FAQ zu Flughafen-Malaria

Haftungsausschluss

Die Inhalte dieser Website dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Sie ersetzen nicht die individuelle Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson.

Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen übernommen. Die Anwendung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte stets an eine Ärztin, einen Arzt oder anderes qualifiziertes Fachpersonal.

1. Wie kommt es zu Malariafällen in der Nähe von Flughäfen?

In der Nähe von Flughäfen kann es auch in Malaria-freien Regionen vereinzelt zu Fällen an „Flughafen-Malaria“ als auch „Gepäck-Malaria“ kommen. In beiden Fällen werden infizierte weibliche Anopheles-Mücke aus einem Endemiegebiet in ein malariafreies Gebiet transportiert; sie unterscheiden sich jedoch darin, wie die Mücke ankommt und wo der Stich erfolgt.

Flughafen-Malaria: Die infizierte Mücke kommt mit dem Flugzeug an und sticht eine Person am oder in der Nähe eines Flughafens, also häufig unter Flughafenmitarbeitern oder Anwohnern. Es handelt sich um eine Form der einheimischen (autochthonen) Malaria, da die Infektion vor Ort und nicht durch eine Reise in ein Endemiegebiet erfolgt.

Gepäckmalaria: Die infizierte Mücke gelangt im Passagiergepäck oder in Frachtgut an. Eine Infektion kann auftreten, nachdem die Mücke aus dem Gepäck entweicht und eine Person sticht, manchmal auch abseits des Flughafens. Dies steht eher im Zusammenhang mit dem Transport des Vektors im Gepäck oder in Frachtgut als mit einer direkten Exposition auf dem Rollfeld oder im Terminal. In Europa sind laut einer Übersichtsarbeit bisher 32 Fälle berichtet worden, die auf diese Weise zustande gekommen sind.

2. Wie funktioniert die Übertragungskette bei einer importierten Malaria?

Mehrere Bedingungen müssen erfüllt sein damit es zu einer Einschleppung von Malaria kommen kann:

1. Eine infizierte Mücke gelangt ins Flugzeug: Mücken können in der Kabine, im Frachtraum, im Gepäck, in der Ladung oder in anderen Verstecken des Flugzeugs transportiert werden;

2. Die Mücke und der Parasit überleben den Flug: Einige Mücken können Langstreckenflüge überleben und der Insektenbekämpfung entgehen, insbesondere wenn Resistenzen gegen die im Flugzeug eingesetzten Insektizide vorliegen oder die Insektizide nicht überall hingelangen;

3. Der Parasit entwickelt sich in der Mücke zum infektiösen Stadium: Nachdem eine Mücke Parasiten bei einer infizierten Person aufgenommen hat, muss eine Entwicklung der Parasiten zum infektiösen Stadium stattgefunden haben, um dann bei einem späteren Stich weitergegeben zu werden. Dieser Prozess dauert in der Mücke etwa 10-14 Tage Tage. Die Mücke kann im Flugzeug die infektiösen Stadien schon tragen oder diese werden erst nach Ankunft der Mücke ausgebildet;

4. Die infektiöse Mücke sticht eine Person auf dem Flughafen oder in der Nähe des Flughafens: Fälle treten dann auf dem Gebiet oder im Umfeld internationaler Flughäfen auf, insbesondere bei Flughafenmitarbeitern oder Anwohnern.

3. Was erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung bei importierter Malaria?

Die direkte Einschleppung infizierter Mücken durch den Flugverkehr ist der zentrale Mechanismus. Die örtlichen Bedingungen rund um Flughäfen ermöglichen ein kurzzeitiges Überleben der Mücken und Stiche nach ihrer Ankunft. Die klimatischen Umwelt-Bedingungen spielen unter anderem eine Rolle. Lücken bei Kontrollmaßnahmen im Flugzeug oder Resistenzen können dazu führen, dass Mücken trotz solcher Bekämpfungsmaßnahmen überleben.

4. Wer ist einem Risiko für importierte Malaria besonders ausgesetzt?

Mitarbeitende, die auf Landebahnen arbeiten oder Container öffnen, Kabinen- und Kontrollpersonal, Passagiere und Anwohner in der Nähe des Flughafens, Menschen, die nicht zu weit vom Flughafen leben, sowie Reisende, die zu Hause das Gepäck öffnen, wenn sich dort infizierte Moskitos befinden.

5. Wie kann es sonst zu Infektion kommen?

Eine Infektion während des Fluges oder bei einem Zwischenstopp ist sehr selten und gilt nicht als Flughafenmalaria. In diesem Fall kommt es schon während eines Fluges oder während eines Zwischenstopp des Reisenden zur Infektion und nicht erst nach der Ankunft in der Nähe eines Flughafens. Damit handelt es sich um eine andere Übertragungssituation.

