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| 23.02.2015

Gesundheitsminister Hermann Gröhe dankt Wissenschaftlern für Ebola-Einsatz

Nach dem Auftreten von tödlich verlaufenden Gehirnentzündungen (Encephalitis) bei drei Züchtern von Bunthörnchen in Sachsen-Anhalt zwischen 2011 und 2013 wurden umfangreiche Untersuchungen zu einer möglichen infektiösen Ursache am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) durchgeführt. Hierbei konnte zunächst kein Hinweis auf die Krankheitsursache gefunden werden. Das Friedrich-Loeffler‐Institut (FLI) am Standort Insel Riems untersuchte daraufhin Proben  eines  Bunthörnchens aus der Zucht eines der Verstorbenen. Erst die genetische Analyse von Organproben des Hörnchens lieferte Sequenzinformationen, die auf das Vorkommen eines neuartigen Bornavirus hindeuteten. In weiteren Untersuchungen konnte dieser Nachweis auch in Gehirnproben der verstorbenen Patienten durch molekularbiologische und immunhistologische Untersuchungen erbracht werden. Nach den bisherigen Erkenntnissen unterscheidet sich das neue Virus deutlich von bisher bekannten Bornaviren [ER1] . Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht bekannt, ob es sich dabei um Einzelfälle handelt.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Erkrankungen der drei Bunthörnchen‐Züchter durch Übertragungen des neuartigen Bornavirus von infizierten Tieren verursacht sein könnten. Der Übertragungsweg ist bisher unbekannt, allerdings erscheinen Biss‐ oder Kratzverletzungen als wahrscheinliche Möglichkeit. Testverfahren zum Virusnachweis wurden am FLI entwickelt und validiert und stehen für weitere Untersuchungen zur Verfügung.  Berhard-Nocht-Institut, Friedrich-Loeffler-Institut und Robert Koch-Institut arbeiten  mit den Veterinär- und Gesundheitsbehörden in Bund und Ländern zusammen, um den Sachverhalt weiter aufzuklären. Untersuchungen zur Verbreitung dieses Virus im Tier werden vom FLI auf der Insel Riems durchgeführt. Weiterhin wird unter Personen, die Bunthörnchen halten, nach möglichen weiteren Infektionsfällen gesucht. Das BNITM in Hamburg führt analoge Analysen in Nervenwasser- und Gewebeproben von Patienten mit Gehirnentzündungen ungeklärter Ursache durch. Bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse sollte vorbeugend der direkte Kontakt zu Bunthörnchen vermieden werden. Bei kranken oder mit unklarer Ursache verstorbenen Bunthörnchen sollten Tierhalter ihren Tierarzt informieren, der gegebenenfalls weitere Untersuchungen einleiten kann.

Im Zusammenhang mit der Entdeckung dieses neuen, möglicherweise zoonotischen Bornavirus durch das FLI und BNITM ist weiterhin zu klären, ob das Virus mit infizierten Hörnchen importiert wurde oder ob sich das Hörnchen bei anderen Tierarten angesteckt hat.

 

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Bundesminister Hermann Gröhe zusammen mit Mitarbeitern des BNITM, die in Westafrika oder in der Labordiagnostik im Kampf gegen Ebola im Einsatz waren.

23.02.15 Bundesminister Hermann Gröhe und die Hamburger Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt besuchen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Nach einer kurzen Einführung  des Vorstandsvorsitzenden Prof. Rolf Horstmann über Aufgaben und Arbeit des Instituts berichtet Prof. Stephan Günther über den Einsatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BNITM in der Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs.

Das BNITM ist Koordinator der European Mobile Laboratories, die im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München entwickelt wurden und Ebola-Diagnostik vor Ort in West-Afrika seit Beginn des Ausbruchs ermöglichten. In nunmehr 16 Einsätzen arbeiteten Wissenschaftler und technisches Personal  des BNITM mit  Kollegen aus ganz Europa im Krisengebiet zusammen. Zudem leisteten die Mitarbeiter der Virusdiagnostik im Institut in Hamburg einen wichtigen und verantwortungsvollen Beitrag. Als Referenzlabor der Weltgesundheitsorganisation für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren untersuchten sie Ebola-Verdachtsproben aus ganz Europa und Teilen Asiens. Hermann Gröhe nutzte die Gelegenheit und informierte sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern persönlich über die Arbeit in Westafrika.

Im letzten Teil des Besuchs zeigte Prof. Dr. Stephan Günther den Gästen das Hochsicherheitslabor (BSL4), in dem Forschungsarbeit an hochpathogenen Infektionserregern wie Ebola- und Lassa-Viren durchgeführt wird.

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v.r.nl. Prof. Dr. Stephan Günther (Leiter der Virologie am BNITM), Dr. Dorothee Stapelfeldt (Zweite Bürgermeisterin und Senatorin der Hansestadt Hamburg), Hermann Gröhe (Bundesminister für Gesundheit), Prof. Dr. Rolf Horstmann (Vorstandsvorsitzender des BNITM)
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Bundesminister Hermann Gröhe zu Besuch am BNITM.
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Bundesminister Hermann Gröhe im Gespräch mit zwei Mitarbeiterinnen des BNITM die in Westafrika im Kampf gegen Ebola im Einsatz waren. Dr. Lisa Östereich (BNITM; zweite von links) und Elisa Pallasch (BNITM; erste von links)
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Rundgang im Bereich des Hochsicherheitslabors (BSL4) am BNITM:
v.l.n.r. Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt; Dr. Antina Ziegelmann (BMG, Leiterin Referat 321), Dr. Lisa Östereich (Virologin, BNITM), Bundesminister Hermann Gröhe; Prof. Dr. Stephan Günther (Leiter Virologie, BNITM)

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Tuberkulose und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNITM umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi, Ghana, betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.