FAQ zum Chikungunya-Virus

1. Was ist Chikungunya?
Chikungunya ist eine Viruserkrankung, die durch das Chikungunya-Virus (CHIKV) verursacht wird. Das Virus gehört zur Familie der Togaviridae (Alphaviren).
2. Wie wird Chikungunya übertragen?
Die Übertragung erfolgt durch infizierte Stechmücken, vor allem durch die Arten Aedes aegypti und Aedes albopictus (auch Tigermücke): Wenn eine Mücke einen infizierten Menschen sticht, kann sie das Virus aufnehmen und später bei einem weiteren Stich auf einen gesunden Menschen übertragen.
Chikungunya wird nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen (nicht über Kontakte, Luft, Nahrungsmittel). In seltenen Fällen kann aber bei infizierten Müttern kurz vor oder während der Geburt eine Übertragung auf das Neugeborene stattfinden.
3. Wo kommt Chikungunya vor?
Chikungunya ist in vielen tropischen und subtropischen Regionen der Welt verbreitet, insbesondere in Teilen Afrikas, Asiens und in Lateinamerika. In den letzten Jahren wurde das Virus jedoch auch in Europa festgestellt. Grund dafür ist die Ausbreitung der „Asiatischen Tigermücke“ (Aedes albopictus), die mittlerweile in mehreren süd-europäischen Ländern heimisch ist. Wenn Reisende das Virus mitbringen und diese Mücke vor Ort vorkommt, kann es vereinzelt zu lokalen Ansteckungen kommen.
- Seit 2007 gab es mehrmals kleinere lokale Ausbrüche, vor allem in Italien und Frankreich.
- 2023 wurden in der EU über 100 lokal übertragene Fälle gemeldet, überwiegend in Frankreich.
- Auch 2025 wurden dort erneut autochthone, also lokal erworbene Fälle bestätigt, vor allem in den Regionen Provence-Alpes-Côte d’Azur und Occitanie.
Hinweis für Reisende: Wer nach Südeuropa reist, sollte sich vorab über aktuelle Mückenaktivität, mögliche Chikungunya-Ausbrüche und empfohlene Schutzmaßnahmen informieren.
4. Was sind die Symptome von Chikungunya?
Symptome beginnen typischerweise 4 bis 8 Tage nach dem Stich (Spanne 2 bis 12 Tage).
Hauptsymptome sind:
- plötzlicher Fieberanstieg
- starke Gelenkschmerzen (Arthralgien)
- Muskelschmerzen
- Kopfschmerzen
- Hautausschlag
- Müdigkeit / Schwäche
- Übelkeit
Bei den meisten Patientinnen und Patienten bessern sich die Symptome innerhalb einiger Tage bis Wochen. Allerdings können Gelenkschmerzen oder Gelenkentzündungen über Monate oder sogar Jahre andauern (chronische Form). Schwere Verläufe sind selten, betreffen vor allem Säuglinge, ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen. In Einzelfällen wurden Herz-, neurologische oder Organbeteiligungen beschrieben.
5. Wie wird Chikungunya diagnostiziert?
In der frühen Phase (erste Woche) kann das Virus direkt im Blut nachgewiesen werden, z. B. durch RT-PCR oder Virusisolierung. Nach der ersten Woche sind Antikörpertests (IgM/IgG) möglich, um eine Infektion nachzuweisen. Da die Symptome anderen Mückenvirus-Erkrankungen ähneln (z. B. Dengue oder Zika), reicht die klinische Untersuchung allein oft nicht aus. Labortests sind daher wichtig. Kreuzreaktionen sind selten, können aber mit eng verwandten Viren wie Mayaro oder O’nyong-nyong auftreten. In bestimmten Regionen können daher zusätzliche Spezialtests nötig sein.
6. Wie wird Chikungunya behandelt?
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung erfolgt symptomatisch: Fiebersenkung, Schmerzmittel (z. B. Paracetamol), Ruhe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
Wegen des möglichen Blutungsrisikos sollten nichtsteroidale (Cortison-freie) Antirheumatika (NSAIDs) wie Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac vermieden werden, solange nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Dengue-Infektion vorliegt.
