Mitteilung

Spucken statt stechen

Internationales Forschungsprojekt PROMISE will Malaria-Diagnose revolutionieren

Malariatests anhand von Speichel- statt Blutproben – das ist die Vision eines länderübergreifenden Forschungskonsortiums, das heute erstmals in Gabun zusammenkommt. Unter der Leitung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) wollen die Forschenden einen neuartigen Speicheltest auf den Weg bringen, der hygienisch, schmerzfrei und potenziell überall einsetzbar ist. Gefördert wird das Projekt mit rund 2,5 Millionen Euro von der südkoreanischen RIGHT Foundation. Die Laufzeit beträgt drei Jahre. 

Foto von fünf Personen im Labor. Sie lächeln freundlich in die Kamera.
©BNITM

Malaria zählt nach wie vor zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten allein im Jahr 2023 rund 263 Millionen Menschen, fast 620.000 starben; die meisten waren Kinder unter fünf Jahren in Afrika. Vier Länder, darunter Nigeria und die Demokratische Republik Kongo, tragen die Hälfte der weltweiten Krankheitslast.

Warum viele sich nicht testen lassen

Obwohl eine frühe Diagnose Leben retten kann, scheuen viele Menschen den Gang zur Teststation. Blutentnahmen sind unangenehm, gerade bei Kindern, mitunter tabuisiert oder schlichtweg nicht möglich, wenn medizinisches Personal fehlt. Hinzu kommt: Selbst aktuelle Schnelltests auf Blutbasis liefern nicht immer verlässliche Ergebnisse, etwa bei selteneren Malaria-Erregern oder bei genetischen Varianten des Parasiten. PROMISE will hier ansetzen – mit einem Test, der ohne Nadel, aber mit hoher Genauigkeit auskommen soll.

Eine KCCR-Mitarbeiterin nimmt Blut an der Fingerkuppe eines Kleinkindes ab, um es auf Malaria zu testen.
Untersuchung auf Malaria-Infektionen einer Kinderambulanz in Ghana   ©Emmanuel Baah

Malaria wird bislang meist durch den Nachweis von Erregerbestandteilen im Blut festgestellt. Das neue Diagnosesystem setzt auf Speichel. Zentraler Biomarker ist ein Enzym der Malaria-Erreger, das auch bei geringer Parasitenlast zuverlässig nachgewiesen werden kann – mit hoher Spezifität und Sensitivität. Das Testformat basiert auf einem lateral flow assay (LFA), einem Papierstreifen-Schnelltest ähnlich einem Schwangerschaftstest.

Vom Laborgerät zum praxistauglichen Schnelltest

Die Technologie wurde von der dänischen Aarhus University, Department of Molecular Biology and Genetics (AUMBG) entwickelt und soll nun zur Marktreife geführt werden.

Die Umsetzung umfasst mehrere Schritte: die Optimierung der Enzymnachweistechnologie, die Entwicklung eines einfach anzuwendenden Speichel-Probennahme-Systems sowie die Herstellung stabiler, lagerfähiger Testreagenzien. Der Test wird in mehreren Ländern klinisch geprüft werden, unter anderem in Gabun, Benin und Südkorea. Perspektivisch soll er auch in weiteren Malaria-Endemiegebieten eingesetzt werden.

„Unsere Vision ist ein universell einsetzbarer Schnelltest, der für alle Altersgruppen und alle Malariaarten funktioniert – und das ohne Blut. Damit könnten wir die Diagnostik auch in abgelegenen Regionen revolutionieren“, sagt Prof. Dr. Ghyslain Mombo-Ngoma, Projektkoordinator und Arbeitsgruppenleiter am BNITM sowie Leiter der Arzneimittelforschung am Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun.

Porträt-Foto des gabonesischen Forschers Ghyslain Mombo-Ngoma: Er trägt Glatze, einen kurzen Vollbart und ein dunkelblaues afrikanisches Shirt und lächelt in die Kamera.
Prof. Dr. Ghyslain Mombo-Ngoma   ©BNITM | Julia Rauner

Zugang ermöglichen, Versorgung verbessern

Das Projekt wird durch die RIGHT Foundation (Research Investment for Global Health Technology) aus Südkorea mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert. Die Forschungspartner verpflichten sich, das künftige Diagnostikprodukt bezahlbar und breit verfügbar zu machen, insbesondere in Ländern mit hoher Krankheitslast.

Ziel der klinischen Studien ist es, die notwendigen Voraussetzungen für die Zulassung durch die zuständigen europäischen Behörden und eine Empfehlung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu schaffen. Darüber hinaus ist ein Labortest für Forschungseinrichtungen geplant, mit dem sich die Ergebnisse des Schnelltests zu Qualitätssicherungszwecken präzise nachvollziehen und vergleichen lassen. Dieser Labortest wird weltweit verfügbar sein, ebenfalls zu erschwinglichen Kosten.

Partnerländer

Gabun, Deutschland, Dänemark, Schweiz, Südkorea

Partnerinstitutionen

 

Ansprechperson

Julia Rauner

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Telefon : +49 40 285380-264

E-Mail : presse@bnitm.de