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BNITM: „Wir dürfen im Kampf gegen diese ‚vergessene Epidemie‘ nicht nachlassen!“

Weltmalariatag 2022

Hamburg, 25. April 2022 - Anlässlich des heutigen Weltmalariatags ruft das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) Politik und Gesellschaft dazu auf, den Kampf gegen diese heimtückische Krankheit zu verstärken. Nach dem jüngsten Weltmalariabericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben im Jahr 2020 rund 630.000 Menschen an Malaria, vor allem Kinder in Afrika unter fünf Jahren.

Ein Wissenschaftler des KCCR sieht sich Malariablutausstriche auf Objektträger (Glasplatten) an. Im Hintergrund sind afrikansche Kinder zu sehen, die lachen.
KCCR / Feldstudien am Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) in Ghana.
Foto: BNITM / Mikael Väisänen

Nach den jüngsten Zahlen wurden zwischen 2019 und 2021 etwa 241 Millionen Malariafälle registriert, 14 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Todesfälle stieg um 69.000. Etwa zwei Drittel dieser zusätzlichen Todesfälle (49.000) waren auf Unterbrechungen bei der Prävention, Diagnose und Behandlung der Malaria während der SARS-CoV-2-Pandemie zurückzuführen. Dennoch wurden seit dem Jahr 2000 laut WHO 23 Länder für malariafrei erklärt, darunter El Salvador und China.

Der BNITM-Vorsitzende Prof. Jürgen May:

„Wir haben die Mittel, um Malaria auszurotten: Wir haben Netze, Behandlungen und andere Kontrollmaßnahmen, die sich als sicher und hochwirksam erwiesen haben, insbesondere gegen die tödlichste Variante des Parasiten, Plasmodium falciparum. Und es gibt Hoffnungen auf neue wirksame Impfstoffe. Jetzt, da die Coronavirus-Pandemie zurückgeht, müssen wir uns wieder mit dieser Krankheitsgeißel befassen, die so viele Länder des globalen Südens an einer nachhaltigen Entwicklung hindert. “

Gegen die Artemisinin-Resistenz: Medikamentenentwicklung in Afrika

Das Bernhard-Nocht-Institut widmet einen großen Teil seiner Forschung der Malaria, von der molekularen Untersuchung des Malariaparasiten über die Erforschung der Ausbreitung und des Krankheitsverlaufs bis hin zu klinischen Studien zu Impfungen und Medikamenten in Afrika.

Um beispielsweise eine Malariatherapie mit einer Dreifachkombination der nächsten Generation testen zu können, führt das BNITM zusammen mit dem Kumasi Centre for Collaborative Research (KCCR) in Ghana eine multizentrische klinische Studie in vier afrikanischen Ländern (Ghana, Gabun, Mali und Benin) durch. Der Schwerpunkt liegt auf der Wirksamkeit und Sicherheit einer Malariabehandlung. Dies ist vor allem für Kinder in Afrika südlich der Sahara von entscheidender Bedeutung.

„In Südostasien hat die Wirksamkeit bewährter Kombinationstherapien auf Artemisinin-Basis bereits deutlich nachgelassen. Grund ist das Auftreten artemisininresistenter Stämme“, sagt Dr. Oumou Maiga-Ascofaré, Projektkoordinatorin an KCCR und BNITM. „Resistente Stämme könnten sich auch in Afrika ausbreiten und die bereits erzielten Erfolge gegen die Malaria gefährden“, fügt sie hinzu. Es sei daher dringend erforderlich, neue Medikamentenkombinationen zu entwickeln, bevor sich artemisininresistente Malariastämme in ganz Afrika verbreiten.