Wenn starke Gelenkschmerzen bestehen bleiben, sollte unbedingt ärztliche Hilfe gesucht werden. Halten die Beschwerden länger als 3 Monate an, können entzündungshemmende Medikamente oder weitere therapeutische Maßnahmen in Betracht kommen. Eine verbindliche Leitlinie dazu existiert derzeit nicht.
7. Gibt es einen Impfstoff gegen Chikungunya?
Ja. In der EU sind inzwischen zwei Impfstoffe gegen Chikungunya zugelassen (beide ab 12 Jahren). Sie werden Personen mit erhöhtem Risiko empfohlen, zum Beispiel für Menschen, die in Regionen mit wiederholten Ausbrüchen leben oder dort beruflich besonders gefährdet sind.
IXCHIQ – Lebendimpfstoff (abgeschwächte Viren)
Art: Lebend-attenuierter Impfstoff (enthält stark abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Viren).
Wie er wirkt: Das Virus kann sich leicht im Körper vermehren und löst so eine sehr starke Immunantwort aus.
Vorteile: Kann einen langen Schutz bieten.
Besonderheiten / Einschränkungen: Kann selten ernsthafte Nebenwirkungen verursachen, besonders bei älteren Erwachsenen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Die EMA empfiehlt ihn nur, wenn ein hohes Infektionsrisiko besteht und nach individueller Risikoabwägung.
Vimkunya – VLP-Impfstoff (Virusbausteine)
Art: Virus-like-particle (VLP)-Impfstoff (enthält keine lebenden oder vermehrungsfähigen Viren).
Wie er wirkt: Enthält nur Virusbausteine, die das Immunsystem „trainieren“, ohne dass echte Viren im Körper aktiv werden.
Vorteile: Sehr gutes Sicherheitsprofil. Auch für Personen geeignet, bei denen Lebendimpfstoffe riskant wären (z. B. ältere Menschen, Immunsupprimierte).
8. Wie kann man sich vor Chikungunya schützen?
- Impfung: In der EU zugelassene Impfstoffe sind für Personen ab 12 Jahren verfügbar und besonders für Reisende oder Menschen in Risikogebieten empfehlenswert.
- Schützen Sie sich vor Mückenstichen: Wenden Sie Insektenschutzmittel (DEET, IR3535, Picaridin) auf Haut und Kleidung an.
- Tragen Sie langärmlige Kleidung und lange Hosen, besonders tagsüber, wenn Aedes-Mücken aktiv sind.
- Verwenden Sie Moskitonetze und Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen.
- Eliminieren Sie Mücken-Brutstätten: Entfernen Sie stehendes Wasser in Behältern, Blumentöpfen, Reifen etc. oder decken Sie sie ab.
- Personen mit einer akuten Infektion sollten in der ersten Woche den Kontakt mit Mücken vermeiden, da diese sich sonst infizieren und das Virus weiterverbreiten könnten.
- In Ausbruchssituationen können Behörden zusätzliche Maßnahmen ergreifen, z. B. Sprühaktionen gegen erwachsene Mücken (Fogging) oder Innenbehandlung mit Insektiziden (Indoor Residual Spraying).
Weitere Informationen:
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)
Kontakt
- Dr. Rosa Isela Gálvez
- Arbeitsgruppe Protozoen-Immunologie
- Telefon: +49 40 285380-243
- E-Mail: chase@bnitm.de
- Dr. Anna Hein
- Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
- Telefon: +49 40 285380-269
- E-Mail: presse@bnitm.de
- Julia Rauner
- Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
- Telefon: +49 40 285380-264
- E-Mail: presse@bnitm.de
- Die Labordiagnostik | Beratung für Ärzt:innen
- Beratung zum Diagnostikverfahren
- Telefon: +49 40 285380-211
- Fax: +49 40 285380-252
- E-Mail: labordiagnostik@bnitm.de