Pressemitteilung

BNITM unterstützt WHO noch stärker bei globaler Gesundheitsvorsorge

Institut erhält weiteres WHO-Kooperationszentrum

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat ein weiteres WHO-Kooperationszentrum: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Arbeitsgruppe Gesundheitskommunikation zum Collaborating Center for Behavioral Research in Global Health (BRIGHT) ernannt. Es wird die WHO in ihrem Ziel unterstützen, die weltweite Gesundheitsversorgung mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Verhaltensforschung zu verbessern. Die Abteilung Virologie des BNITM ist bereits WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren.

Das Foto zeigt von links nach rechts Sarah Eitze (blonde lange Haare, hellgrauer Pulli), Cornelia Betsch (dunkler Pferdeschwanz, weißes Shirt, Jeans, dunkelgrüner Blazer) und Jürgen May (Glatze, Jeans, dunkelblaues Hemd, dunkelgraues Jackett).
©BNITM

Der Erfolg von Gesundheitsmaßnahmen hängt wesentlich vom Verhalten der Menschen ab. Das hat die COVID-19-Pandemie eindrücklich vor Augen geführt. Medikamente, Impfungen oder Masken können einen Nutzen für die gesamte Bevölkerung haben, wenn viele Menschen sie anwenden. Welche psychologischen Faktoren dabei eine Rolle spielen, erforscht am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin die Arbeitsgruppe Gesundheitskommunikation von Cornelia Betsch.

Auch für die WHO sind verhaltenswissenschaftliche Ansätze wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit geworden. Im Rahmen einer Resolution zu Behavioral und Cultural Insights haben insbesondere die europäischen Mitgliedstaaten zugestimmt, Verhaltenswissenschaften stärker in die Gesundheitsversorgung einzubeziehen. So sollen entsprechende Daten aus der COVID-19-Pandemie genutzt werden, um besser auf zukünftige Pandemien vorbereitet zu sein. In Deutschland hat insbesondere die von Prof. Betsch durchgeführte COSMO-Studie Informationen zum Verhalten der Menschen während der Pandemie hervorgebracht. Solche Daten aus anderen Mitgliedstaaten wird das neue Collaborating Center nun aufbereiten, durch weitere Erhebungen ergänzen und der WHO neue Erkenntnisse zur Verfügung stellen. Zusätzlich soll die Arbeitsgruppe Gesundheitskommunikation über BRIGHT die WHO auch zu aktuellen globalen Gesundheitsherausforderungen beraten.

Dabei geht es unter anderem um Fragen wie:

- Wie entscheiden sich Menschen für oder gegen Impfungen?

- Was begünstigt einen zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika?

- Wie lässt sich Handlungsbereitschaft gegen den Klimawandel erfassen und erhöhen?

Das Team wird die Weltgesundheitsorganisation in den kommenden vier Jahren in drei Bereichen unterstützen. Es wird

1) die europaweiten COSMO-Pandemiedaten aufarbeiten, um Pandemieverhalten besser zu verstehen,

2) aus internationalen Studien bekannte verhaltenswissenschaftliche Phänomene prüfen und

3) Verhaltenswissenschaften in Bereiche außerhalb der Forschung tragen und nutzbar machen.

Denn auch Menschen außerhalb der Forschung sollen verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse besser nutzen können, um gesundheitsförderliche Maßnahmen, politische Strategien und den Umgang mit globalen Gesundheitsherausforderungen zu gestalten.

Langfristig wollen die Forschenden prüfen, inwieweit sich die verhaltenswissenschaftlichen Antworten replizieren und auf verschiedene Kulturen und Zusammenhänge übertragen lassen.

Die Laufzeit des Kooperationszentrums beträgt zunächst vier Jahre und kann dann auf Antrag nach Prüfung durch die WHO verlängert werden. Geleitet wird es von Prof. Cornelia Betsch und Dr. Sarah Eitze.