6. Wie hoch ist das Risiko einer Malariaübertragung, wenn eine infizierte Person eintrifft?

Das Risiko einer Sekundärübertragung ist in einem malariafreien Gebiet in der Regel sehr gering, aber nicht gleich null. Die Situation wird erst dann relevant, wenn die eingereiste Person infektiöse Stadien in sich trägt, kompetente Anopheles-Vektoren vorhanden sind (also solche, die überhaupt in der Lage sind Malariaerreger zu übertragen) und die örtlichen Bedingungen das Überleben der Mücken sowie deren weitere Ausbreitung begünstigen.

7. Wie viele Anopheles-Arten kommen in Deutschland vor, und wieviele können Malariaparasiten übertragen?

Sieben Anopheles-Arten wurden in Deutschland beschrieben, und bei fünf Spezies ist die Fähigkeit der Übertragung von Malariaparasiten gezeigt worden oder wird vermutet, insbesondere im Anopheles-maculipennis-Komplex und Anopheles plumbeus.

8. Wie häufig wurde Flughafen-Malaria in Deutschland und Europa gemeldet?

Importierte Malaria wurde in Deutschland selten beschrieben, und es handelt sich bisher um Einzelfälle: Eine europäische systematische Übersicht aus dem Jahr 2024 zählte neun Fälle von Flughafen-Malaria in Deutschland unter 145 in Europa bis Januar 2024 gemeldeten Fällen von Flughafen-/Gepäck-Malaria, womit Deutschland zu den Ländern mit den meisten Meldungen zählt. In Deutschland gab es zwei Fälle von Flughafen-assoziierter Malaria tropica in Frankfurt im Jahr 2019 und drei weitere Flughafen-assoziierte Fälle in Frankfurt im Jahr 2022. Seit Juli 2026 hat es acht weitere Fälle in der Nähe des Frankfurter Flughafens gegeben. Etwa die Hälfte der Fälle von Flughafenmalaria in Europa traten in Ausbrüchen mit 2 bis 6 Fällen pro Cluster auf.

Seit 2015 sind dem Robert Koch-Institut (RKI) 19 Malariafälle mit wahrscheinlicher Übertragung in Deutschland bekannt geworden (Epidemiol Bulletin 38/2026): zwei Fälle mit Krankenhausinfektion, ein Fall von Koffermalaria, 1 konnatale Mutter-Kind-Übertragung, ein Fall mit unklarem Übertragungsweg und 14 Fälle von möglicher Flughafenmalaria (zwei Fälle 2019, drei Fälle 2022, ein Fall 2023, acht Fälle 2026). Die Fälle von Flughafenmalaria stehen alle im Zusammenhang mit dem internationalen Flughafen Frankfurt am Main.

Der Flughafen Frankfurt am Main ist der einzige deutsche Flughafen, der in den ausgewerteten Belegen ausdrücklich als Ort mit Fällen von Flughafen-Malaria identifiziert wurde. Dort wurden im Oktober 2019 zwei Fälle gemeldet, und im Jahr 2022 trat am Frankfurter Flughafen ein separater Cluster mit drei Fällen auf.

9. Wie weit können Anopheles-Mücken fliegen?

Anopheles-Mücken fliegen in der Regel nur kurze Strecken, doch ihre Flugreichweite variiert je nach der Moskito-Art und den Umgebungsbedingungen. Für viele Anopheles-Mücken wird eine Reichweite von etwa ein bis zwei km angenommen, wobei mehrere Studien zwei km als maximale Flugreichweite für die meisten Anopheles-Arten angeben. Andere Quellen beschreiben eine typische tägliche Bewegungsreichweite von nur wenigen hundert Metern für An. gambiae und An. arabiensis, während eine umfassendere Übersicht feststellt, dass die meisten erwachsenen Anopheles-Mücken normalerweise nicht weiter als drei bis fünf km von ihrem Ursprungs- oder Freisetzungsort wegfliegen. Eine Verschleppung durch Wind über größere Distanzen ist vorstellbar. In 2020 wurde ein wahrscheinlich durch Flughafenmalaria verursachter Erkrankungsfall etwa fünf km vom Flughafen beobachtet.

10. Wie oft sticht ein Anopheles-Weibchen?

Ein Anopheles-Weibchen sticht in der Regel etwa einmal pro Gonotrophiezyklus (Eientwicklung), was in vielen Modellierungsmodellen mit etwa alle zwei bis vier Tage angenommen wird. Wenn die Blutaufnahme nicht ausreichend ist, weil die Mücke zum Beispiel verjagt wird, hat sie die Tendenz, nochmal zu stechen, eventuell eine andere Person. Umgerechnet auf eine tägliche Rate sind das je nach Art und Bedingungen oft etwa 0,25–0,5 Stiche pro Tag. Einige Arten stechen mehr als einmal im selben Zyklus, sodass die tatsächliche Häufigkeit höher sein kann als die einfache Annahme „eine Mahlzeit pro Zyklus“. 

