leicht-lösliche Tabletten oder die Gabe von Kindersirup genauso wirksam, sicher und verträglich wie herkömmliche Tabletten zur Malariatherapie? Dieser Frage ging die Abteilung Klinische Forschung am Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) in einer aufwendigen, systematischen Analyse verfügbarer Studiendaten nach, die in diesem Monat in der Cochrane-Datenbank erschienen ist.

Die Infektionskrankheit Malaria trifft in Afrika vor allem Kleinkinder unter fünf Jahren. Zur Behandlung unkomplizierter Malariafälle empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation eine orale Therapie mit Kombinationspräparaten, die den Wirkstoff Artemisinin enthalten (Artemisinin-based Combination Therapy, kurz ACT). Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben bereits mehrere spezielle kindgerechte Darreichungsformen von ACTs entwickelt, um die Malariatherapie von Kindern zu erleichtern. In einzelnen Studien zeigen diese Darreichungsformen im Vergleich zur Standardtherapie mit zerkleinerten Tabletten eine ähnliche Wirksamkeit. Ein Vorteil in der Verträglichkeit durch die verbesserte Darreichung konnte in den Einzelstudien aufgrund geringer Fallzahlen jedoch noch nicht gezeigt werden.

Prof. Michael Ramharter, Dr. Florian Kurth und das Team der Abteilung Klinische Forschung haben deshalb eine aufwendige, systematische Metaanalyse nach „Cochrane-Standard“ durchgeführt. „Wir haben mehrere bereits vorhandene Studiendaten analysiert und zusammengefasst, um zu untersuchen, ob es einen Unterschied in der Wirksamkeit oder der Verträglichkeit kindgerechter ACTs im Vergleich zur Standardtherapie gibt“, erklärt Kurth.

Hierfür werteten die Autoren alle publizierten Studien aus, die Ärztinnen und Ärzte zwischen 2006 und 2015 in Afrika südlich der Sahara mit über 1.300 Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und elf Jahren mit unkomplizierter Malaria durchgeführt hatten. In den Studien verglichen sie zerkleinerte herkömmliche ACT-Tabletten mit kinderfreundlichen ACT-Formulierungen, wie leicht-lösliche Tabletten oder einem Sirup.

„Sowohl die zerkleinerten herkömmlichen ACT-Tabletten als auch die kinderfreundlichen Formulierungen zeigten in den Studien eine gute Wirksamkeit“, betont Kurth. Nach 28 Tagen seien in beiden Behandlungsgruppen bei rund 94 Prozent der Kinder keine Malariaparasiten mehr nachweisbar gewesen. Allerdings hatten Kinder, die kindgerechte, leicht-lösliche Tabletten einnahmen, weniger unerwünschte Wirkungen (wie Erbrechen) als Kinder, die zerkleinerte Tabletten erhielten.

„Zusammengefasst sind spezielle kinderfreundliche ACT-Formulierungen zur Behandlung von Kindern mit unkomplizierter Malaria genauso wirksam wie zerkleinerte herkömmliche Tabletten, verursachen aber weniger Nebenwirkungen“, verdeutlicht Kurth. Die Akzeptanz von Malariamedikamenten zur Therapie von Kleinkindern in Afrika könne damit deutlich steigen, so seine Prognose.


Originalpublikation:

Bélard S, Ramharter M, Kurth F. Paediatric formulations of artemisinin-based combination therapies for treating uncomplicated malaria in children. Cochrane Database Syst Rev. 2020 Dec 8;12:CD009568.

doi.org/10.1002/14651858.CD009568.pub2

Zusätzlicher Pressekontakt:

Priv.-Doz. Dr. Florian Kurth
Abt. Klinische Forschung
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