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| 18.06.2021

Behandlung der akuten unkomplizierten Malaria

Große klinische Studie in fünf afrikanischen Ländern erbringt wichtige Sicherheitsdaten für Pyronaridin-Artesunat

Weltweit sucht die Wissenschaft nach Medikamenten, um Malaria-Erkrankte besser zu behandeln. Große Hoffnungen ruhen auf dem Kombinationspräparat Pyramax. In klinischen Studien erwies es sich als hochwirksam und sicher. Allerdings gab es in der klinischen Entwicklung bei einigen Patient:innen vorübergehend erhöhte Leberwerte. Eine internationale institutionenübergreifende Gruppe von Forschenden hat daher in Afrika eine groß angelegte Studie zur Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von Pyronaridin-Artesunat zur Therapie der unkomplizierten Malaria unter realen Bedingungen unternommen. Bei dieser Studie kooperierte das afrikanische CANTAM Netzwerk mit der Universität Tübingen.  Michael Ramharter und Mirjam Groger aus der Abteilung Klinische Forschung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin BNITM koordinierten das Projekt. Sponsoren waren Medicines for Malaria Venture und Shin Poong Pharmaceuticals. Die Ergebnisse sind vielversprechend und gerade in der Fachzeitschrift PLOS Medicine erschienen.

Jährlich erkranken mehr als 200 Millionen Menschen an Malaria, und mehr als 400.000 sterben an der durch Stechmücken übertragenen Parasiteninfektion. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind mehr als drei Milliarden Menschen auf der Welt durch die Malaria bedroht.

Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen jeglicher Ursache.

Für die Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Sie werden zumeist mit dem Standard-Präparat Artemisinin kombiniert. Große Hoffnungen ruhen derzeit auf dem Artemisinin-Kombinationspräparat Pyramax, einer Kombination aus Pyronaridin und Artesunat. In randomisierten, kontrollierten klinischen Phase-II und -III-Studien zur Behandlung der akuten unkomplizierten Malaria zeigte es eine hohe Wirksamkeit und ein gutes Sicherheitsprofil. Einige Patient:innen entwickelten aber asymptomatische, meist leichte bis mäßige vorübergehende Erhöhungen der sog. Leber-Aminotransferasen.

Damit Ärztinnen und Ärzte in den betroffenen Gebieten das Medikament sicher in der allgemeinen Bevölkerung einsetzen können, entschied die Europäische Arzneimittelagentur EMA, dass nach dieser grundsätzlich positiven Bewertung von Pyramax eine Anschluss-Studie zur Sicherheit in zufällig zusammengesetzten Patientengruppen notwendig ist.

Daraufhin führte eine internationale institutionenübergreifende Forschungsgruppe in Sub-Sahara Afrika eine der größten prospektiven klinischen Studien der letzten Jahre zu neuen Malariamedikamenten durch. Diese Kollaboration umfasste das CANTAM Netzwerk, die Universität Tübingen sowie das gemeinnützige Unternehmen Medicines for Malaria Venture und die Pharmafirma Shin Poong Pharmaceuticals. Die internationale Koordination der klinischen Phase IIIb/IV Studie übernahmen Prof. Michael Ramharter und Dr. Mirjam Groger aus der Abteilung Klinische Forschung des BNITM.

Zwischen Juni 2017 und April 2019 wurden mehr als 8.500 Malaria-Episoden in fünf Gesundheitszentren in Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo, Gabun, der Elfenbeinküste und der Republik Kongo in die Studie aufgenommen. Das Studienprotokoll entsprach so weit wie möglich der realen klinischen Praxis bei der Behandlung von Malaria und umfasste Kleinkinder, unterernährte Patient:innen und Patient:innen mit Grunderkrankungen wie HIV oder Hepatitis.

Prof. Michael Ramharter, Leiter der Abteilung Klinische Forschung am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Quelle: BNITM

Die Teilnehmenden erhielten drei Tage lang einmal täglich Pyronaridin-Artesunat, dosiert nach Körpergewicht. Erwachsene und Jugendlichen bekamen Tabletten, Kinder und Säuglinge ein leicht einnehmbares Granulat. Die klinische Wirksamkeit des Präparats betrug zwischen 95 und 99 Prozent. Bei keinem der Patient:innen kam es zu klinisch relevanten Leberschädigungen nach Einnahme der Medikation. Dies umfasst auch 158 Studienteilnehmende, die vor Medikamenteneinnahme bereits mehr als zweifach erhöhte Leberwerte hatten und das Medikament ebenso gut tolerierten.

Pyronaridin-Artesunat hat sich daher in dieser repräsentativen afrikanischen Population unter Bedingungen, die der täglichen klinischen Praxis ähneln, als wirksam und gut verträglich erwiesen. Prof. Michael Ramharter: „Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam mit unseren Kolleg:innen in sechs afrikanischen Ländern, der Schweiz, Süd-Korea und Deutschland diese ambitionierte Studie durchführen und die noch fehlenden Sicherheitsdaten zu Pyramax liefern konnten. Diese Ergebnisse unterstützen Pyronaridin-Artesunat als sinnvolle Ergänzung zur Behandlung der akuten unkomplizierten Malaria.“ (ClinicalTrials.gov Nummer NCT03201770).


Originalpublikation

Ramharter, M. et al., Pyronaridine–artesunate real-world safety, tolerability, and effectiveness in malaria patients in 5 African countries: A single-arm, open-label, cohort event monitoring study. PLOS Medicine June 15th, 2021. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003669


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