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Prof. Dr. med. Jonas Schmidt-ChanasitLeiter ArbovirologieTel.: +49 40 42818-546
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Dr. Stephanie JansenArbovirologie | BNITMTel.: 040 42818-832
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Dr. Renke LühkenNachwuchsgruppenleiter Arbovirus ÖkologieTel.: +49 40 42818-962
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Dr. Dániel CadarArbovirologieTel.: +49 40 42818-840
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Prof. Dr. Esther SchnettlerMolekulare EntomologieTel.: 040 42818-840
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Julia RaunerPresse- & ÖffentlichkeitsarbeitTel.: +49 40 42818-264
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Pressemitteilung

| 20.08.2021

Welt-Moskito-Tag 2021: Klimaerwärmung fördert die Ausbreitung von durch Stechmücken übertragenen Viren

BNITM: Überwachung von Stechmückenpopulationen wichtiger Teil der Epidemie-Frühwarnsysteme

Durch weltweit steigende Temperaturen können wärmeliebende Stechmückenarten wie die Asiatische Tigermücke neue Lebensräume besiedeln. Gleichzeitig finden sich Infektionen mit tropischen Viren, die durch Stechmücken übertragen werden, zunehmend auch in Europa und Deutschland. So gab es in den letzten Jahren in Südeuropa mehrere Ausbrüche von Chikungunya- und Dengue-Fieber und in Deutschland wiederholt Infektionen mit Usutu- und West-Nil-Viren.

Die jüngste Forschungsabteilung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) untersucht unter der Leitung von Prof. Jonas Schmidt-Chanasit u.a., wie Viren mit Stechmücken interagieren, wie beide sich in verschiedenen Ländern des globalen Südens, aber auch in Europa und Deutschland ausbreiten und wie sich Ausbrüche noch schneller diagnostizieren und kontrollieren lassen.

Aedes albopictus, STECHMÜCKE, Asiatische Tigermücke, Mücken, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, BNITM, STECHMÜCKEN
Asiatische Tigermücke (Aedes albopicuts). Quelle: BNITM

Die Erwärmung des globalen Klimas hat Folgen für die menschliche Gesundheit. Das hat auch das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kürzlich in seinem jüngsten Weltklimabericht bekräftigt. Dazu gehört, dass durch Stechmücken übertragene Viren, sogenannte Arboviren, sich zunehmend Richtung Norden ausbreiten. Auch die Verstädterung, der globale Warenhandel, der zunehmende Reiseverkehr und der Vogelzug tragen dazu bei, dass Arboviren verschleppt werden und sich invasive Stechmückenarten wie etwa die asiatische Tigermücke Aedes albopictus verbreiten.

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) widmet einen bedeutenden Teil seiner Arbeit der Erforschung von Arboviren und Stechmücken sowie der Entwicklung von Frühwarnsystemen für Arboviren. Die Laborgruppe von Dr. Anna Heitmann und Dr. Stephanie Jansen (Universität Hamburg) etwa untersucht das Zusammenspiel von Viren und Stechmücken. Im Sicherheitsinsektarium der Stufe 3 arbeiten sie bei ihren Experimenten mit unterschiedlichen Temperaturen und sich änderndem Lichtrhythmus. Ziel ist herauszufinden, welchen Einfluss Klimaveränderungen z.B. auf die sog. Vektorkompetenz von Stechmücken haben können, das heißt auf deren Fähigkeit, Arboviren zu übertragen.

Gemeinsam mit der Laborgruppe von Dr. Renke Lühken („Arbovirus Ökologie“) erforscht die Gruppe zudem, wie sich Insektizide, in diesem Fall Larvizide, auf die Vektorkompetenz von Stechmücken auswirken. Dr. Lühken und seine Kolleginnen und Kollegen sind darüber hinaus an verschiedenen nationalen und internationalen Forschungs-Projekten beteiligt, um die Ausbreitung verschiedener Stechmückenarten zu überwachen und ggf. kontrollieren zu können. Dabei arbeiten sie eng mit der Laborgruppe von Dr. Dániel Cadar zusammen.

Kichwa de Sarayaku, Amazonas-Regenwald, Ecuador. Quelle: BNITM

Dr. Cadar und die Mitglieder seiner Forschungsgruppe befassen sich mit neu auftretenden Infektionskrankheiten. Ziel ihres Projekts PREPMedVet ist es u.a., eine tragbare diagnostische Sequenzierungsplattform aufzubauen. Sie soll es ermöglichen, bei einem Ausbruch innerhalb kürzester Zeit durch breites molekulares Testen Proben auf viele unterschiedliche Krankheitserreger gleichzeitig zu analysieren. In Zusammenarbeit mit südamerikanischen Partnern richtet Cadar in den tropischen Regionen des Amazonas ein sog. metagenomisches Überwachungssystem ein. Dabei geht es darum, potenziell pathogene Viren schon an ihrer Quelle - in Wildtieren und Insekten - ausfindig zu machen und Zeit zu gewinnen, um ein Überspringen auf den Menschen (Spillover) zu verhindern.

Die Forschungsgruppe von Dr. Hanna Jöst untersucht Vorkommen und Verbreitung von Stechmücken und Arboviren in Afrika. Dort werden Fiebererkrankungen unbekannter Herkunft häufig als Malaria fehldiagnostiziert. Denn in ressourcenarmen Gebieten ist es oft schwierig, Arbovirus-Infektionen labordiagnostisch zu untersuchen.

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit. Leiter der Abteilung Arbovirologie. Quelle: BNITM

Abteilungsleiter Prof. Jonas Schmidt-Chanasit: „Bei Klimafolgenforschung und Klimaanpassung geht es nicht ‚nur‘ um Küsten- oder Hochwasserschutz. Der globale Temperaturanstieg hat schon jetzt erhebliche Konsequenzen für unsere Gesundheit. Mit der neu eingerichteten Abteilung Arbovirologie trägt das BNITM dazu bei, die Gefahren durch Stechmücken-übertragene Viren zu überwachen und zu kontrollieren.“

Die unabhängige Arbeitsgruppe von Prof. Esther Schnettler erforscht auf molekularer Ebene die Interaktion von Viren und Stechmücken. Hierbei untersucht sie im Sicherheitsinsektarium, welche Faktoren die Vektorkompetenz beeinflussen: etwa das Immunsystem von Stechmücken oder Ko- Infektionen mit anderen Viren (z.B. Insekten-spezifischen Viren, die nicht auf den Menschen übertragen werden können). Die Arbeitsgruppe nutzt ihre Ergebnisse, um neue Methoden zu entwickeln, um die Übertragung von Arboviren durch Stechmücken zu reduzieren.

Der Welt-Moskito-Tag

Am 20. August 1897 wies der britische Tropenmediziner Sir Ronald Ross nach, dass der Malariaparasit von weiblichen Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen wird. Damit revolutionierte er nicht nur die Malariaforschung und -bekämpfung. Seine Erkenntnisse sind noch heute grundlegend, um Epidemien zu verstehen, die von Insekten ausgehen. 1902 erhielt Ross den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie.



Hintergrund

Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Immunologie, Epidemiologie und Klinik tropischer Infektionen sowie die Mechanismen der Übertragung von Viren durch Stechmücken. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNITM umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger und das WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.


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