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| 15.09.2021

Lehren aus erneutem Ebola-Ausbruch in Guinea

Ebola kann offenbar noch Jahre später wieder auftreten

Conakry/ Hamburg, 15. September 2021 – Ebolavirus-Epidemien gehen anders als bisher angenommen nicht unbedingt auf Übertragungen aus dem Tierreich zurück. Der jüngste Ausbruch in Guinea lässt sich auf die Epidemie von 2014 bis 2016 in Westafrika zurückführen. Das hat ein internationales Team unter Beteiligung von Forschenden aus Guinea, Frankreich, Senegal, Großbritannien, der Schweiz, Belgien, den USA und Deutschland herausgefunden. Eine entsprechende Publikation ist im renommierten Wissenschaftsjournal Nature erschienen. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist mit prominenter Autorenschaft beteiligt.

Ebolavirus-Ausbrüche sind meist das Ergebnis sogenannter Spillover-Ereignisse, darunter versteht man Übertragungen von Tieren auf den Menschen. Auch bei dem jüngsten Ausbruch zwischen Februar und Juni dieses Jahres in Guinea ging man zunächst davon aus. Um zu prüfen, welche Medikamente und Impfstoffe helfen könnten, den Ausbruch einzudämmen, analysierte ein internationales Forschungsteam Proben von Erkrankten und sequenzierte die darin enthaltene Nukleinsäure des Virus – mit überraschendem Ergebnis: Die Viren waren eng mit jenen verwandt, die die schwere Epidemie von 2014 bis 2016 in Westafrika verursacht hatten. Denn die Nukleinsäuresequenz hatte sich nur wenig verändert. Weniger, als man bei einem neuen Spillover-Ereignis vermuten würde und weniger, als bei einer anhaltenden Übertragung von Mensch zu Mensch zu erwarten wäre.

Rekonstruktion der maximalen phylogenetischen Wahrscheinlichkeit für 55 repräsentative Genome aus früheren Ausbrüchen des Zaire-Ebolavirus und 12 Genome aus dem Ausbruch 2021 in Guinea.

Diese sogenannte genomische Charakterisierung des Virus war von herausragender Bedeutung für das Gesundheitsmanagement vor Ort. Das Virus war ein Zaire-Ebolavirus. Damit war klar, dass die verfügbaren Medikamente und Impfstoffe wirken. Die Behörden starteten umgehend eine Ringimpfung in der Bevölkerung um das Gebiet des neuen Ausbruchs herum. Außerdem wurde deutlich: Ebolaviren können offenbar länger in Genesenen überdauern als gedacht. Die längste bisher bekannte Zeitspanne betrug drei Jahre. Jetzt muss man zumindest in Einzelfällen von fünf bis sieben Jahren ausgehen. Eine andere Möglichkeit ist, dass Ebola-Infektionen auch latent weiterverlaufen können oder dass Patient:innen Rückfälle erleiden und erneut ansteckend werden können.

Prof. Stephan Günther, WHO-Koordinator der Sequenzierungen in Conakry/ Guinea und Leiter der Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin: „Die Ergebnisse dieser Studie sind wirklich bemerkenswert. Wir wussten, dass Ebola-Viren in Körperflüssigkeiten überdauern können, im Sperma männlicher Überlebender zum Beispiel. Aber wenn sie das so lange können, sollten Genesene viel intensiver nachbetreut werden, sowohl medizinisch als auch sozial. Denn die Gefahr ist groß, dass sie stigmatisiert werden.“

Da das Virus so spät wieder auftreten kann, solle die Forschung dringend nach wirksamen antiviralen Mitteln suchen sowie nach diagnostischen Markern, um latent Infizierte zu erfassen und zu behandeln. Außerdem müsse geprüft werden, ob eine nachträgliche Impfung von Ebola-Genesenden die Persistenz des Virus verhindern oder zumindest verkürzen kann.


Originalveröffentlichung

Alpha K. Keita, Fara R. Koundouno, Martin Faye, Ariane Düx, Julia Hinzmann et al: Resurgence of Ebola virus in 2021 in Guinea suggests a new paradigm for outbreaks. Nature Sept. 15th, 2021. https://doi.org/10.1038/s41586-021-03901-9


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