Infektionsdynamik verstehen
Wie und warum treten Infektionen auf?
Analyse und Modellierung von Infektionen mit tropischen und neu auftretenden Krankheitserregern
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Prävention und Bekämpfung von Infektionen, unterstützt durch modernste epidemiologische, ökologische, und immunologische Forschung. Im Vordergrund stehen Infektionen, die Bevölkerungsgruppen in ressourcenarmen Regionen betreffen. Für epidemiologische Analysen werden digitale Innovationen wie künstliche Intelligenz zur Datenerfassung und -auswertung eingesetzt. Wir stützen uns auf fortschrittliche Modellierung, Big-Data-Analysen und hochauflösende Satellitenbilder, um zu untersuchen, wie sich Infektionen ausbreiten und wie antimikrobielle Resistenzen (AMR) entstehen und sich entwickeln.
Unsere Expertise in Parasitologie, Entomologie und Virologie wird durch eine besondere Laborinfrastruktur unterstützt, darunter ein hochmodernes Biosicherheits-Insektarium in Hamburg. Hier und in den betroffenen Ländern untersuchen wir, wie Vektoren Krankheitserreger verbreiten – wie beispielsweise Mücken, die das Dengue- oder Chikungunya-Virus übertragen. Diese Analysen sind unerlässlich, um die Bedingungen zu identifizieren, unter denen Infektionen auftreten, und um wirksame Strategien zur Prävention und Unterbrechung der Übertragung zu entwickeln. Insbesondere der Einfluss klimatischer Variablität auf die Verbreitung von Infektionen soll zusammen mit Klimaforscher:innen analysiert werden.
Erfolgreiche Kontrollmaßnahmen, Umweltveränderungen und menschliches Verhalten beeinflussen die Epidemiologie von Infektionskrankheiten. Wir wollen daher Methoden für eine informative Surveillance entwickeln und aufbauen, die Infektionsdynamik auch in ressourcenarmen Regionen zuverlässig und kontinuierlich erhebt. Wir passen unsere Forschung und unsere Maßnahmen an die sich wandelnden epidemiologischen Gegebenheiten an.
Mit Blick auf die Zukunft intensivieren wir unsere Bemühungen für Bevölkerungsgruppen, die dem höchsten Risiko für Infektionskrankheiten ausgesetzt sind. Mit Hilfe mobiler Labore führen wir Risikoanalysen und Feldstudien in abgelegenen und unterversorgten Gebieten durch. Mit Unterstützung moderner Datenwissenschaften analysieren wir Infektionsdynamiken und modellieren Risikomuster für Ausbrüche. Diese Aktivitäten fließen in die Entwicklung von Vorhersagemodellen und Frühwarnsystemen ein, die Infektionserreger beim Menschen, bei Tieren und in der Umwelt einbeziehen (One Health). Die Daten werden unter Bedingungen gesammelt und gespeichert, die es ermöglichen, Modelle künstlicher Intelligenz für tropische Infektionskrankheiten zu trainieren.

Ziel ist es, Faktoren, die Einfluss auf tropische Infektionen haben, noch detaillierter zu verstehen. Dies umfasst einerseits die Bedingungen der Erregerübertragung, insbesondere durch Stechmücken. Andererseits stehen die Risikofaktoren des Menschen im Fokus, insbesondere Genetik und Epigenetik sowie gesellschaftliche Determinanten einschließlich Ernährung und Verhalten. Zusätzlich wird am BNITM die Reaktion des Immunsystems auf den eingedrungenen Erreger untersucht. Ziel dieses interdisziplinären Ansatzes ist es, alle bedeutenden Umgebungsdaten zu Infektionsrisiken in tropischen Ländern unter realen Bedingungen zu erheben und integrativ zu analysieren.
Um den aktuellen Herausforderungen der Tropenmedizin gerecht zu werden, hält das BNITM ein breites, modernes Methodenspektrum vor.
Dies umfasst neueste Techniken der Immunologie (im Wirt und Überträger) und der Vektorkompetenzanalyse genauso wie die digitalisierte Erhebung und Auswertung von Daten – von modernen Modellierungstechniken über den Umgang mit hoch- dimensionalen Daten (Big Data) bis hin zur Analyse hochauflösender Satellitendaten. Dies ermöglicht eine präzise Untersuchung von Infektionsdynamiken, insbesondere von Übertragungswegen und der Verbreitung antimikrobieller Medikamentenresistenzen (AMR) speziell in ressourcenarmen Regionen.
Zukünftig wird das BNITM seinen Einsatz für die am stärksten von Infektionskrankheiten betroffenen Bevölkerungsgruppen noch weiter intensivieren. Dafür sollen mithilfe leistungsstarker mobiler Labore in fernab gelegenen und vernachlässigten Landesteilen detaillierte Risikoanalysen durchgeführt werden. Diese Studien führt das Institut in enger, vertrauensvoller Partnerschaft mit Institutionen in den entsprechenden Regionen durch.
Kontakt
- Dr. Anneke Novak-Funk
- Leitung Wissenschaftsmanagement
- Telefon: +49 40 285380-266
- E-Mail: novak-funk@bnitm.de
Downloads
- BNITM Zweijahresbericht 2023-2024 ( PDF 9 MB )
- BNITM Flyer ( PDF 5 MB )
- BNITM Organigramm ( PDF 2 MB )
- BNITM Strategie 2030 ( PDF 3 MB )