Mitteilung

Kontakt

Prof. Rolf HorstmannTel.: +49 40 42818-260/-261
E-Mail: horstmann(at)bnitm.de

Dr. Jessica TiedkePresse & ÖffentlichkeitsarbeitTel.: +49 40 42818-264
E-Mail: presse(at)bnitm.de

Pressemitteilung

| 15.08.2012

Erfolgreiche Genom-Suche nach Schutz vor tödlicher Malaria

Hochtechnologie gegen Armutskrankheit

Hamburg, 15. August 2012 – Wissenschaftler des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin haben zusammen mit Kollegen der Universität von Kumasi, Ghana, und der Universitätskliniken Lübeck und Kiel die erste erfolgreiche genomweite Suche nach Mutationen vorgelegt, die vor tödlichen Verläufen der Malaria schützen. Aus den Ergebnissen lassen sich konkrete Untersuchungen zur Medikamentenentwicklung ableiten. Die Studie wurde in dem renommierten Wissenschaftsjournal „Nature“ veröffentlicht.

Bei jedem von 1.325 ghanaischen Kleinkindern mit lebensbedrohlichen Verläufen der Malaria und 828 gesunden Kindern wurden nahezu 1 Million Mutationen untersucht, die über das gesamte Genom verteilt liegen und damit praktisch alle Gene des Menschen erfassen. Überprüft wurden die Ergebnisse bei weiteren 3.542 Kindern aus Ghana. Neben bekannten schützenden Mutationen in den Genen für Sichelzell-Krankheit und Blutgruppe 0 wurden eindeutige Unterschiede zwischen kranken und gesunden Kindern bei zwei weiteren Genen gefunden. Eines steuert die Kalzium-Konzentration in roten Blutkörperchen, den Zellen, in denen sich Malariaparasiten vermehren. Das andere unterstützt die Abdichtung von Gefäßwänden, die bekanntermaßen bei lebensbedrohlicher Malaria geschädigt werden.

„Großer Dank gebührt unseren ghanaischen Kolleginnen und Kollegen, die in Kumasi Tausende von Kleinkindern sorgfältig untersucht und behandelt haben und damit die entscheidende Grundlage für den Erfolg der Studie legten“, erklärt Professor Rolf Horstmann, Leiter der Studie. "Und auch unseren technischen Mitarbeitern, die das Kunststück fertiggebracht haben, aus den winzigen Blutmengen, die uns von den kranken Kindern zur Verfügung standen, ausreichende Mengen DNA zu isolieren“, ergänzt Dr. Christian Timmann, Koordinator der Studie. Man testet jetzt im Labor, wie genau die Mutationen die Funktion der betroffenen Proteine beeinflussen, um nach neuen Malariamedikamenten zu suchen.

1.792 Zeichen (mit Leerzeichen)


1 Timmann C. et al.: Genome-wide association study indicates two novel resistance loci for severe malaria. Nature 2012, DOI: 10.1038/nature11334.

 

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Tuberkulose und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNI umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.