Überblick über die Geschichte des Instituts

Das „Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten“ nahm am 1. Oktober 1900 seine Arbeit auf, mit 24 Mitarbeitenden. Heute beschäftigt das „Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin“ (BNITM) ca. 270 Personen und ist damit Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten.

Ursprünge in der Kolonialzeit

Gründungszweck war die Erforschung und Kontrolle tropentypischer Krankheitserreger: Durch den zunehmenden Handel und Verkehr insbesondere mit Übersee wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt ungewöhnliche Infektionserkrankungen durch Schiffsbesatzungen und Reisende eingeschleppt. Die Cholera-Epidemie von 1892 in Hamburg gab den letzten Anstoß: Etwa 9.000 Menschen waren an der Seuche gestorben. Auch der wirtschaftliche Schaden war immens. Wahrscheinlich hatten russische Segler oder Auswanderer auf der Durchreise das Bakterium mitgebracht. Wegen des überkommenen Trinkwassersystems konnte es sich schnell ausbreiten. Die Stadt Hamburg war gezwungen, ihr Gesundheitssystem neu zu strukturieren und setzte Bernhard Nocht als Hafenarzt ein. Wenig später beschloss die Bürgerschaft die „Umgestaltung des Seemannskrankenhauses und die Verbindung desselben mit einem Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten“.

Altes Fotos einer Barkasse auf der Elbe
Der Hafenarzt auf dem Weg zur Schiffsbesatzung
Quelle: BNITM

Geschichte des Instituts

Der neue Hafenarzt erkannte den drängenden Bedarf nach Fortbildungsangeboten für Ärzte zum Umgang mit tropischen Erkrankungen. Nach dem Grundsatz „Forschen, Heilen, Lehren“ machte sich das Institut neben der Krankenversorgung auch die Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Schiffs- und Tropenmedizin zur Aufgabe. Nach den Erfahrungen aus der Choleraepidemie sollten ähnliche Ausbrüche künftig verhindert werden. Auch die Hamburger Kaufleute hatten ein wirtschaftliches Interesse an der Entwicklung der Tropenmedizin. Sie setzten neue Erkenntnisse über die Prävention der Malaria und anderer Erkrankungen auf ihren Schiffen um, damit die Mannschaften gesund und leistungsfähig blieben. Das Institut bot in den ersten Jahren zahlreiche Weiterbildungskurse für Ärzte an und zählte bis 1914 mehr als 800 Teilnehmer. Die Forschung konzentrierte sich auf Laboruntersuchungen exotischer Erreger und ihrer Überträgerinsekten. Zudem führte das Institut Studien an Reisenden und Seeleuten mit eingeschleppten Infektionen durch. Forschungsaufenthalte in den Tropen fanden nur sehr sporadisch statt.

Mit Kriegsbeginn 1914 wurde das Gebäude zum Reservelazarett umgewandelt, und die Forschungsarbeiten kamen weitgehend zum Erliegen. Während der Weltkriege war das Institut bestrebt, Zugang zu den Tropen in den deutschen Kolonialgebieten zu behalten bzw. wiederzuerlangen: In der Weimarer Republik hatten sich die wirtschaftlichen und weltpolitischen Bedingungen, auf denen die Existenz des Tropeninstituts beruhte, grundlegend verändert. Nach dem Friedensschluss von Versailles besaß das Deutsche Reich keine Kolonien mehr. Deutsche Wissenschaftler waren international isoliert. Dem Tropeninstitut fehlte die Daseinsberechtigung. Sein Fortbestand war ungewiss.

Kontakt

  • Dr.  Eleonora Schönherr
  • Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
  • Telefon: +49 40 285380-269
  • E-Mail: presse@bnitm.de
  • Julia Rauner
  • Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
  • Telefon: +49 40 285380-264
  • E-Mail: presse@bnitm.de

Downloads