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| 01.12.2017

Marburg- und Ebola-hämorrhagische Fieberviren: 50 Jahre Forschung am Bernhard-Nocht-Institut

v.l.n.r.: Prof. Dennis Tappe, Dr. Günther Müller, Prof. Stephan Becker, Prof. Werner Slenczka, Dr. Cesar Muñoz-Fontela

Am 20. November würdigte das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) die Arbeit von Prof. Werner Slenczka und Dr. Günther Müller, die vor 50 Jahren das Marburg-Virus entdeckten. Das Virus war 1967 mit Affen, die von den Behringwerken  für die Impfstoffentwicklung genutzt wurden, nach Marburg eingeschleppt worden und brach später auch in Frankfurt und Belgrad aus. Die Infektionen kosteten sieben Menschen das Leben. Der erste dokumentierte Ausbruch des nahe verwandte Ebola-Fiebers geschah – entgegen gängiger Berichterstattung - im Frühsommer 1976 im Sudan und wurde dort erstmals von Prof. Jürgen Knobloch vom BNITM wissenschaftlich untersucht.

Der Vorstandsvorsitzende des BNITM Prof. Rolf Horstmann eröffnete das Symposium und würdigte neben den Verdiensten der zwei Hauptredner Prof. Werner Slenczka (ehemals Hygieneinstitut Marburg) und Dr. Günther Müller (ehemals BNITM) bei der Beschreibung des Marburg-Virus auch den Einsatz des inzwischen verstorbenen Prof. Jürgen Knobloch (ehemals BNITM), der als erster ausländischer Arzt und Wissenschaftler einen Ebola-Ausbruch in Afrika untersuchte. Prof. Werner Slenczka konzentrierte sich in seinem Vortrag weniger auf seine wesentlichen Beiträge zur Entdeckung des Marburg Virus, als auf die möglicherweise gravierende Auswirkung eines Kalziummangels auf die Entstehung der schweren Komplikationen des hämorrhagischen Fiebers. Dr. Günther Müller zog das Publikum mit einem sehr anschaulichen und persönlichen Vortrag zur Entdeckung des Marburg-Virus in seinen Bann. Als Mitarbeiter von Prof. Peters in der Abteilung Virologie war Günther Müller hauptsächlich für die Elektronenmikroskopie verantwortlich. Seine Unzufriedenheit mit den damals verwendeten Zentrifugenröhrchen, brachten ihn dazu, selber tätig zu werden und diese nach seinen Anforderungen zu modifizieren. Nicht zuletzt diese Arbeit führte dazu, dass es ihm am 20. November 1967 gelang, die Viruspartikel unter dem Elektronenmikroskop sichtbar zu machen. „Viren dieser Struktur hatte ich noch nie zuvor gesehen“ bemerkte Günther Müller in seinem Vortrag. Die Proben aus Marburg enthielten unzählige solcher Partikel. Sie begründeten eine neue Familie, die aufgrund der fadenförmigen Struktur der Viren „Filoviridae“ genannt wurde und zu der später als zweites Virus das Ebola-Virus gruppiert wurde. Mit der von Günther Müller eingesetzten Methode war es dann auch in anderen Instituten möglich, die Viren sichtbar zu machen. Dass das Marburg-Virus die Wissenschaft auch heute noch beschäftigt, berichtete Prof. Stephan Becker von der Universität Marburg, als er über den aktuellen Stand der Forschung referierte. Er gab zu bedenken, dass es bis heute weder einen Impfstoff, noch eine Therapie gegen das Marburg-Virus gibt.

Nicht weniger spannend als die Beschreibung des Marburg-Virus war die Entdeckung des Ebola-Virus neun Jahre später, die im Vortrag von Prof. Dennis Tappe wie eine Kriminalgeschichte anmutete. Auch hier war das BNITM mit Prof. Jürgen Knobloch neben Wissenschaftlern aus Großbritannien, Belgien und den USA maßgeblich beteiligt. Aufgrund der dramatischen Epidemie 2014-2016 in Westafrika ist die Ebola-Virus-Erkrankung inzwischen besser erforscht als die Marburg-Virus-Infektion, wie durch den Vortrag von Dr. Cesar Munoz-Fontela deutlich wurde. Während der letzten Epidemie hatte er im Rahmen von Einsätzen der „European Mobile Laboratories“ (EMLab) Proben von Ebola-Patienten gesammelt, an denen er seither die Rolle der humanen Immunantwort bei der Entwicklung krankmachender und schützender Mechanismen bei der Ebola-Infektion analysiert.

Insgesamt bot das Symposium einen interessanten Querschnitt aus Geschichte und aktueller Forschung zu den hämorrhagischen Fieberviren Marburg und Ebola.