Forschung

Genomweite Suche nach Mutationen, die vor Malaria schützen

Wir haben bei 1.400 Kindern mit schwerer Malaria und 800 gesunden Kindern jeweils fast eine Million Mutationen analysiert und noch einmal ca. fünf Mio. Mutationen durch „Imputation“ hochgerechnet (s. S. 67). In zwei Regionen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen erkrankten und gesunden Kindern, die in weiteren 3.500 Kindern bestätigt wurden.

Pädiatrische Station im Komfo Anokye Teaching Hospital in Kumasi, wo Kinder mit schwerer Malaria in die Studie aufgenommen wurden. (Fotografie: Mika Väisänen)
Pädiatrische Station im Komfo Anokye Teaching Hospital in Kumasi, wo Kinder mit schwerer Malaria in die Studie aufgenommen wurden. (Fotografie: Mika Väisänen)

Die eine der beiden liegt in einem großen Intron des Gens „ATP2B4“, d.h. in einer DNA-Sequenz zwischen zwei Teilen des Gens. ATP2B4 kodiert für eine Kalzium-Pumpe, die unter anderem in der Wand von roten Blutkörperchen liegt und den Kalziumgehalt in Zellen reguliert. Die zweite Region liegt ca. 6.000 Basen vor dem Gen „MARVELD3“. MARVELD3 kodiert für ein Protein, das den Raum zwischen den Zellen, die unsere Blutgefäße auskleiden, abdichtet. Man kann sich gut vorstellen, dass sowohl der Kalziumgehalt in den Wirtszellen der Malariaparasiten, als auch die Abdichtung unserer Gefäßwände den Verlauf der Malaria beeinflussen könnte. Unklar ist aber, wie Mutationen wirken sollen, die zwischen zwei Teilen eines Gens bzw. relativ weit vor einem Gen liegen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die gefundenen Mutationen bislang unbekannte Regulationsvorgänge beeinflussen (s. S. 73).

 


Timmann et al., Nature 2012, 489:443-446

Christian Timmann, Thorsten Thye, Jennifer Evans, Jürgen May, Christa Ehmen, Jürgen Sievertsen, Birgit Muntau, Gerd Ruge, Wibke Loag, Michael Brendel, Kathrin Schuldt, Christian G. Meyer, Rolf Horstmann und Kooperationspartner (s. Publikation)