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Prof. Dr. med. Egbert TannichTel.: +49 40 42818-477
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Verbreitung der gemeinen Stechmücke

Die Gemeine Stechmücke Culex pipiens pipiens (Cpp) ist eine der häufigsten
Mückenarten in Deutschland. Es gibt zwei verschiedene Biotypen sowie eine weitere Art Culex torrentium, deren Weibchen sich mikroskopisch nicht unterscheiden lassen, die aber unterschiedliches Stechverhalten zeigen.

Verbreitung von Cpp Biotyp pipiens und Biotyp molestus sowie Culex torrentium in Deutschland
Verbreitung von Cpp Biotyp pipiens und Biotyp molestus sowie Culex torrentium in Deutschland. Potentielle Regionen für Brückenvektoren durch überschneidende Verbreitung der Biotypen pipiens und molestus sind blassrot dargestellt.

Während Cpp Biotyp pipiens und Culex torrentium Vogelblut bevorzugen, sticht Cpp Biotyp molestus vor allem Menschen und Säugetiere. Außerdem können Kreuzungen zwischen den beiden Cpp Biotypen auftreten, die dann sowohl an Vögeln, als auch an Menschen Blut saugen und als sog. Brückenvektoren Krankheits-erreger von Vögeln auf Menschen übertragen können.

Ein typischer Kandidat für eine Übertragung durch Cpp ist das West-Nil-Virus, das interkontinental mit Zugvögeln verschleppt wird. Es stammt ursprünglich aus Afrika, hat sich in den letzten zehn Jahren aber über ganz Nordamerika ausgebreitet und Epidemien in Südosteuropa verursacht. Beim Menschen kann es gefährliche Hirnhautentzündungen verursachen.

Bisher ist das West-Nil-Virus in Deutschland nicht aufgetreten. Um aber abschätzen zu können, ob Deutschland gefährdet ist, und ggf. vorbereitet zu sein, haben wir mehr als 16.500 Culex-Mücken aus ganz Deutschland mit einem neu entwickelten molekularen Test untersucht. Dabei zeigte sich, dass keine der Mücken mit dem West-Nil-Virus infiziert war und dass Cpp Biotyp molestus, der Menschen und Säugetiere bevorzugt, fast ausschließlich in Süddeutschland zu finden ist. 

Rudolf M. et al., PLoS One 2013, 8:e71832

Martin Rudolf, Christina Czajka, Jessica Börstler, Hanna Jöst, Heidrun von Thien, Marlis Badusche, Jonas Schmidt-Chanasit, Andreas Krüger,  Egbert Tannich, Stefanie Becker und externe Kooperationspartner (s. Publikation)