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| 30.09.2015

Forschungskooperationen mit Afrika - Seuchen von Tier und Mensch gemeinsam bekämpfen

Als erste gemeinsame Veranstaltung der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) fand vom 17. bis 18. September 2015 das Symposium “German - African Cooperations on Infection Research” am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg statt. Ein Schwerpunkt waren Zoonosen, also Infektionskrankheiten wie Ebolafieber oder Vogelgrippe, die wechselseitig zwischen Mensch und Tier übertragen werden. Teilnehmer waren Vertreterinnen uns Vertreter der Humanmedizin, der Tiermedizin und der Infektionsbiologie aus Deutschland und Afrika.

Unter der wissenschaftlichen und organisatorischen Leitung von Prof. Dr. Jürgen May (BNITM, Infektionsepidemiologie) und Prof. Dr. Martin H. Groschup (Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger) wurde den Teilnehmern ein thematischer Überblick über laufende Forschungskooperationen zwischen deutschen und afrikanischen Einrichtungen geboten. Für die Keynote-Präsentationen konnten Noël Tordo vom Institut Pasteur Paris und Thomas Löscher von der Ludwigs-Maximilian-Universität München gewonnen werden.

Während Afrika medial vor allem bei Epidemien wie zuletzt von Ebolafieber in Westafrika in Erscheinung tritt, waren die Themen des Symposiums auch die weniger auffälligen, aber nicht weniger wichtigen Ansätze, Gesundheitsversorgung und biomedizinische Forschung in Afrika aktiv zu gestalten. Ein Querschnittsthema waren z.B. schwere Infektionen durch multiresistente Bakterien, die sich auch in Afrika alarmierend schnell ausbreiten.

Die Kampagne “Safe Food, Fair Food” des International Lifestock Research Institute in Kenia blickt auf sieben Jahre kollaborativer Forschung in Afrika zurück. In den Vorträgen von Bassirou Bonfoh und Erastus Kangethe wurde die Bedeutung informeller Märkte für die Ausbreitung von Infektionserregern erörtert. Gleichzeitig sind gerade in Afrika tierische Produkte wie Fisch, Fleisch und Milcherzeugnisse die Hauptlieferanten wichtiger Nährstoffe und oft die einzige Lebensgrundlage für Familien mit kleinem Landbesitz. Das im Rahmen des Symposiums vorgestellte Buch der Arbeitsgruppe illustriert praxisnah, wie erfolgreich Interventionsstrategien sein können, wenn die Ergebnisse biomedizinischer Forschung direkt auf die Lebensrealitäten vor Ort übertragen werden.

In den Fachdiskussionen wurde deutlich, dass die Synergien der verschiedenen Fachdisziplinen im Sinne von „One Health“ noch stärker genutzt werden müssen, um Zoonosen zu verstehen und zu bekämpfen. Viele der in Afrika vorkommenden Erkrankungen sind armutsbedingt und werden dort zum Problem, wo Gesundheitssysteme strukturell und finanziell unterversorgt sind. Eine enge Forschungszusammenarbeit mit Institutionen in Afrika eröffnet vielfältige Möglichkeiten zum Aufbau von Kapazitäten vor Ort, wie z.B. der Ausstattung von Laboren und der Ausbildung von wissenschaftlichem und technischem Personal. Dabei bleiben deutsch-afrikanische Forschungsprojekte in vielfacher Hinsicht auch immer eine Herausforderung, z.B. bezüglich des Aufbaus nachhaltiger Strukturen auch nach Projektende, den mangelnden Karrieremöglichkeiten für afrikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und dem damit verbundenen „brain drain“.

Zur Lösung globaler Krisen, das hat die Ebola-Epidemie eindrucksvoll bewiesen, sind gemeinsame Anstrengungen von Europa und Afrika und die Überschreitung der Grenzen der Fachdisziplinen notwendig. Netzwerke wie die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen oder das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung unterstützen die Forschung an diesen dringlichen Themen. Auch wenn die Veranstaltung gezeigt hat, dass deutsch-afrikanische Forschungskooperationen häufig und vielfältig sind, sollten diese Anstrengungen in Zukunft mehr gebündelt und sichtbarer gemacht werden. Daher soll nun eine umfängliche Projektdatenbank erstellt werden, in die neben großen internationalen Kooperationen auch kleinere bilaterale Projekte aufgenommen werden.

 

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Tuberkulose und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNITM umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi, Ghana, betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.