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Während der Pandemie wird der Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten noch wichtiger

Die Omikron-Variante hat gezeigt, dass die Gesundheitsversorgung im globalen Süden uns alle etwas angeht - der „World Day of Neglected Tropical Diseases” am 30. Januar soll ein Bewusstsein für armutsbedingte Krankheiten schaffen.

Die bunte Grafik listet die vernachlässigten Tropenkrankheiten auf. Dazu der Schriftzug "Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten".
©BNITM

Hamburg, 30. Januar 2022 - In den ärmsten Regionen der Welt sind eine Milliarde Menschen von vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases - NTDs) betroffen. Jährlich benötigen rund 1,7 Milliarden Menschen eine präventive Behandlung. Doch auf der globalen Gesundheitsagenda sind Länder des globalen Südens immer noch wenig vertreten und erhalten nur geringe finanzielle Mittel, um ihre Gesundheitssysteme zu stärken. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) engagiert sich als ein Leibniz-Forschungsinstitut für globale Infektionen mit dem Ziel, den Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten zu intensivieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet aktuell 20 Tropenkrankheiten als besonders vernachlässigt. Dazu gehören Wurmerkrankungen wie die Schistosomiasis oder die Flussblindheit, aber auch Infektionskrankeiten durch einzellige Parasiten wie Schlafkrankheit oder Leishmaniose, bakterielle Infektionen wie Lepra und durch Viren verursachte Erkrankungen wie Dengue-Fieber oder Tollwut. Auch Vergiftungen durch Schlangenbisse stehen auf dieser WHO Liste.

Diese Krankheiten kommen vor allem in ärmeren Ländern mit schlechteren hygienischen Bedingungen und tropischem Klima vor. Dort können sich Krankheitserreger und entsprechende Überträger wie bestimmte Stechmückenarten stark vermehren. Durch Klimaerwärmung, globalen Reiseverkehr und Migration sind jedoch zunehmend auch Länder in gemäßigten Zonen betroffen.

Die WHO hat 2017 das Ziel ausgerufen, die vernachlässigten Tropenkrankheiten bis 2030 stark zu reduzieren. Viele lassen sich bereits heute vermeiden oder behandeln. „Zu häufig fehlen allerdings die nötigen finanziellen Mittel für Medikamente, Aufklärungskampagnen und Forschung“, sagt Prof. Jürgen May, Infektionsepidemiologe und Vorstandsvorsitzender des BNITM. In den vergangenen Jahren erzielte Fortschritte habe die Coronaviruspandemie vielerorts zunichte gemacht.

Kreative Aufklärung von Schulkindern über NTDs

Aufgrund der stagnierenden Fortschritte im Kampf gegen die vernachlässigten Tropenkrankheiten beteiligt sich das Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin an einer internationalen Kampagne des Unesco-Lehrstuhl der Universität Brescia (UNESCO Chair | UNIBS). Das gemeinsame Ziel ist, auch im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten nicht nachzulassen.

Die Wissenschaftlerin Daniela Fusco und ihre Arbeitsgruppe „Control of Poverty Related and Neglected Tropical Diseases (PRNTD)am BNITM haben im Winter 2021 Teams in vier verschiedenen Ländern ausgebildet, die in Schulen eine Lehrveranstaltung zum Thema Schistosomiasis gehalten haben. Die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Italien, Madagaskar und dem Senegal malten anschließend kreative Bilder zur Krankheit. Die besten Werke werden im Rahmen des NTD Day präsentiert. Die Aktivitäten wurden vom Unesco-Lehrstuhl der Universität Brescia in Zusammenarbeit mit dem Gemeindeprojekt für Kinder „Vivi il quartiere – Bangherang“ in Italien und durch die italienische NGO „Energia per I diritti umami“ im Senegal koordiniert.

Bleistiftzeichnung einer Schnecke, eines menschlichen Körpers und einer Hand mit Würmern.
Gewinnerbild des Malwettbewerbs in Italien

„Der Kampf gegen NTDs ist eine Mission aus wissenschaftlicher und humanitärer Sicht. Mehr als 350 Partnerinstitutionen weltweit beteiligen sich am dritten World-NTD-Day, weil diese Krankheiten nicht länger vernachlässigt werden sollten“, betont Fusco.

Die Teams aus Deutschland, Italien, Madagaskar und dem Senegal melden sich zu Wort:

The Hospital Partnership in Laos – outcome of the cooperation on snakebite management and therapy.

Global Health - wichtiger denn je 

Welche Folgen es haben kann, wenn Gesundheit nicht global betrachtet wird, hat die Welt durch die Omikronvariante zu spüren bekommen. 

Kinder in der Schule

„Impfstoffe wurden ungerecht verteilt, in Afrika sind beispielsweise bisher nur neun Prozent der Bevölkerung geimpft. Ziel der WHO waren 40 Prozent bis Ende 2021“, sagt Prof. Michael Ramharter, Leiter der Abteilung Klinische Forschungam BNITM. Schwache Gesundheitssysteme, schlechte Surveillance und andere Krankheiten haben weiterhin dazu geführt, dass sich die Omikronvariante ausbreiten konnte. 

„Wir müssen anfangen, Gesundheitsprobleme global anzugehen, Krankheiten machen vor Grenzen keinen Halt. Es gibt auch eine humanitäre Verpflichtung der Industrienationen, Krankheiten zu bekämpfen, an denen Milliarden Menschen im globalen Süden leiden und zu verhindern, dass die Armut in diesen Ländern bestehen bleibt“, fügt May hinzu.

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Prof. Jürgen May, Abteilungsleiter Infektionsepidemiologie und Vorstandsvorsitzender des BNITM
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Prof. Michael Ramharter, Abteilungsleiter Klinische Forschung, BNITM und Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
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