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Defektes Serumprotein schützt vor afrikanischer Tuberkulose

Das Mannose-bindende Protein (MBP) gehört zu den Serumproteinen, die Abwehrzellen helfen, Infektionserreger zu erkennen.

Vorkommen einer afrikanischen Form der Tuberkulose durch Mycobacterium africanum (rotes Oval) und Häufigkeit einer Mutation, die die Funktion des Mannose-bindenden Proteins zerstört (Anteil des grünen Segments im weißen Kreis).
Vorkommen einer afrikanischen Form der Tuberkulose durch Mycobacterium africanum (rotes Oval) und Häufigkeit einer Mutation, die die Funktion des Mannose-bindenden Proteins zerstört (Anteil des grünen Segments im weißen Kreis).

MBP bindet an das Zuckermolekül Mannose und bewirkt, dass Bakterien mit Mannose auf der Oberfläche leichter von Abwehrzellen aufgenommen werden können. Nun gibt es aber Infektionserreger, für die es vorteilhaft ist, von Abwehrzellen aufgenommen zu werden, weil sie in den Fressvakuolen von Abwehrzellen überleben können. Dazu gehören Tuberkulosebakterien.
In dem Gen für MBP gibt es eine Mutation, die die Funktion von MBP zerstört. Wir haben gefunden, dass diese Mutation in Afrika vor Tuberkulose schützt – allerdings nur vor einer afrikanischen Form der Tuberkulose, die von dem Erreger Mycobacterium africanum verursacht wird. Das macht Sinn, da Mycobacterium africanum deutlich mehr Mannose auf der Oberfläche trägt als die üblichen Tuberkulosebakterien. Es scheint daher sta?rker auf MBP für die Aufnahme in Abwehrzellen angewiesen zu sein. Interessanterweise findet sich die Mutation von MBP wesentlich häufiger bei Afrikanern als bei anderen Menschen (Bild). Es sieht also so aus, als habe der Selektionsdruck durch Mycobacterium africanum dafür gesorgt, dass die Mutation für das defekte MBP bevorzugt bei Afrikanern erhalten blieb.

Thye T. et al., PLoS One 2011, 6:e20908
Thorsten Thye, Christopher Intemann, Ellis Owusu-Dabo, Rolf Horstmann, Christian Meyer und externe Kooperationspartner (s. Publikation).