FAQ zum Hanta-Virus

Vereinfachte Darstellung eines möglichen Übertragungsweges des Hanta-Virus. Quelle: BNITM.

Hantaviren sind in Deutschland inzwischen seit vielen Jahren als bedeutende Krankheitserreger bekannt. Die Hantaviruserkrankung ist in Deutschland meldepflichtig. Die Anzahl der gemeldeten Fälle zeigt klare räumliche und zeitliche Muster: In bestimmten Jahren kommt es zu Massenvermehrungen von Rötelmäusen, dem Reservoir des Puumala-Hantavirus, die zu einer erhöhten Infektionsgefährdung der Bevölkerung führen. Dieses Virus ist nur im südlichen und westlichen Teil Deutschlands gefunden worden. Ein zweites Hantavirus, das im östlichen und nördlichen Teil Deutschlands vorkommt, ist das mit der Brandmaus assoziierte Dobrava-Belgrad-Hantavirus.

Da für Hantaviren in Europa bisher keine zugelassenen Impfstoffe für den Menschen existieren, kommt der Vorbeugung sehr große Bedeutung zu. Das Merkblatt „Wie vermeide ich Hantavirusinfektionen?“, erarbeitet vom Robert Koch-Institut, Konsiliarlaboratorium für Hantaviren an der Berliner Charité, Julius Kühn-Institut, Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin und Friedrich-Loeffler-Institut, wurde nun aktualisiert und steht zum Herunterladen zur Verfügung:

1. Wie steckt man sich an?

Die natürlichen Wirte der für den Menschen gefährlichen Hantaviren sind verschiedene Nagetiere. Da- neben sind in den vergangenen Jahren Hantaviren auch bei Spitzmäusen, Maulwürfen und Fledermäusen entdeckt worden. Die Viren werden von infizierten Tieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden. Der Mensch infiziert sich über den Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagern, wenn kon- taminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden. Die Viren können in der Umwelt mehrere Wochen überdauern. Daher ist zur Ansteckung kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig. Eine Infektion durch Bisse von infizierten Nagern ist ebenfalls möglich.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sowie eine Ansteckung über Haustiere oder über Vektoren (zum Beispiel Mücken oder Zecken) findet wahr- scheinlich nicht statt.

In Deutschland sind zwei krankheitsauslösende Hantavirus-Arten bekannt: das Puumalavirus wird von Rötelmäusen, das Dobrava-Belgrad-Virus von Brandmäusen auf den Menschen übertragen.

(siehe Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum > Echte Mäuse / Wühl- mäuse: kleinsaeuger.at/willkommen.html).

2. Welche Symptome sind typisch?

Die Virusinfektion verläuft häufig ohne Symptome oder so leicht, dass die Infektion dem Betroffenen nicht auffällt. Symptomatische Erkrankungen werden unter dem Begriff "Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom" (HFRS) zusammengefasst, wobei der Schweregrad des Verlaufs unter anderem von der Art des Hantavirus abhängt.Mitteleuropäische Hantavirus-Arten verursachen grippeähnliche Infektionen, mit über drei bis vier Tage anhaltendem hohen Fieber (über 38 Grad Celsius) sowie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. In einer darauffolgenden Krankheitsphase können Blutdruckabfall und schließlich Nierenfunktionsstö- rungen bis zum akuten Nierenversagen auftreten. Sehr selten kann sich die Erkrankung auf die Lunge auswirken oder deutlich sichtbare, äußere Blutun- gen verursachen. Bei Verdacht auf eine Infektion wenden Sie sich an einen Arzt.

3. Wo kommen Hantaviren in Deutschland vor?

Hantavirus-Erkrankungen kommen in Deutschland nicht überall gleich häufig vor. 

Puumalavirus-Infektionen konzentrieren sich auf Nordwest-, West- und Süddeutschland, insbesondere die Schwäbische Alb, das Münsterland, den Teutoburger Wald, Unterfranken, den Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, den Bayerischen Wald, Osthessen und West-Thüringen. Neben diesen überwiegend ländlichen Regionen gibt es auch einzelne städtische Gebiete, wo Infektionen beim Menschen gehäuft auftraten. Die Häufigkeit der Erkrankung variiert von Jahr zu Jahr und ist von der Dichte und der Durchseuchung der lokalen Rötelmaus-Population abhängig.

Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad Virus werden in den nördlichen und östlichen Regionen Deutschlands registriert, in denen die Brandmaus als Überträger vorkommt.

4. Wann besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko?

Hantavirus-Infektionen können das ganze Jahr über auftreten. Besonders hoch ist die Infektionsgefahr jedoch von April bis September.

Hantavirus-Erkrankungen betreffen alle Altersgruppen und beide Geschlechter, jedoch häufiger Männer im mittleren Alter. Das größte Infektionsrisiko für eine Hantavirus-Infektion besteht, wenn man Kontakt mit Nagern oder deren Ausscheidungen hat. Zu den Tätigkeiten mit besonderem Infektionsrisiko in Gebieten mit Hantavirusvorkommen gehören:

  • Arbeiten in Forstwirtschaft oder Bauwesen,
  • der Aufenthalt in und - vor allem - die Reinigung von Scheunen, Schuppen, Ställen oder Häusern, in denen Nager vorkommen oder vorkamen,
  • Aktivitäten im Freien, die zum Kontakt mit Nagern und/oder deren Ausscheidungen führen können (z.B. Gartenarbeiten, Holzschlagen oder -stapeln, Jagen, Joggen, Zelten),
  • der Aufenthalt in Gegenden, in denen sich Nager stark vermehrt haben und in hoher Dichte vorkommen.

