Forschung

Anstandsdame sichert Leishmanien das Überleben

Obwohl es in ihren Heimatländern meist sehr warm ist, müssen Parasiten, die von Insekten übertragen werden, einen Hitzeschock überstehen, wenn sie auf den Menschen oder andere Warmblüter übertragen werden. Mit über 40°C ist es in unserem Körper denn doch deutlich heißer als in Insekten, auch in den Tropen.

Leishmanie bei menschlicher Körpertemperatur
Leishmanie bei menschlicher Körpertemperatur. Der Zellkern (n) und eine DNA-haltige Organelle der Leishmanie (k) sind blau gefärbt, das Chaperon HSP23 ist rot markiert. Man erkennt, dass sich HSP23 um den Zellkern (n) herum konzentriert.

Ein „Hitzeschock“ ist aus der experimentellen Forschung wohl bekannt, er dient als Standardmethode, um Zellen unter Stress zu setzen. Dann stellen Zellen eine ganze Batterie neuer Eiweißmoleküle her, sog. Chaperons (engl. für Anstandsdamen), die verhindern, dass die anderen Eiweiße der Zelle verklumpen und die Zelle stirbt. Der Hitzeschock bei der Übertragung vom Insekt auf den Menschen hilft Leishmania-Parasiten, eine zusätzliche große Veränderung ihres Lebens zu überstehen. Während sie sich in Sandmücken, ihren Überträgern, frei bewegen können, nisten sie sich bei der Infektion des Menschen in Abwehrzellen ein. Wir haben nun gefunden, dass ein kleines Chaperon, HSP23, überlebenswichtig für die Leishmanien ist. Wird es gentechnisch ausgeschaltet, sterben die Parasiten bei Körpertemperatur; schleust man das Gen wieder ein, können sie überleben. Offenbar schützt das Chaperon den Zellkern des Parasiten mit seinen lebenswichtigen Funktionen gegen die hohen Temperaturen im Menschen und stellt somit ein vielversprechendes Ziel für neue Wirkstoffe gegen die Parasiten dar.

 


Hombach A. et al., J Cell Sci 2014, 127:4762-73

Antje Hombach, Gabi Ommen, Andrea MacDonald und Joachim Clos