Abgebildet sind sieben mikroskopische Aufnahmen von Blutzellen mit Malariaparasiten, die über die Zeit (30 Stunden) fotografiert wurden.
Ausgewählte Zeitpunkte der Entwicklung eines Malariaerregers in der roten Blutzelle über 30 Stunden. Gelb, Ringstadium; orange, Trophozoitenstadium; rot, Schizontenstadium; weißer Pfeil, aus der geplatzten Wirtszelle freigesetzter Parasit der eine neue Wirtszelle befallen hat.
Bild: BNITM, Quelle: modifiziert nach Nature Comm. 2011

Internationaler Aktionstag erinnert an 3 Milliarden Betroffene

Im Jahr 2000 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Weltmalariatag als jährlichen internationalen Aktionstag eingeführt. Er erinnert daran, dass mehr als drei Milliarden Menschen auf der Welt von Malaria bedroht sind. Die WHO und andere Organisationen bemühen sich, die Infektionskrankheit zurückzudrängen. Dies ist mit großem finanziellen und logistischen Aufwand verbunden und hat in den vergangenen Jahren zu einem stetigen Rückgang der Neuerkrankungen geführt.

Nachstehend finden Sie eine Liste unserer Malariaexpertinnen und -experten, die anlässlich des Weltmalariatages für Interviews zur Verfügung stehen.

Lesen Sie mehr über Malaria im Rahmen von COVID-19 und Global Health auf unserer Website.

BNITM-Expertendienst anlässlich des Weltmalariatags 2022

Anlässlich des Weltmalaria-Tags stehen die aufgeführten Wissenschaftler:innen der Presse für Interviews zur Verfügung (alle Anfragen bitte auch über presse@bnitm.de).

Prof. Dr. Jürgen May / Dr. Oumou Maiga-Ascofaré
Epidemiologie, Malaria in Afrika, Medikamentenentwicklung
Tel.: 0049-40-42818-369
E-Mail: may(at)bnitm.de
E-Mail: maiga(at)bnitm.de

Prof. Dr. Michael Ramharter
Klinik der Malaria, Behandlung, Prophylaxe, Therapie- und Impfstudien
Tel.: 0049-40-42818-1330, -264
E-Mail: presse(at)bnitm.de

Dr. Tobias Spielmann
Meilensteine in der Laborforschung, Antibiotikaresistenz von Malariaparasiten
Tel.: 0049-40-42818-486
E-Mail: spielmann(at)bnitm.de

Wir bitten, bei Nennung in Texten und Interviews sowie bei der Verwendung von O-Tönen in TV- und Online-Beiträgen als Quelle das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin zu erwähnen.

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Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Das im Jahr 1900 gegründete Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten und ein Forschungszentrum der Leibniz-Gemeinschaft für Globale Infektionen.

Das Institut vereint moderne Laborforschung zur System-, Zell- und Strukturbiologie von Krankheitserregern mit entomologischer Forschung an Überträgertieren, immunologischer und epidemiologischer Forschung, klinischen Studien zur Pathophysiologie und Wirkstoffentwicklung, Krankheitsbekämpfung in ressourcenarmen Endemiegebieten, Entwicklung neuer Diagnostika und moderner Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, Wurminfektionen und andere Parasitosen sowie Erkrankungen durch Arboviren und hämorrhagische Fieberviren. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL-4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL-3).

Das BNITM unterhält seit 25 Jahren eine Forschungsinfrastruktur auf dem Campus der Universität von Kumasi (Ghana). Im Kumasi Centre for Collaborative Research (KCCR) werden Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit ghanaischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durchgeführt. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Kooperationen mit Forschenden und wissenschaftlichen Einrichtungen u.a. in weiteren afrikanischen Ländern, insbesondere Gabun, Nigeria, Tansania und Madagaskar.

Die Versorgungsleistungen des Instituts umfassen spezielle Labordiagnostik sowie Capacity building und Beratung für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit. Die Lehrtätigkeit umfasst ei-nen tropenmedizinischen Kurs für Ärztinnen und Ärzte, studentische Lehre, ein PhD-Fortbildungsprogramm und internationale Weiterbildungsangebote. Das Institut ist Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger und WHO Kollaborationszentrum für hämorrhagische Viren und Arboviren.

Das BNITM ist eine Stiftung öffentlichen Rechts. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird es als Forschungsinstitut mit überregionaler Bedeutung gemeinsam durch den Bund, die Freie und Hansestadt Hamburg und die übrigen Bundesländer finanziert.

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