11. Wie hoch ist die Lebenserwartung von Anopheles-Mücken?

Anopheles-Mücken können in freier Wildbahn etwa eine Woche und unter Laborbedingungen mehr als einen Monat leben. Weibliche Anopheles-Mücken leben deutlich länger als Männchen. Unter günstigen Bedingungen können Weibchen in freier Wildbahn etwa 10 bis 30 Tage leben, und unter kontrollierten Laborbedingungen sogar mehrere Monate. Männliche Anopheles-Mücken haben eine viel kürzere Lebensdauer von nur etwa 10 Tagen oder weniger. Das Überleben der ausgewachsenen Mücken unterscheidet sich bei den Anopheles-Arten und wird stark von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ernährung beeinflusst.

12. Welche Insektizide werden in Flugzeugen verwendet?

Es gibt spezifische Insektizide gemäß internationalen Luftfahrtrichtlinien. Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen folgende Wirkstoffe für die Desinfektion von Flugzeugen:

• Pyrethroide (z. B. Permethrin, Deltamethrin) – synthetische Insektizide, die das Nervensystem von Insekten beeinträchtigen;

• Organophosphate (z. B. Malathion) – Phosphorverbindungen mit neurotoxischer Wirkung auf Arthropoden;

• Neonicotinoide – neuere Wirkstoffe mit selektiver Toxizität gegenüber Insekten;

• Dichlorvos – ein Organophosphat-Insektizid, das in einigen Regionen eingesetzt wird;

Die Sprühdesinfektion wird entweder während des Fluges oder am Boden durchgeführt, wobei der Insektizidnebel in der gesamten Flugzeugkabine verteilt wird. Der Vorgang findet in leeren Kabinen oder nach dem Aussteigen der Passagiere statt, um deren Sicherheit zu gewährleisten. Bei der Residualbehandlung werden langwirksame Insektizide auf Oberflächen aufgetragen, die häufig von Insekten aufgesucht werden, wie beispielsweise Türrahmen und Gepäckfächer.

13. Welche Anopheles-Arten sind an der Flughafen- oder Gepäckmalaria beteiligt?

In den Fallberichten zur Flughafen- oderGepäckmalaria wird keine Anopheles-Art namentlich genannt; die Hinweise besagen lediglich, dass eine infizierte Anopheles-Mücke im Gepäck oder in Waren mitgeführt wurde. Eine europäische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 stuft 32 Fälle als Gepäckmalaria ein, doch der bereitgestellte Auszug listet die Mückenarten für diese Fälle nicht auf. Eine spätere Erörterung der „Gepäckmalaria“ bezieht sich ebenfalls auf eine infektiöse Mücke im Gepäck und in Waren, ohne eine Art zu benennen. Frühere Übersichtsarbeiten erwähnen ebenfalls in Gepäck transportierte Vektoren, wiederum ohne Identifizierung auf Artenebene im verfügbaren Text.

14. Weiterführende Informationen

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

European Centre for Disease Prevention and Control

Robert Koch-Institut 

Malariaforschung am BNITM

Malaria ist ein zentraler Forschungsschwerpunkt am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Die Forschung reicht von der Aufklärung molekularer Strukturen und Mechanismen über klinische Fragestellungen bis hin zu Fragen der globalen Gesundheitsversorgung:

  • Parasitenbiologie und Lebenszyklus von Plasmodium falciparum
  • Immunantwort und Impfstoffentwicklung
  • Klinische Forschung zu Diagnostik und Therapie
  • Epidemiologie und Krankheitskontrolle
  • Vektorforschung zu Anopheles-Mücken
  • Datenanalyse und Modellierung: Nutzung von bioinformatischen und computergestützten Methoden zur Analyse großer Datensätze, zur Modellierung von Infektionsdynamiken und zur Vorhersage von Ausbreitungsmustern

Relevante Forschungsgruppen:

Grundlagenforschung / Zellbiologie

Abteilung Zelluläre Parasitologie

AG Malaria-Zellbiologie

Nachwuchsgruppe Molekulare Parasitologie

Immunologie

AG Wirt-Parasit-Interaktion

AG Protozoen Immunologie

Nachwuchsgruppe Malaria B-Zell Immunologie

Vektorforschung zu Anopheles-Mücken

Laborgruppe Heitmann

Arthropodenzucht

Klinische Forschung

Abteilung Klinische Forschung

Laborgruppe Groger

Laborgruppe Zoleko Manego

Laborgruppe Mischlinger

Epidemiologie

Abteilung Infektionsepidemiologie

Laborgruppe Angewandte Epidemiologie und Biostatistik

Computational Sciences

Abteilung für computergestützte Infektionsbiologie

Laborgruppe Bachmann

 

 

 

 

  • Prof. Dr.  Jürgen May
  • Head of Dept Infectious Diseases Epidemiology
  • Telefon: +49 40 285380-402
  • E-Mail: chair@bnitm.de
  • Die Labordiagnostik | Beratung für Ärzt:innen
  • Beratung zum Diagnostikverfahren
  • Telefon: +49 40 285380-211
  • Fax: +49 40 285380-252
  • E-Mail: labordiagnostik@bnitm.de