5. Wie verhindert man Infektionen?

Sie können das Risiko einer Hantavirus-Infektion verringern, indem Sie den Kontakt zu Nagern und deren Ausscheidungen vermeiden und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Dazu gehört vor allem die Verhinderung des Eindringens von Nagern in den Wohnbereich. Die aufgeführten Maßnahmen sollten vor allem in bekannten Ausbruchsgebieten und bei Risikogruppen (Forstarbeiter, Schädlingsbekämpfer u.a.) umgesetzt werden.

6. Wie halte ich mein Zuhause und die Umgebung frei von Mäusen?

  • Bewahren Sie Lebensmittel für Nager unzugänglich auf (dicht schließende Schränke, Metall- oder Plastikbehälter).
  • Lassen Sie Tierfutter und Wasser nicht über Nacht offen stehen.
  • Bewahren Sie Abfall so auf, dass Nager keinen Zugang haben.
  • Geben Sie Essensreste und tierische Abfälle nicht auf den Hauskompost.
  • Machen Sie mögliche Eintrittsstellen ins Haus ausfindig und verschließen Sie diese.
  • Beseitigen Sie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Nager (zum Beispiel Sperrmüll, Altreifen und Abfallhaufen).

7. Wie kontrolliert und bekämpft man Mäuse?

  • Benutzen Sie zum Mäusefang geeignete handelsübliche Schlagfallen.
  • Werden Nagergifte (Rodentizide) eingesetzt, dürfen nur zugelassene Mittel benutzt werden. Geeignete Plätze zum Aufstellen von Fallen und Auslegen von Ködern sind dunkle Ecken und entlang von Wänden.
  • Überprüfen Sie die Fallen und Köder regelmäßig (am besten täglich).
  • Eine erfolgreiche Bekämpfung von Nagetieren mit Fallen und/oder Rodentiziden kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
  • Achten Sie darauf, die Rodentizide und Fallen für Kinder und Haustiere unzugänglich auszulegen.
  • Fragen Sie bei starkem Befall einen erfahrenen Schädlingsbekämpfer.

8. Wie beseitigt man tote Mäuse und Mäuseausscheidungen?

  • Zum Schutz vor Hantavirus-Infektionen müssen tote Mäuse sicher beseitigt werden und kontaminierte Flächen (Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen) sorgfältig mit Haushaltsreiniger gesäubert werden. 
  • Tragen Sie Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst einen eng anliegenden Mundnasenschutz. Empfohlen wird eine Atemschutzmaske (FFP3-Maske).
  • Lüften Sie vor Beginn der Reinigung von Räumen mit Mausbefall gut durch, indem Sie alle Fenster und Türen für mindestens 30 Minuten öffnen.
  • Vermeiden Sie es, bei der Entfernung von Mäusekot und Nestmaterial Staub aufzuwirbeln. Benutzen Sie keinen Staubsauger, weil Viren über die Abluft abgegeben werden könnten.
  • Besprühen Sie Mäuse, belegte Fallen und Mäuseausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel. So verhindern Sie, dass bei der Entsorgung/Reinigung virusbeladener Staub aufgewirbelt wird.
  • Geben Sie die toten Mäuse in eine Plastiktüte, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.
  • Reinigen Sie alle gebrauchten Fallen nach der Benutzung.
  • Duschen Sie inkl. Haare waschen gleich nach den Arbeiten und waschen Sie die benutzte Arbeitskleidung vor der Wiederverwendung.

9. Welche Ansprechpartner gibt es?

Nationales Konsiliarlaboratorium für Hantaviren
Prof. Dr. Jörg Hofmann
Institut für Virologie / Helmut-Ruska-Haus
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Charité Mitte
Tel: 030 – 405026 351 (Fax: -616)
E-Mail: joerg.hofmann(at)charite.de
Internet: https://virologie-ccm.charite.de/

Weitere spezialisierte Laboratorien für Virusdiagnostik
Prof. Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg
Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionskrankheiten, Mikrobiologische Zentraldiagnostik
Tel: 040 - 42818-546 (Fax -400)
E-Mail: schmidt-chanasit(at)bnitm.de 
Internet: www.bnitm.de

Hantaviren bei Nagetieren
PD Dr. Rainer G. Ulrich
Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)
Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit Institut für Neue und Neuartige Tierseuchenerreger Greifswald - Insel Riems
Tel: 0383517-1159/-1158/-1177 (Fax -1192)
E-Mail: rainer.ulrich(at)fli.de 
Internet: www.fli.de

Nagetierökologie und -bekämpfung
Dr. Jens Jacob
Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Arbeitsgruppe Wirbeltierforschung, Münster
Tel: 0251 / 87106-10 (Fax -33)
E-Mail: jens.jacob(at)julius-kuehn.de
Internet: www.julius-kuehn.de

Meldefragen / Epidemiologie
Dr. Mirko Faber
Robert Koch-Institut, Berlin
Tel.: 030 - 18754-3353 (Fax – 3533)
E-Mail: FaberM(at)rki.de
Internet: www.rki.de

Kontakt

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Zentrale Labordiagnostik
Bernhard-Nocht-Straße 74
D-20359 Hamburg

Tel.: +49 40 42818-444

Notfallnummer für Ärzte bei Verdacht auf hämorrhagisches Fieber
Tel.: +49 40 42818-0

Fax: +49 40 42818-252
E-Mail: labordiagnostik(at)bnitm.de

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