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank: ”Wenn Gesundheits- und Verhaltenswissenschaft miteinander gedacht werden, dann ist das beispielhaft für den Erfolg interdisziplinärer Arbeit in Hamburg. Die erneute Auszeichnung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin durch die WHO bestätigt einmal mehr die hervorragende Forschungsarbeit, die hier geleistet wird. Ein großer Erfolg für das Institut und ein Riesengewinn für anwendungsorientiertes Forschen am Standort Hamburg. Meine herzlichen Glückwünsche an alle Beteiligten zu dieser tollen Leistung!“

Katharina Fegebank: eine Politikerin auf einem Balkon. Links sind rote Blumen zu sehen, rechts die hellen Mauern des Hamburger Rathauses. Katarina Fegebank trägt schulterlanges, braunes Haar und ein blaues Kleid. Vor ihrer Körpermitte berühren sich ihre Fingerspitzen der beiden Hände.
Die Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke der Freien und Hansestadt Hamburg, Katharina Fegebank   ©Daniel Reinhardt | Senatskanzlei Hamburg
Porträtfoto von Prof. Dr. Jürgen May, eines erfahrenen freundlich blickenden Forschers
Prof. Dr. Jürgen May   ©BNITM | Dino Schachten

Der Vorstandsvorsitzende des BNITM, Prof. Dr. Jürgen May: “Das WHO-Collaborating Center passt inhaltlich hervorragend zum BNITM. Es ist wichtig zu erforschen, wie Menschen reagieren und was sie treibt, wenn sich Epidemien ausbreiten. Und dies ist kulturell unterschiedlich und muss weltweit untersucht werden. BRIGHT ist ein wichtiger Beitrag für unsere künftige strategische Ausrichtung.“

Prof. Dr. Cornelia Betsch, Direktorin des WHO-Collaborating Center for Behavioral Research in Global Health: “Durch die Klimakrise wird die Herausforderung immer größer, wie wir Gesundheit für alle verbessern können. Es braucht die bestmöglichen Gesundheitssysteme, und es braucht Menschen, die diese verstehen und aktiv nutzen wollen. Deshalb sind gute Verhaltensforschung und die Umsetzung ihrer Ergebnisse unverzichtbar.”

Prof. Dr. Cornelia Betsch: eine Forscherin mit braunen, schulterlangen Haaren, Brille und einem grauen Blazer über einem hellen Oberteil. Sie sitzt im Freien, im Hintergrund sind Blätter zu sehen.
Prof. Dr. Cornelia Betsch   ©Marco Borggreve

Die WHO-Kollaborationszentren

Ein WHO-Kollaborationszentrum wird vom Generaldirektor der WHO ernannt. Es ist Teil eines internationalen Kooperationsnetzwerks der Weltgesundheitsorganisation. Diese unterhält keine eigenen Forschungseinrichtungen. Sie stützt sich bei ihrer Arbeit auf nationale Universitäten, Institutionen und Forschungseinrichtungen. Dadurch kann sie deren Wissen in ihre internationalen Gesundheitsprogramme integrieren.

Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Seit jeher werden BNITM-Forschungsschwerpunkte unter dem Aspekt der Globalen Gesundheit / One Health betrachtet sowie unter dem Aspekt der Translation – des Transfers von Grundlagenforschung in die Anwendung. Dieser Forschungsansatz spiegelt sich auch in den fünf Sektionen des Instituts wider: Pathogen (Erreger) -> Interface (Immunologie, Wirt/Erreger) -> Patient (Klinik) -> Population (Epidemiologie) -> Implementation (erfolgreiche Etablierung des Wissens).

Aktuelle thematische Schwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, vernachlässigte Tropenerkrankungen (NTDs), Immunologie, Epidemiologie und die Klinik tropischer Infektionen sowie die Mechanismen der Übertragung von Viren durch Stechmücken. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Die mobilen Laboratorien des BNITM stehen für die globale Ausbruchsbekämpfung hochpathogener oder hochinfektiöser Viren bereit.

Das BNITM ist Nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger und WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren und ist ein Institut in der Leibniz-Gemeinschaft.

Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt das BNITM ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht. Darüber hinaus pflegt das Institut zahlreiche weitere Kooperationen unter anderem in anderen afrikanischen Ländern wie in Gabun, Nigeria, Tansania und Madagaskar.

Ansprechperson

Julia Rauner

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Telefon : +49 40 285380-264

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